Zoologie

Forschungsschwerpunkte

Spinne mit Beute

Insektenfang mittels Stamm-Eklektor

Buchenwald bei Schluttenbach

Ökotoxikologische Untersuchung

Feldarbeit in Brasilien

Vogelsammlung

Die Forschung in der zoologischen Abteilung ist durch die speziellen Kenntnisse der Mitarbeiter, die Sammlungsschwerpunkte und durch abteilungsübergreifende Forschungsschwerpunkte gekennzeichnet. Die Forschungsschwerpunkte sind im Forschungsrahmenprogramm des Institutes festgelegt und werden mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart abgestimmt. Den Forschungsschwerpunkten sind die aktuellen Projekte zugeordnet, die einige Monate bis viele Jahre laufen. Die Projekte sind häufig zusätzlich oder überwiegend durch Drittmittel des Bundes, des Landes oder privater Stiftungen finanziert, da der hauseigene Etat für Forschungsarbeiten sehr begrenzt ist.


Forschungsschwerpunkte

Arachnologie
Unter Arachnologie versteht man die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Spinnentieren, den Arachniden (eine Ordnung der Arthropoden).

Dazu gehören neben den Echten Spinnen (oder Webspinnen), die Skorpione, Pseudoskorpione, Milben, Weberknechte, Walzenspinnen, Geißelspinnen und Geißelskorpione und die Palpigraden. Unser besonderes Interesse gilt:

  • der Faunistik und Ökologie der Webspinnen (Araneae) in Süddeutschland
  • der Erforschung der Lebensweise, Ökologie und Verbreitung von Webspinnen sowie Neubeschreibungen von Arten aus Südamerika
  • der Revision von Verwandtschaftsgruppen und Neubeschreibung von Arten in der sehr artenreichen Gruppe der Hornmilben (Oribatida) mit Schwerpunkt Mitteleuropa und Amazonas.


Bodenzoologie
In der Bodenzoologie beschäftigen wir uns mit der Erfoschung der Biologie und Ökologie von bodenbewohnenden Tieren. Dazu führen wir seit vielen Jahren sowohl in Mitteleuropa als auch in Südamerika Untersuchungen zur Diversität und Funktion der Bodenfauna unter ökosystemaren Aspekten durch.

Ökologie und Biodiversität in Waldökosystemen
In diesem abteilungsübergreifenden Schwerpunkt wird die Zusammensetzung der Artengemeinschaften, ihre Funktion und ihre Wechselbeziehungen in Wäldern Mitteleuropas und der Tropen untersucht. Wichtige Funktionen sind beispielsweise die Nährstoffbereitstellung durch Abbau und die Konzentration von Nährstoffen in Nestern; wichtige Wechselbeziehungen sind beispielsweise Räuber-Beute-Beziehungen, Tier-Pflanzen-Beziehungen, Samenverbreitung usw. Von Bedeutung sind bei allen diesen Untersuchungen die jeweiligen geologischen, pedologischen und klimatischen Bedingungen, die deshalb mit erfaßt werden.

Biodiversitätsinformatik
Die organismenbezogenen Daten aus den umfangreichen Aufsammlungen und Beobachtungen in den Ökosystemen werden in relationalen Datenbanken mit georeferenzierten Standortdaten verknüpft und ermöglichen neue Auswertungsebenen, z.B. durch den Aufbau von Datenbankenverbünden im Internet. Beispiele sind die Landesdatenbank "Schmetterlinge", das Globale Informationssystem "Spanner", die Ameisentypen deutscher Museumssammlungen, das Informationssystem "Neotropische Spinnen", Sammlungsbezogene Datenbanken und Literaturdatenbanken z.B. zu Milben, Spinnen und Ameisen.

Parasitologie von Vögeln
Seit 1988 laufen Langzeituntersuchungen zur Ökologie höhlenbrütender Vögel und den Einflüssen von Ektoparasiten (Milben, Flöhe, Federlinge) auf deren Brutpopulationen (Nistkastenmonitoring Baden-Württemberg, Ökologie von Stadttauben).


Abgeschlossene Forschungsarbeiten

Zur Biologie und Ökologie eines Buchenwaldbodens bei Schluttenbach
Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Forschung wurde von 1977 bis 1987 die Bodenfauna eines 150-jährigen Buchen-Hallenwaldes unter der Leitung von Prof. Dr. Beck untersucht.Erfasst wurde das Bestandsklima, der Streueintrag,der Streuabbau und der Nährstoffgehalt des Buchenwaldes sowie die Siedlungsdichte und Biomasse aller maßgeblichen Bodentiergruppen.
Darüber sind, neben zahlreichen Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachjournalen, in der hauseigenen Zeitschrift carolinea 16 Artikel veröffentlicht worden.


