Biostratigraphie und Paläoökologie der zentralen Oberen Süßwassermolasse im westlichen Bodensee-Gebiet

Wirbeltierfossilien aus der Bolinger Schlucht

Wirbeltierfossilien aus der Bolinger Schlucht

Am Nordrand des Schienerberges im westlichen Bodenseegebiet sind die 14-13 Mio. Jahre alten Sedimente der zentralen Oberen Süßwassermolasse besonders gut in einem über 100 m mächtigen Profil aufgeschlossen. Glimmerreiche, gut sortierte Sande, in die Linsen aus Tonen und Mergeln eingeschaltet sind, sowie Kreuzschichtung und Rinnenfüllungen deuten auf die fluviatile Bildung des gesamten Sedimentkörpers hin. In den Rinnenfüllungen sind Wirbeltierreste von mittelmiozänen Faunen angereichert, die die neogenen Säugerzonen MN6 bis MN7 repräsentieren. Knochenbruchstücke und v.a. Zähne lassen sich Hirschen, Urpferden, Traguliden, Nashörnern, Elefanten, Schleichkatzen, Fischotterähnlichen, Bibern, Spitzmausvorläufern, Hamstern, Pfeifhasen, Igeln und Hörnchen zuordnen. Daneben sind Schildkröten und Schlangen anzutreffen. Eine Besonderheit der Fauna ist das Vorhandensein von Krokodilresten in den unteren Profilabschnitten. Diese Nachweise zählen zu den jüngsten Krokodilfunden Süddeutschlands. Im späten Mittelmiozän starben Krokodile im Molassebecken klimabedingt aus.

Zusätzliche Blätterfunde aus verschiedenen Tonlagen lassen eine Charakterisierung des Paläoklimas und seine Veränderung im Laufe der Oberen Süßwasser Molasse zu.

Ziel des Projektes ist ein hochauflösende biostratigraphische Analyse der Sedimente, eine Auswertung der Paläoklimaproxies aus dem Profil sowie eine Korrelation der Biostratigraphie mit absoluten Altersdaten, die aus im Profil enthaltenen Tuffiten des Hegau-Vulkanismus gewonnen werden können.

Ausgewählte Publikationen

Giersch, S. (2004):
Die Fauna aus den mittelmiozänen Krokodilschichten der Bohlinger Schlucht. Carolinea. 62, Karlsruhe: 5-50