ARAMOB - Mobilisierung von Spinnendaten

Semantische Anreicherung und Mobilisierung von Daten netzbasierter Repositorien für Taxonomie und Ökologie von Spinnen

Projektpartner: Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, IT-Center der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB IT), Institut für Umweltforschung der RWTH Aachen.

In dem von der DFG geförderten Projekt werden verfügbare digitale Informationen zu Spinnen (Araneae) in Deutschland zusammen­geführt, mittels integrierter Thesauri und Deskriptionswerkzeuge angereichert, standardisiert und exemplarisch analysiert. Werkzeuge und Arbeitsabläufe sind auch für die Bearbeitung anderer Taxa geeignet bzw. übertragbar.

Die Leistungsfähigkeit interoperabel vernetzter Forschungsdatenrepositorien wird konkret durch die Bearbeitung der folgenden wissenschaftlichen Fragestellungen dokumentiert:

Auflösung eines ‘Gordischen Knotens‘ in der Taxonomie südamerikanischer Springspinnen
Basierend auf Material der Sammlung des SMNK und brasilianischer Sammlungen (alle Belegdaten liegen digitalisiert vor) werden Arten der häufigen und extrem artenreichen Springspinnen-Unterfamilie Euophryinae nach einem innerhalb der Forschungsumgebung Diversity Workbench zu erstellenden Schema beschrieben. Diese Revision von taxonomisch unzureichend bearbeiteten Gattungen ist maßgeblich für die Lösung eines „Gordischen Knotens“ in der Bestimmung südamerikanischer Spinnen. Durch sie wird zukünftig nicht nur eine zweifelsfreie Bestimmung der behandelten Arten, auch durch Anwender, z.B. im Naturschutz, möglich, sondern auch die Basis für viele nachfolgende, v.a. ökologische, faunistische und phylogenetische, aber auch funktionsmorphologische, ethologische oder bionische Studien gelegt. Die Forschungsumgebung ermöglicht hier die digitale Aufbereitung und Mobilisierung standardisierter morphometrischer und ökologischer Merkmale/Daten im Internet (auch für andere Datenbanken), die Bereitstellung von aus dem anwachsenden Datenbestand laufend aktualisierten interaktiven Bestimmungsschlüsseln und die semi-automatische Erstellung von Artbeschreibungen bis hin zur elektronischen Publikation (über xml-Schemas).

Merkmalsbasierte ökologische Standortbewertung mit Spinnenzönosen

Die Auswertung eines großen Datenbestands zu Nachweisen von Spinnenarten in Deutsch­land aus unterschiedlichen Datenquellen (Sammlungen, unveröffentlichte Studien, Literatur) liefert traitbasierte Assoziationen von Arten mit Habitaten (Habitatpräferenzen/Checklisten) und Landnutzungsformen. Anhand der Biomasse von Wolfspinnen wird die Umweltkapazität verschiedener Habitattypen berechnet und zu deren Bewertung verwendet. Standort­spezifische Lebensgemeinschaften werden definiert und die Bezüge zwischen Nischen­realisierung und Lebensräumen unter Verwendung der eigens erstellten Auswertungs­werkzeuge analysiert.

Im Zuge der Datenauswahl und -aufarbeitung für die Auswertung werden verteilte digitale Informationen zu Spinnen in Deutschland aus unterschiedlichen Repositorien erstmals zusammen­geführt und ein Konzept zur Aufbereitung und semantischen Anreicherung von „Altdaten“ aus Sam­lungen und ökologischen Forschungsprojekten erstellt. Durch die Definition von Standards und die Bereitstellung hierarchischer Listen (Biotoptypen, Naturräume, Nutzungsformen, Straten) inkl. Syno­nyme sowie entsprechenden Werkzeugen zur Annotation und Aufskalierung von Messdaten werden Daten dauerhaft studienübergreifend nutzbar. Damit wird auch die Grundlage für die (wieder­holbare) Bewertung von Standorten im Lauf von Nutzungs- oder Klimaänderungen geschaffen.

Alle verwendeten Daten und Werkzeuge werden in mehreren Datenrepositorien und Portalen (SMNS-GFBio-Datenzentrum, BiNHum, AraGes/Forum, Edaphobase, PLAZI) öffentlich bereitgestellt. Aus den Analysen resultierende Informationen zur Taxonomie und Ökologie von Arten werden auf Artenkennkarten dargestellt. Checklisten für Habitattypen nennen die Spinnenarten mit der Häufigkeit ihres Auftretens. Dies erfolgt jeweils auf der Grundlage des aktuellen Datenbestandes, der durch die Sammlungs- und Forschungsarbeit der beteiligten Institutionen stetig anwächst. Solche dynamischen Referenzen, die immer den aktuellen Datenstand repräsentieren, sind für Nutzer aus dem Bereich Naturschutz/Behörden von besonderer Bedeutung. Im Verlauf des Projekts werden die angereicherten Daten, Abfragemöglichkeiten und Auswertetools über eine neu zu erstellende, in die Webseiten der Arachnologischen Gesellschaft integrierte Seite bereitgestellt.