Zur Ökotoxikologie der Bodenfauna und der Entwicklung eines Bodenbiologischen Standortklassifikationssystems
In enger Zusammenarbeit mit den Biologen der Ökotoxikologie GmbH in Flörsheim arbeiten die Zoologen des Naturkundemuseums seit mehreren Jahren an Untersuchungen zur Auswirkung von Umweltchemikalien, wie Dimilin und PCP, von Schwermetallen, aber auch von Bacillus thuringensis. Hier dienten die Bodentiere (Regenwürmer, Hornmilben) als direkte Indikatoren für den Belastungszustand.
Im Rahmen des sogenannten "Immissionsökologischen Wirkungskatasters" wurden mehr als 10 Standorte und in jüngsten Auswertungen 60 baden-württembergische Standorte bodenbiologisch beurteilt. Endziel dieser Arbeiten ist die Entwicklung einer "Bodenbiologischen Standortklassifikation". Diese beurteilt den Zustand oder die Qualität eines Bodenstandorts, indem sie zwischen einem Erwartungswert und der real vorgefundenen Bodentiergemeinschaft vergleicht (Soll-Ist-Wert Vergleich). Siehe Veröffentlichung Ruf et al. 2003 (online verfügbar unter www.sciencedirect.com)
Weitere Publikationen zu diesem Thema als pdf-Datei


Zur Taxonomie und Ökologie südamerikanischer Arthropoden (Insekten und Spinnentiere)
Von Prof. Beck (Hornmilben, Spinnentiere) in den 60er Jahren begonnen und bis in jüngste Zeit von mehreren Mitarbeitern (Ulrich Gauer - Springschwänze, Werner Hanagarth - Käfer, Hubert Höfer - Spinnen, Christopher Martius - Termiten, Manfred Verhaagh - Ameisen) fortgeführt, erfolgten Untersuchungen zur Wirbellosenfauna im Amazonasgebiet in Brasilien.

Noch stärker als in hiesigen Breiten stellt hier zunächst die Identifikation der Arten eine schwierige und nicht immer lösbare Aufgabe dar. Nicht selten mussten Arten, die von ökologischem Interesse waren, zunächst einmal beschrieben, d.h. für die Wissenschaft erstmals benannt und in bestehende Klassifikationssystemen eingeordnet werden.
Auch zur Biologie, also der Lebens- und Ernährungsweise, den Feinden und den Lebensraumansprüchen findet man für tropische Tiere selten wissenschaftlich fundierte Vorkenntnisse, die eine ökologische Auswertung erst ermöglicht. So kann man diese Arbeiten getrost als Pionierarbeiten im Bereich der Tropenökologie bezeichnen.
Die Arbeiten wurden viele Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG unterstützt.
Publikationen zu diesem Thema als pdf-Datei


Zu Faunistik, Biologie und Artenschutz einheimischer Säugetiere
Die von Dipl. Biol. Monika Braun in den letzten Jahren geleiteten Arbeiten umfassten Untersuchungen zum Vorkommen der wildlebenden Säugetiere in Baden-Württemberg, die Erarbeitung von Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien für Säugetiere (FFH) und Untersuchungen und Empfehlungen zur Erhaltung der Fledermäuse in Wäldern der Rheinauen zwischen Karlsruhe und Heidelberg.
Eines der wichtigsten Produkte aus dieser Arbeit ist der jüngst erschienene erste Band der "Säugetiere Baden-Württembergs" in der Reihe "Flora und Fauna Baden-Württembergs".


Zu Faunistik, Biologie und Artenschutz einheimischer Vögel
Dr. Hans-Walter Mittmann arbeitete beim Brutvogelmonitoring Baden-Württemberg mit der Staatlichen Vogelschutzwarte Baden-Württemberg und dem BUND - Landesverband BW zusammen. Ziel war eine flächendeckende Analyse der langfristigen Bestandsentwicklungen aller Brutvogelarten in Baden-Württemberg.
Ein Nistkastenmonitoring umfasste Untersuchungen zur Brutbiologie höhlenbrütender Vögel und deren langfristige Populationsentwicklungen (Teil VSW); zu Einflüssen von Parasiten, vor allem Milben, Flöhen und Cestoden auf diese Brutvogelpopulationen sowie zu Interaktionen von brütenden Vögeln und um Höhlen konkurrierende Kleinsäuger, vor allem Mäuse, Schläfer und Fledermäuse.
Als Beitrag zum Artenschutz einheimischer Vögel wurden zusammen mit der Vogelschutzwarte BW Untersuchungen zur Brutbiologie und Erfassungen der Bestandsentwicklung gefährdeter Vogelarten durchgeführt, wie z. B. für Wiedehopf (Videoüberwachung des Brutgeschehens), Bienenfresser, Saatkrähe, Dreizehenspecht oder Kolkrabe.