Entomologie

Rüsselkäfer (Eupholus geoffroyi)

Termiten (Fam Nasutitermitidae)

Bockkäfer (Batocera wallacei)

Bärenspinner (Aigner argus)

Heuschrecke (Hexacentrus sp.)

Wanze (Oncomeris sp.)

Frisch gespannte Schmetterlinge

Erzwespe (Leucospis sp.)

Womit beschäftigt sich die Entomologie?

Entomologie ist die Lehre von den Kerbtieren (griechisch éntomos = eingeschnitten, gekerbt; lógos = die Lehre), ein Begriff der auf den griechischen Philosophen und Begründer der abendländischen Naturwissenschaften Aristoteles (384-322 v. Chr.) zurückgeht. Von ihm stammt der Begriff éntomon (= Kerbtier). Der gebräuchliche deutsche Name „Insekt“ geht auf das lateinische Wort insectus, das ebenfalls „eingeschnitten“ oder „gekerbt“ bedeutet, zurück. Entomologie ist damit gleichbedeutend mit Insektenkunde.

Was sind Insekten?

Insekten bilden in der zoologischen Systematik zusammen mit Krebsen, Spinnentieren und verschiedenen Gruppen von Tausendfüßern die systematische Einheit der Arthropoda oder Gliederfüßer. Der Bauplan der Insekten unterscheidet sich von dem anderer Arthropoden durch die Gliederung in drei klare Abschnitte – Kopf, Brust und Hinterleib – und die Anzahl von 6 Beinen, die paarweise an den drei Segmenten des Brustabschnitts sitzen. Weitere Kennzeichen von Insekten sind: 1 Paar Kopfantennen, aus Einzelaugen zusammen gesetzte Komplexaugen, ein Außenskelett aus Chitin, unterteilt in steife Platten und weiche Membranen, sowie den Körper durchziehende Röhren (Tracheen) für die Atmung. Der größte Teil der lebenden Insektenarten besitzt außerdem (1 oder) 2 Paar Flügel am Brustabschnitt. Die Entwicklung der Insekten vom Ei zum erwachsenen Tier (Imago) kann in einer „unvollständigen“ Verwandlung (Hemimetabolie) erfolgen, bei der die Larvenstadien bereits den erwachsenen Tieren ähneln (z.B. Schaben, Heuschrecken, Wanzen), oder in einer „vollständigen“ Metamorphose. Bei diesen holometabolen Insekten entwickeln sich die Imagines aus völlig anders aussehenden Larven über ein spezielles Puppenstadium (z.B. Schmetterlinge, Käfer, Hautflügler).

Warum eine eigene Abteilung für Insektenkunde?

Insekten sind Tiere und damit könnten sie theoretisch auch in der zoologischen Abteilung mitbearbeitet werden. Die Begründung für eine eigene Abteilung liegt zunächst an der Fülle der Untersuchungsobjekte. Bislang sind fast 1 Million Insektenarten beschrieben worden; Schätzungen gehen von mindestens der 5 bis 10-fachen Anzahl aus. Damit machen Insekten ca. 3/4 aller Organismen auf der Erde aus. Laufend werden neue Arten von Insekten gefunden, wissenschaftlich beschrieben und in das bestehende Klassifikationssystem eingeordnet. Selbst eine neue Insektenordnung (Mantophasmatodea) konnte in den letzten Jahren beschrieben werden. Entsprechend ist die Insektensammlung eines Naturkundemuseums meist sehr umfangreich und auch im SMNK stellt sie mit ca. 2,5 Millionen Exemplaren die größte Einzelsammlung da.
Der zweite Grund liegt in den speziellen Präparationsmethoden, die angewandt werden müssen, um verschiedene Insektengruppen für wissenschaftliche Untersuchungen aufzubereiten. Dazu zählen auch Genitalpräparationen selbst kleinster Insekten unter der Stereolupe.

Aufgaben der entomologischen Abteilung

Die Aufgaben der Mitarbeiter in der entomologischen Abteilung sind sehr vielfältig. Allen gemeinsam ist jedoch die Notwendigkeit, Zugang zu umfangreichen, gut sortierten und identifizierten Sammlungen zu haben.

Im Einzelnen umfassen sie folgende Bereiche:

- Forschen in verschiedenen Forschungsschwerpunkten (Forschungsprojekte)

  • Taxonomisch-systematische Forschung: Entdecken und wissenschaftliches Beschreiben bislang unbekannter Insektenarten und Abgrenzung gegenüber schon bekannten; Einordnen der Arten in ein Ordnungssystem; Erstellen von Bestimmungsschlüsseln. Die Ergebnisse dieser Arbeiten sind für alle sonstigen Forschungen in der Biologie von fundamentaler Bedeutung.
  • Phylogenetische und evolutionsbiologische Forschung: Aufklären von Verwandtschaftsverhältnissen und möglichen Entwicklungsabläufen.
  • Ökologische Forschung: Erforschen der Lebensweise von Insekten, ihrer Bedeutung im Ökosystem und ihrer Beziehungen zu anderen Lebewesen.
  • Biogeographische und faunistische Forschung: Aufklärung und Dokumentation der Verbreitung von Insekten sowie Überwachen des Bestandes in Baden-Württemberg auftretender Insektenarten einschließlich eingeschleppter Schadinsekten (z.B. Kastanienminiermotte, Asiatischer Laubholzbockkäfer).

- Sammeln, Präparieren und Konservieren von Insekten; Ausbau der Sammlung durch Forschungsarbeiten der Museumsmitarbeiter im Freiland und durch Integration neu erworbener Sammlungen (Schenkungen, Nachlässe, Kauf).

- Bestimmen, Ordnen und Inventarisieren der Sammlungsbestände; Dokumentation der Sammlungsbestände in Listen und Datenbanken.

- Verbreitung der Forschungsergebnisse und der Sammlungsinformationen in Form gedruckter oder elektronischer Veröffentlichungen (Fachzeitschriften, Bücher, CDs, Internet) oder in Vorträgen. Nutzer sind die wissenschaftliche Gemeinde, Behörden und die breite Öffentlichkeit.

- Konzeption und Durchführung von Ausstellungen über Insekten einschließlich der Präsentation lebender Tiere, Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit des Hauses durch Bereitstellung von Präparaten, Photos und Texten.

- Amtshilfe für andere Behörden und Institutionen insbesondere im Bereich Umwelt- und Naturschutz, Zoll und Polizei (z.B. Bestimmung von Insektenarten); Kooperationen mit Universitäten, fachliche Betreuung von Examens- und Promotionsarbeiten, Betreuung ehrenamtlicher Mitarbeiter (siehe Service).

- Beratung der Öffentlichkeit insbesondere über die Schädlichkeit in Haus und Garten aufgefundener Insekten (siehe Service).