SOLOBIOMA II (2006-2009)
In der zweiten Phase dieser Untersuchungen wird auf den Grundlagen der taxon-spezifischen Kenntnisse zur Diversität, der Verteilung, Ökologie und Leistung der Bodentiere in Sekundärwäldern ein biologisches Klassifikationssystem entwickelt. Damit sollen Entscheidungskriterien für die Regionalplanung zum Schutz der restlichen Wälder, aber auch zur nachhaltigen Bodennutzung erlangt werden. Als Referenz für die Beurteilung der biologischen Qualität der nachwachsenden Wälder dienten ‚old growth’ Wälder. Das sind Flächen, die zumindest in den letzten 100 Jahren nicht mehr genutzt oder stärker verändert wurden. Unberührte Primärwälder sind in der Region nicht mehr zu finden.
Ein wichtiges Ergebnis der bilateralen Zusammenarbeit der Wissenschaftler vom Naturkundemuseum und den beteiligten deutschen Universitäten (Aachen, Marburg) mit brasilianischen Wissenschaftlern der Universität in Paraná (UFPR) und der Naturschutzorganisation SPVS ist die 2007 erfolgte Gründung eines „Kompetenzzentrums für den Schutz der Biodiversität im atlantischen Küstenregenwald Brasiliens“ genannt InBioVeritas. Über dessen Internet-Portal erhalten sie umfangreiche Informationen zum Projekt, der Region, zu Ameisen, Spinnen und der wertvollen Palmenart Euterpe edulis (Palmito): www.InBioVeritas.net
Wichtige Publikationen:
Bihn, J. H., Gebauer, G. & Brandl, R. (2009): Loss of functional diversity of ant assemblages in secondary tropical forests. Ecology.
Bihn, J. H., Verhaagh, M., Brändle, M. & Brandl, R. (2008): Do secondary forests act as refuges for old growth forest animals? Recovery of ant diversity in the Atlantic forest of Brazil. Biological Conservation, 141(3): 733-743.
Bihn, J. H., Verhaagh, M. & Brandl, R. (2008): Ecological stoichiometry along a gradient of forest succession: bait preferences of litter ants. Biotropica, 40(5): 597-599.
Liebsch, D., Marques, M. C. M. & Goldenberg, R. (2008): How long does the Atlantic Rain Forest take to recover after a disturbance? Changes in species composition and ecological features during secondary susscession. Biological Conservation, 141(6): 1717-1725.
Schmelz, R. M., Collado, R. & Römbke, J. (2008): Mata Atlântica enchytraeids (Paraná, Brazil): the genus Achaeta (Oligochaeta, Enchytraeidae). Zootaxa, 1809: 1-35.
Schmidt, P., Dickow, K., Rocha, A. A., Marques, R., Scheuermann, L., Römbke, J., Förster, B. & Höfer, H. (2008): Soil macrofauna and decomposition rates in southern Brazilian Atlantic rainforests. Ecotropica, 14(2): 89-100.
Schmidt, P. (2008): Vom Aussterben bedroht! Die essbare Kohlpalme Euterpe edulis. Natur und Museum, 138(1/2): 19-25.
Höfer, H., Verhaagh, M. & Fabry, R. (2007): SOLOBIOMA - Bodenbiota und Biogeochemie in Küstenregenwäldern Südbrasiliens. Ein deutsch-brasilianisches Forschungsprojekt vor dem Hintergrund des Übereinkommens über die biologische Vielfalt. UWSF-Z Umweltchem Ökotox, 19(2): 128-131.
SOLOBIOMA I (2003-2006)
Bodenbiota und Biogeochemie im brasilianischen Küstenregenwald (Mata Atlântica)
In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 900.000 Euro für 3 Jahre geförderten Projekt wurden Studien zur Artenvielfalt der Bodentiere und ihrer Funktion im extrem bedrohten brasilianischen Küstenregenwald Mata Atlântica durchgeführt. Untersucht wurden Ameisen, Käfer und Regenwürmer, Streuabbau und Nährstoffkreisläufe und der Einfluss verschiedener Bodentypen auf die Bodenfauna.
Angesichts der starken Bedrohung der extrem artenreichen Küstenregenwälder die Mata Atlântica ist einer der 34 ‚hotspots’ der Artenvielfalt (www.biodiversityhotspots.org) ging es um die Frage, wie viel der ursprünglichen Biodiversität in Sekundärwäldern noch zu finden ist. Sekundärwälder sind vom Menschen veränderte, in der Untersuchungsregion häufig aus aufgelassenen Weiden natürlich nachgewachsene Wälder. Ihre Menge hat weltweit in den letzten Jahren sogar zugenommen. Ihre Bedeutung zum Erhalt der Artenvielfalt ist deshalb groß, ohne dass wir wüssten, welches Potential in ihnen ruht.
Vollständige Publikationsliste
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