Ausstellungen

Veranstaltung: Vortrag

Felsgravur eines Präriemammuts (Mammuthus columbi) vom Upper Sand Island Rock Art Site in Utah (USA)

Frühe Felskunst im Westen der USA - von Mustern bis zu Mammuts

Dienstag, 18.7.2017, 18.30 Uhr
von Prof. em. Ekkehart Malotki (Northern Arizona University, USA)
Eintritt frei

Im Rahmen des Begleitprogramms zur Sonderausstellung „Amerika nach dem Eis – Mensch und Megafauna in der Neuen Welt“ freut sich das Naturkundemuseum Karlsruhe auf den Besuch eines Experten für prähistorische Kunst aus den USA: Ekkehart Malotki ist emeritierter Professor der Northern Arizona University, wo er von 1977 bis 2004 lehrte und sich vor allem mit seinen Arbeiten über die Sprache der Hopi einen Namen machte. In den vergangenen 15 Jahren hat er sich intensiv der Erforschung der Felskunst gewidmet.

Prähistorische Kunst gehört zu den faszinierendsten Aspekten der Menschheitsgeschichte. Aus Europa sind vor allem Darstellungen der eiszeitlichen Tierwelt in den Höhlen von Lascaux und Altamira oder Elfenbeinskulpturen aus den Höhlen der Schwäbischen Alb bekannt. Prähistorische Kunst aus Amerika ist jedoch vergleichsweise wenig bekannt. Das Erschaffen von Kunst gehört zu den universellen Grundeigenschaften, die den Menschen auszeichnen. In der Landschaft finden wir künstlerisches Schaffen als Felskunst in Form von Felsritzungen (Petroglyphen) und Felsmalereien (Piktographien). Felsbilder gehören zu den ältesten künstlerischen Ausdrucksformen der Menschheit – damit sind sie auch im Hinblick auf die Erforschung der Besiedlungsgeschichte Amerikas höchst interessant.

Viele Fragen nach der frühesten Besiedlung Amerikas sind noch ungelöst oder werden kontrovers diskutiert. Als gesichert gilt, dass die ersten Amerikaner bereits zur Spezies des Homo sapiens gehörten. Die Paläoamerikaner betraten einen Kontinent, der eine in mehrfacher Hinsicht riesige Tierwelt bot. Als Jäger war für sie die Begegnung mit Vertretern der Megafauna wie Mammuts, Pferden, Kamelen, Riesenfaultieren, Säbelzahnkatzen und anderen Großtieren alltäglich. Von Dutzenden Fundstellen ist bekannt, dass die Paläoamerikaner diese Tiere gejagt und gegessen haben – und doch findet man keine Abbildungen von ihnen. In Eurasien dagegen gibt es in mehr als 400 Fundstellen aus der jüngeren Altsteinzeit (Höhlen wie Freilichtstellen) weit über 4000 Tierabbildungen. Die Paläoamerikaner stellten stattdessen ihre Umwelt in der Felskunst mit rein abstrakt-geometrischen Mustern künstlerisch dar. Es gibt sie zu Hunderttausenden in einer großen Variationsbreite, bestehend aus krumm- und gradlinigen Elementen. Dieser Stil wird als Western Archaic Tradition bezeichnet.

Seit wenigen Jahren weiß man nun auch von zwei Mammutabbildungen in der amerikanischen Felskunst. Sie wurden in Utah entdeckt und sind die bislang einzigen bekannten figürlichen Felsbilder in der gesamten westlichen Hemisphäre, die authentische Eiszeitkunst darstellen. Sie bilden damit die große Ausnahme in der sonst ausschließlich abstrakt-geometrischen Felskunst des amerikanischen Doppelkontinents. Sowohl die abstrakt-geometrischen Muster der Western Archaic Tradition wie auch die sensationellen Mammutdarstellungen werden in dem Vortrag von Prof. Malotki ausführlich vorgestellt.