Arachnologie

Geißelspinne (Amblypygi)

Zwergfadenskorpion (Schizomida)

Geißelskorpion (Thelyphonida)

Skorpion

Walzenspinne (Solifugae)

Urtümliche Spinne (Liphistius)

Vogelspinne (Avicularia)

Jagdspinne (Cheiracanthium)

Netzbauende Webspinne (Architis)

Unter Arachnologie versteht man die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Spinnentieren (den Arachniden), eine Klasse der Arthropoden (Gliedertiere), die etwa 60.000 beschriebene und sicherlich sehr viele noch unbeschriebene Arten umfasst.
Zu den Spinnentieren gehören, neben den wohl den meisten Menschen bekannten Spinnen (Echte Spinnen oder Webspinnen), auch die Skorpione, Pseudoskorpione, Milben und Weberknechte. Diese Tiergruppen sind heute noch artenreich auf der ganzen Welt vertreten.
Die wenigsten Laien kennen jedoch die bereits seit dem Erdaltertum fast unverändert existierenden Spinnentiere: Walzenspinnen, Geißelspinnen, Geißelskorpione und Palpigraden. Diese leben heute nur noch mit wenigen Arten vor allem in den Tropen.
Allen Spinnentieren gemeinsam sind die Merkmale: Zweiteilung des Körpers in ein sogenanntes Prosoma (stark chitinisierter Vorderkörper mit 4 Laufbeinpaaren) und ein weiches Opisthosoma (Hinterkörper).


Die Systematik der Ordnung Arachnida
Araneae – Echte Spinnen
Opiliones - Weberknechte
Pseudoscorpiones - Afterskorpione
Scorpiones - Skorpione
Amblypygi - Geißelspinnen
Thelyphonida – Faden- oder Geißelskorpione
Ricinulei - Kapuzenspinnen
Schizomida - Zwergfadenskorpione
Solifugae - Walzenspinnen
Palpigradi - Palpigraden
Acari - Milben


Die Echten Spinnen
Spinnen sind

  • Räuber, die in allen terrestrischen Ökosystemen in hohen Artenzahlen und großer Abundanz zu finden sind;
  • Generalisten, die vor allem Insekten, aber auch andere Arthropoden, Spinnen eingeschlossen, erbeuten;
  • strikter fleischfressend (carnivor) als andere primär räuberisch lebende Invertebraten wie z.B. Laufkäfer und Hundertfüßer.

Spinnen können damit als eine Modellgruppe für terrestrische Prädatoren gesehen und untersucht werden. Tatsächlich werden in Untersuchungen von Nahrungsnetzen und Energieflüssen in Gemeinschaften in der Regel die Spinnen als Gruppe einbezogen.

Spinnen sind für eine Wirbellosentiergruppe relativ gut untersucht, es gibt viele neuere Studien, zur Ökophysiologie, Verhaltensökologie und experimentellen Ökologie, die sich in einigen modernen Lehrbüchern niederschlagen. Einen guten Überblick über die gesamte Tiergruppe gibt ein Taschenbuch: Biologie der Spinnen von Rainer F. Foelix (erschienen im Thieme Verlag, 1992).

Einige herausragende Studien zeigen:

  • daß bis zu 40 % der Energie, die in einem Waldökosystem umgesetzt werden, die trophische Ebene der Räuber, vertreten durch die Spinnen, passieren;
  • daß Spinnen durch ihre generalistischen Räuberspektren nicht als biologische Kontrolle für Schadinsekten eingesetzt werden können;
  • daß sie aber in ihrer Gesamtheit (Vielfalt) und durch ihre Fähigkeit ihren Verbrauch der verfügbaren Beutemenge anzupassen, langfristig Insektenpopulationen wirksam kontrollieren.

Ca. 35.000 Spinnenarten sind heute weltweit bekannt und werden 105 Familien zugeordnet, damit gehören die Spinnen zu den sechs oder sieben artenreichsten Tiergruppen auf Ordnungsniveau.
In Waldökosystemen findet man zwischen 50 - 400 Spinnenarten und Siedlungsdichten von 10 - 1000 Individuen pro Quadratmeter.
Spinnen leben in allen Land-Lebensräumen der Erde, auch in Wüsten, in Höhlen und auf Gletschern, in der Gezeitenzone und mit einer Art (der Wasserspinne Argyroneta aquatica) sogar im Süßwasser.

Einige biologische Besonderheiten der Spinnen, die auch ökologisch von Bedeutung sind:

  • Fast alle Spinnen töten durch Gift (Neurotoxine).
  • Die Nahrung wird außerhalb des Körpers verdaut und als Flüssigkeit aufgenommen. Damit fallen keine unverdaubaren Nahrungsbestandteile an, somit ist keine Defäkation nötig. Die Exkretion, also die Stickstoffentsorgung, geschieht weitgehend über eine Einlagerung von Guanin in den Körper, die beispielsweise bei der einheimischen Kreuzspinne als weiße Zeichnung auf dem Hinterkörper sichtbar wird.
  • Alle stellen Spinnseide aus Protein her, diese Spinnseide schützt die Eigelege, es werden Schlupfwinkel gebaut, Sicherungsfäden und Kommunikationsfäden gelegt und von vielen Spinnen werden Fanggewebe (Netze) gesponnen. Viele Arten, die Fangnetze bauen nützen ihre Spinnfähigkeit auch um wehrhafte Beute einzuspinnen.
  • Es ist umstritten, ob Spinnen wirklich niedrigere Stoffwechselraten aufweisen als andere Wirbellose, sicher ist aber, daß sie unter Hungerbedingungen ihre Stoffwechselrate stark herabsetzen und auf diese Weise recht lange Perioden von Nahrungsknappheit gut überstehen.
  • Die Kombination der Fähigkeit zum Hungern mit der Fähigkeit sich durch Fadenflug zu verbreiten und durch Fangnetze sehr effektiv auch allochthone Beute nützen zu können, machen Spinnen zu effektiven Primärbesiedlern, beispielsweise von Vulkanregionen und Inseln, wo Spinnen praktisch als erste Tiergruppe auftreten und überleben, obwohl noch keine autochthone Vegetation und Fauna vorhanden ist.

Wollen Sie noch mehr zu Spinnentieren, Forschung an Spinnentieren, der Zucht oder der Gefährlichkeit wissen ?
Im Internet gibt es viele, sehr informative und attraktive Seiten zur Arachnologie:

Arachnologische Gesellschaft:
http://www.arages.de

Central European Spiders – Schlüssel:
http://www.araneae.unibe.ch

Katalog der Spinnen (weltweit): http://research.amnh.org/entomology/spiders/catalog/index.html

ISA (Internationale Gesellschaft für Arachnologie):
http://www.arachnology.org/

ESA (Europäische Gesellschaft für Arachnologie):
http://www.european-arachnology.org/

Internationale Seite zur Arachnologie:
http://www.arachnology.be/Arachnology.html