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Problemstellung
Die Böden auf dem Festland, der sog. "terra-firme" in der Region um Manaus sind stark
chemisch verwittert, tonreich und weisen vor
allem im Unterboden eine sehr niedrige
Kationenaustauschkapazität auf. In den Agrar-
und Waldökosystemen Zentralamazoniens sind
Termiten (Isoptera), Ameisen (Formicidae) und
Regenwürmer (Oligochaeta) die häufigsten und
wichtige Vertreter der Boden-Makrofauna. Diese
spielt eine wichtige Rolle beim Abbau der
pflanzlichen Bestandesabfälle und beim Einbau
der entstehenden organischen Substanz im Boden.
Dies eröffnet die Möglichkeit, durch die
Erhöhung der Menge organischer Substanz die
Kationenaustauschkapazität entscheidend zu
erhöhen, das Bodengefüge zu verbessern und eine
gezielte Düngung ökonomisch rentabel zu machen.
An verschiedenen Bodenprofilen soll hier
exemplarisch aufgezeigt werden, wie Ameisen,
Termiten und Regenwürmer durch die Anlage von
Gängen und Kammern sowie den Einbau organischer
Substanz bodenphysikalische (vor allem
Bodengefüge) und bodenchemische (vor allem
Kationenaustauschkapazität) Parameter
beeinflussen und die Standorteigenschaften
verbessern können. Farbtracer-Experimente machen
außerdem präferenzielle Fließwege des
Regenwassers kenntlich und damit die potentielle
Verteilung von Mineraldünger sichtbar.
Untersuchungsgebiet
Die Farbtracer-Versuche und die Probennahme für
bodenchemische und mikromorphologische
Untersuchungen wurden auf dem Gelände des
agroforstwirtschaftlichen Forschungszentrums "Centro
de Pesquisa Agroflorestal da Amazônia Ocidental"
(CPAA) durchgeführt, das dem brasilianischen
Forschungsinstitut für Landwirtschaft und
Viehzucht, der EMBRAPA (Empresa Brasileira de
Pesqisa Agropecuaria) angehört und dem
brasilianischen Landwirtschaftsministerium
unterstellt ist.
Das Gelände der EMBRAPA-Amaznia Ocidental liegt
auf 3° 8' südlicher Breite und 59° 52'
westlicher Länge etwa 30 km nordöstlich von
Manaus im brasilianischen Bundesstaat Amazonas
und umfasst eine Fläche von rund 50 km². Bei dem
Gelände, das 40 bis 50 m über NN liegt, handelt
es sich um einen terra-firme-Standort, der nicht
jahreszeitlichen Überflutungen durch Flüsse
ausgesetzt ist und dessen natürliche Vegetation
aus einem typisch tropischen Regenwald besteht.
Das Klima ist immerfeucht-tropisch mit einer
Jahresdurchschnittstemperatur von 26 Grad
Celsius (Jahresamplitude unter 2 Grad) und einer
Niederschlagsmenge von 2600 mm pro Jahr im
langjährigen Mittel. Bei den Böden in dieser
Region handelt es sich um für die Tropen
typische Xanthic Ferralsole
(FAO-Klassifikation), die sich aus tertiären
Sedimenten (überwiegend Sandsteine) entwickelt
haben. Sie sind in allen Tiefen stark tonhaltig
und weisen eine Pseudosand-Struktur auf. Unter
einem geringmächtigen humosen Oberboden
(durchschnittlich 2 bis 5 cm mächtig) folgt ein
homogener gelblicher Unterboden.
Das Versuchsgelände des Projekts, auf dem die
Untersuchungen größtenteils durchgeführt wurden,
liegt auf dem Gelände der EMBRAPA Amazônia
Ocidental, umfasst eine Fläche von ca. 19 Hektar
und ist fast vollständig von Primär- und
Sekundärwald umgeben.
Material und Methoden
Durch die Anwendung eines Farbtracers (Brilliant
Blue FCF, C.I. 42090) konnten präferentielle
Fliesswege entlang biogener Strukturen markiert
werden. Für die Tracerversuche wurden in einem
Zeitraum von Mai bis September 2002 sowie im Mai
und Juni 2003 in sieben Kulturflächen (Kokos,
Cupuaçu, Urucum, Pueraria, Pupunha, Seringueira
Monokultur und in Grasland) und in beiden
Primärwaldflächen Profilgruben angelegt (3
Profile pro Kultur, also insgesamt 24 Profile):
Jeweils in drei 2x2 m großen markierten Flächen
wurde 1 m² nach Beseitigung der Vegetation und
Streuauflage und Anfeuchtung der Bodenoberfläche
mit 80 Litern Farblösung (4 g Brilliant Blue pro
Liter) über 30 Minuten mit Gießkannen beregnet.
Nach wenigen Stunden wurde angrenzend an die mit
Farbtracer angefärbte Fläche eine Grube etwas
tiefer als 1 m ausgehoben und das entstandene
Profil in Richtung des angefärbten Bereichs
angeschnitten. Die angeschnittenen Profile
wurden in einer Standardprozedur digital
fotografiert und die Aufnahmen in einer
automatisierten Prozedur für eine quantitative
Analyse der eingefärbten Bereiche (Fließwege)
zur Erfassung der Tiefenverlagerung von durch
etwaige Düngung aufgebrachten Nährstoffen
aufbereitet.
Zur Auszählung biogener Strukturen wurde ein
Quadrantenrahmen mit 100 x 100 cm Größe
verwendet, der in 100 Quadranten (je 10 x 10 cm)
aufgeteilt war. Die Methodik der Auszählung und
der dabei erfassten Parameter wurde von Dr.
Werner Hanagarth und Przemyslaw Walotek
entwickelt.
Aus der sehr umfangreichen Dokumentation der
Arbeiten an Bodenprofilen sollen hier an
exemplarischen Bildern erste Ergebnisse der
Untersuchungen veranschaulicht werden.
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