Die Insektensammlung des SMNK geht wie das gesamte Museum auf das Badische Naturalienkabinett der Markgräfin Caroline Luise (1723-1783) zurück. Von den wenigen Insekten dieser Gründungszeit (1751-1783) sind heute leider keine Präparate mehr erhalten. Aus der Zeit von Carl Christian Gmelin (1785-1837), dem ersten Direktor des Museums, ist eine Liste bekannt, die 118 Arten und 353 Exemplare erwähnt. Einzelne der mit Gmelinschen Namensetiketten versehenen Exemplare sind bis heute erhalten geblieben.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Insektensammlung einige bedeutende Zugänge zu verzeichnen, z. B. die Sammlungen Arnsperger und Türckheim sowie Ausbeuten aus Mexiko, Sumatra und Java. Allerdings ist hiervon der größte Teil nicht erhalten geblieben, da die Präparate damals noch zu großen Teilen als Schausammlung ausgestellt waren, womit der Verlust der meisten Stücke zu erklären ist.
Die Trennung einer wissenschaftlichen Sammlung von der Schausammlung erfolgte erst unter dem Direktor Max Auerbach (1902-1945), der damit den Grundstein für eine spätere eigene Entomologische Abteilung legte. Er begann mit der Neuordnung der Sammlungen nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten und der Aufstellung einer Badischen Sammlung. 1920 wurde mit Hermann Leininger erstmals ein eigener Konservator für Insekten eingestellt. Bedeutendster Zugang in dieser Zeit war 1917 die Schmetterlingssammlung des Karlsruher Baumeisters Martin Daub. Sie galt damals mit fast 56.000 Exemplaren aus dem paläarktischen Faunengebiet als eine der größten Mitteleuropas.
In der Bombennacht vom 2. zum 3. September 1942 konnte die wissenschaftliche Insektensammlung im Gegensatz zur Schausammlung zwar komplett aus dem brennendem Sammlungsgebäude gerettet werden, aber die anschließende Notlagerung ist an ihr nicht spurlos vorübergegangen. Erst 1964 konnten die neuen trockenen und weitgehend staubfreien Magazinräume im 2. Obergeschoss des Museumsgebäudes bezogen werden, in denen die Sammlung bis heute untergebracht ist.
Ehemalige Kuratoren und langjährige Mitarbeiter der Entomologischen Abteilung des SMNK
Hermann Leininger, Prof. Dr. (1885-1954), ab 1920 Wissenschaftlicher Mitarbeiter, später erster Konservator für Entomologie; 1936 Ruf an die Hochschule für Lehrerbildung Karlsruhe; nach seiner Pensionierung von 1950 bis zum Tode ehrenamtlicher Mitarbeiter. Spezialist für Hautflügler (Hymenoptera), insbesondere Ameisen (Formicidae).
(Stritt, W. (1954): Hermann Leininger zum Gedächnis. Beitr. naturk. Forsch. SüdwDtl. 13(2): 67-70.)
Rudolf Becker (1890-1956), am Museum von 1908-1912 und 1918-1955 als Diener bzw. Laborant angestellt, wie die Präparatoren damals genannt wurden. Erster Präparator des SMNK mit dem Schwerpunkt Insekten. Hinterließ dem Museum eine Sammlung von Fliegen.
(Mayer, G. (1982): Beiträge zur Geschichte der Badischen Landessammlungen für Naturkunde in Karlsruhe XIII. Von Dienern und Präparatoren des Naturalienkabinetts. carolinea 40: 113-124.)
Alois Gremminger (1886-1960), Reichsbahn-Oberinspektor, ehrenamtlicher Mitarbeiter in den 50er Jahren, bedeutender Kenner der badischen Großschmetterlingsfauna, wovon auch seine im SMNK deponierte Sammlung zeugt.
(Stritt, W. (1960): Nachruf für Alois Gremminger. Beitr. naturk. Forsch. SüdwDtl. 19(2): 115-117.)
Hans Nowotny (1897-1971), Kellner und Präparator, ehrenamtlicher Mitarbeiter von 1952-1959, hauptsächlich mit der Neuordnung der Käfersammlung beschäftigt. Hinterließ dem Museum eine bedeutende Regionalsammlung über Käfer (Coleoptera), Wanzen (Heteroptera) und Ameisen.
(Voigt, K. (1971): Hans Nowotny . Beitr. naturk. Forsch. SüdwDtl. 30(2): 165-167.)
