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Ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit in der zoologischen Abteilung liegt in der Bodenzoologie. Wir beschäftigen uns also mit der Erfoschung der Biologie (Lebensweise) und Ökologie (Wechselbeziehungen der Tiere untereinander und zu ihrer Umwelt) von bodenbewohnenden Tieren. Als erstes erheben wir in der Regel Daten zur Anzahl und der Häufigkeit der vorkommenden Tiergruppen und Tierarten, also grundlegende Informationen zum Verständnis der komplexen Lebensgemeinschaften und des Ökosystems. Darüber hinaus betrachten wir die Bodenfauna (Tiere des Bodens) als wichtige Indikatoren für den Bodenzustand.
Doch zunächst:
Was ist eigentlich Boden?
Boden ist die oberste belebte Verwitterungsschicht der festen Erdkruste. Sie besteht aus mineralischen Substanzen, Humus, Bodenlebewesen (Edaphon) und Bodenporen, in denen Bodenluft und Bodenwasser enthalten sind. Auch die Bodenoberfläche inklusive der aufliegenden Bodenstreu wird zum Lebensraum Boden dazugezählt. Die hier vorkommenden Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen werden als Lebensgemeinschaft zusammengefasst, die ihren Lebensraum Boden sowohl "produzieren" als auch darin leben.
Die im Boden lebenden Tiere können über den Aufenthaltsort oder den Körperdurchmesser in Mikrofauna (< 0,2 mm), Mesofauna (0,2 2 mm), Makrofauna (2 - 20mm) und Megafauna (> 20mm) eingeteilt werden. Viele Organismen der Mikrofauna leben semiaquatisch im Bodenwasser. Dagegen halten sich die Mesofauna-Organismen in den Spalten und Hohlräumen des Bodens auf. Zu den aktiven Bodenwühlern werden die Makrofauna und die Megafauna gezählt.
Gerade durch die Bewegung der größeren Tiere entstehen im Boden eine Vielzahl ökologischer Nischen, die durch unterschiedlich spezialisierte Organismen besiedelt werden können. In den obersten 30 cm eines Quadratmeters Boden leben Milliarden von Individuen der Mikrofauna, über 1 Million Individuen der Mesofauna, über 10.000 Individuen der Makrofauna und einige wenige Individuen der Megafauna wie Maulwurf und Wühlmaus.
Eine wichtige Funktion der Bodenfauna - in enger Wechselbeziehung mit Pilzen, Algen und Bakterien - ist die Zersetzung des pflanzlichen Bestandesabfalls (als Streu auf der Bodenoberfläche) und damit die Nährstofffreisetzung und die Bindung der Nährstoffe im Humus oder wie man heute sagt: "dem organischen Anteil des Bodens". Maßgeblich daran beteiligt sind Regenwürmer (Lumbricidae), Asseln (Isopoda), Tausendfüßer (Diplopoda), Springschwänze (Collembola), Hornmilben (Oribatida) und viele Insektenlarven.
Ihre Aktivität führt neben einer Verbesserung der Nährstoffverfügbarkeit, zu einer Erhöhung der Krümelbildung und zu einer Verbesserung des Porenvolumens. Besonders Regenwürmer sorgen durch ihre Grabaktivität für eine starke Durchmischung von organischem Material in den darunter liegenden Mineralboden. Dadurch wird der Boden gelockert, gelüftet und drainiert. Die Fruchtbarkeit des Bodens wird erhöht und Pflanzenwurzeln können sich besser ausbreiten.
Die Gesamtheit der Bodenorganismen hat also große Bedeutung für die Bodenfruchtbarkeit und damit das Wachstum der Pflanzen in allen natürlichen und auch von Menschen genutzten oder gemachten Lebensräumen. Besonders auf nährstoffarmen Böden entscheidet der "bodenbiologische Zustand" über die Nachhaltigkeit eines landwirtschaftlichen oder forstlichen Nutzungssystems.
Die von den Bodentieren ausgeübte Arbeit wird in der neuen Literatur deswegen häufig als "Ökosystem-Service" bezeichnet.
Da Regenwürmer Poren, Spalten und Kammern bilden, in denen andere Organismen leben können, werden sie, und in tropischen Lebensäumen auch die sehr arten- und individuenreichen sozialen Insekten Ameisen und Termiten, "Ökosystem-Ingenieure" genannt.
Aber auch die zahlreichen Räuber unter den Bodentieren, wie Laufkäfer (Carabidae), Kurzflügelkäfer (Staphylinidae), Spinnentiere (Arachnida) und Hundertfüßer (Chilopoda) tragen zur Erhaltung des biologischen Gleichgewichts bei. Sie haben verschiedene Methoden entwickelt um ihre Beutetiere zu fangen. Mit ihren, im Vergleich zu ihrer Beute relativ langen Beinen, lauern sie auf der Bodenoberfläche. Die Flucht vor ihnen ist kaum möglich; lediglich Wehr- und Giftdrüsen sind ein wirksamer Schutz.
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