Vegetationsgeschichte an Torfprofilen

Die heutige Forschung zur Vegetationsgeschichte am Museum umfasst drei Teilbereiche:

Die klassische Methode der Untersuchung von Torfen und Seesedimenten ist die Pollenanalyse, bei der ehemals auf der Oberfläche der Moore abgelagerter Blütenstaub aus dem Torf extrahiert und ausgewertet wird. Aus ihm kann man die Vegetation der Vergangenheit im und um das Moor rekonstruieren. Dazu gehören auch Untersuchungen des heutigen Pollenniederschlags, den man in Beziehung zur heutigen Vegetation setzen und damit die Verhältnisse in der Vergangenheit besser verstehen kann.

Bei der Großrestanalyse werden die Samen, Früchte, Moose oder andere gröbere Anteile des Torfes bearbeitet, wobei im Hochmoortorf die Torfmoose die Hauptkomponente bilden. Die Großreste spiegeln vor allem die lokale Vegetation wider. Da die Moose keine Wurzeln haben, kann man an ihnen besonders gut die lokalen Nährstoffverhältnisse ablesen.

Die Untersuchung der Geochemie von Bohrkernen ist bei den geringen zu Verfügung stehenden Probenmengen erst in den letzten Jahrzehnten durch die Fortschritte der Spurenanalytik möglich geworden. Auf die Oberfläche der Moore fallen sowohl natürliche wie auch industrielle Stäube. Wird z.B. in der Umgebung eines Moores gerodet, so entstehen zu trockenen Jahreszeiten Stäube, welche in Moore geweht werden können. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist aber zu berücksichtigen, dass eingewehte Stäube durch die besonderen Bedingungen im Torf in Lösung gehen können und dann im Torf mobilisiert werden können.

Die Besonderheit unserer Untersuchungen liegt darin, dass wir die drei Analysenmethoden in Kombination anwenden, wodurch sehr viel sichere Aussagen ermöglicht werden. Siedlungszeiger bei der Pollenanalyse wie Pollen von Getreide, Wegerich oder Kornblume sind bei der Geochemie mit Anstiegen bei den Elementen Silizium oder Titan kombiniert.

Schon seit einiger Zeit widmen wir uns vor allem der Untersuchung mehrfacher Bohrkerne aus einem Moor, um die Sicherheit der Aussagen zu überprüfen.

Der Schwerpunkt unserer Forschung  liegt im Schwarzwald. Zeitweise wurde auch im Hegau, dem Oberrheingebiet und den Vogesen gearbeitet.

Kombinierte Analyse eines Bohrkerns auf Geochemie und Großreste:

Kombinierte Analyse eines Bohrkerns auf Geochemie und Großreste

Brände in und um das Moor sind die Ursache für die Abfolge der Torfmoose im Profil.

Pollen eines Weidenröschens
Pollen eines Weidenröschens
Drepanocladus tundrae
<i>Drepanocladus tundrae</i> aus dem Laufermoor , ca. 10.000 Jahre alt
Cadmiumbestimmung
Polarogramm einer Cadmiumbestimmung im Torf