Walter Stritt (1892-1975), Studienprofessor in Karlsruhe, langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter seit den 50er Jahren, der wesentlich am Wiederaufbau der Insektensammlung und der entomologischen Bibliothek beteiligt war. Spezialist für Hautflügler, speziell Pflanzenwespen (Symphyta) und Grabwespen (Sphecidae).
(Ebert, G. (1976): Walter Stritt . Beitr. naturk. Forsch. SüdwDtl. 35: 7-8.)
Siegfried Wilke, Dr., Regierungsrat, ehrenamtlicher Mitarbeiter seit 1955 bis zu seinem Wegzug aus Karlsruhe Anfang der 60er Jahre. Neuaufstellung der Käfersammlung. Spezielles Interesse für Laufkäfer (Carabidae) und Bockkäfer (Cerambycidae).
Hans-Georg Amsel, Dr. (1905-1999), Erster Leiter der neu geschaffenen Entomologischen Abteilung von 1955 bis 1973, danach langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter. Initiator und Herausgeber der Buchreihe Microlepidoptera Palearctica, einem bislang 10-bändigem Standardwerk über die Kleinschmetterlinge der Paläarktischen Faunenregion. Verleihung der Fabricius-Medaille der DGaaE und 1. Träger des Ernst-Jünger-Preises des Landes Baden-Württemberg für bedeutende Leistungen auf dem Gebiet der Entomologie. Spezialist für Kleinschmetterlinge (Microlepidoptera), legte den Grundstein für die international bedeutende Microlepidopteren-Sammlung des SMNK. Zwei Expeditionen nach Afghanistan (1956 und 1966).
(Ebert, G. (2001): Dr. Hans-Georg Amsel 1905-1999. carolinea, 59: 173-174.)
Berta Kloiber, Präparatorin in der Abteilung von 1967 bis 1996. Übernahm nach 1992 die Anfertigung von Genitalpräparaten, insbesondere im Rahmen von Untersuchungen einheimischer Schmetterlinge für das Grundlagenwerk Die Schmetterlinge Baden-Württembergs.
Heinz Falkner, Präparator in der Abteilung von 1971-1992, war insbesondere für die Präparation der Sammelausbeuten aus dem Vorderen Orient, Genitalpräparationen und für Ordnungsarbeiten an der wissenschaftlichen Lepidopterensammlung zuständig.
R. Ulrich Rösler, Prof. Dr., Leiter der Entomologischen Abteilung von 1973 bis 1990. Mitarbeiter an der Buchreihe Microlepidoptera Palearctica, Spezialist für Kleinschmetterlinge und die Schmetterlingsfauna Sumatras.
Dieter Heidelberger (1925-1998), ehrenamtlicher Mitarbeiter seit Mitte der 70er Jahre. Spezialist für Tagfalter Südostasiens und Australiens. Hinterließ dem SMNK eine bedeutende Sammlung aus diesen Regionen.
(Ebert, G. (1999): Dieter Heidelberger 19251998. carolinea, 57: 152.)
Paul Westrich, Dr., Leiter der Entomologischen Abteilung von 1990 bis1993. Spezialist für Hautflügler, insbesondere Bienen (Apoidea). Autor des Grundlagenwerkes Die Wildbienen Baden-Württembergs
Fritz Brechtel, Dr., Wissenschaftlicher Volontär von 1983-85 und Leiter der Entomologischen Abteilung von 1993 bis 2001. Mitherausgeber des Grundlagenwerkes Die Pracht- und Hirschkäfer Baden-Württembergs. Spezialist für holzbewohnende Käfer (Coleoptera) und Hautflügler (Hymenoptera).
Publikationen zur Geschichte der Abteilung
Ebert, G. (1964): Die Macrolepidopteren-Sammlungen der Landessammlungen für Naturkunde Karlsruhe und in Karlsruhe und ihre Neugestaltung. Beitr. naturk. Forsch. SW-Deutschl. 23 (2), 87-106.
Ebert, G. (1985): Chronik der Entomologischen Abteilung. In: Vom Naturalienkabinett zum Naturkundemuseum 17851985. Geschichte der Landessammlungen für Naturkunde Karlsruhe, S. 6572. Karlsruhe (G. Braun).
Brechtel, F. (2000): Die Entomologische Abteilung. In: 25 Jahre in der Geschichte des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe Berichte aus den Abteilungen. carolinea, 58: 45-50.
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