Exotische Gehölze und Diversität der Ektomykorrhiza-Pilze im urbanen Grünflächenbereich

Der Grüne Knollenblätterpilze (Amanita phalloides) ist ein recht häufiger Ektomykorrhizapilz von Eichen im Karlsruher Stadtgebiet.

Der Grüne Knollenblätterpilze (Amanita phalloides) ist ein recht häufiger Ektomykorrhizapilz von Eichen im Karlsruher Stadtgebiet.

Die in SO-Europa und Kleinasien beheimatete Winterlinde (Tilia tomentosa) gehört zu den Testbäumen.

Die in SO-Europa und Kleinasien beheimatete Silber-Linde (Tilia tomentosa) gehört zu den Testbäumen.

Ektomykorrhiza-Pilze sind mit Bäumen zum beiderseitigen Vorteil verbunden. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten einen starken Rückgang im Stadtgebiet von Karlsruhe erfahren. Als wichtiger Grund gelten die anteilig zunehmenden exotischen Gehölze, die entweder überhaupt keine Ektomykorrhiza bilden (u.a. Platane, Robinie) oder aber deutlich weniger als in ihrem Herkunftsgebiet (z.B. Douglasie). Da die im Stadtbereich höheren Temperaturen, verstärkt durch den Klimawandel, zunehmend trocken- und hitzeresistentere Baumarten erfordern, scheint die Anpflanzung exotischer südlicher Arten jedoch unumgänglich. Für das Forschungsvorhaben sollen nun in ihrem Herkunftsgebiet nachweislich Ektomykorrhiza bildende exotische Baumarten mit guter Prognose als Stadtbäume auf ihre Ektomykorrhizierungsrate in Karlsruhe untersucht werden. Die Ergebnisse dienen dazu, Artenschutz und Biodiversität bei gleichzeitigem Erhalt des Baumbestands im urbanen Bereich Baden-Württembergs zu fördern. Ausgesucht wurden sechs im Stadtgebiet vorkommende Baumarten der Gattungen Corylus, Quercus und Tilia. Erfasst werden sämtliche Ektomykorrhiza-Pilze, also auch unterirdisch fruchtende Arten (Hypogäen). Die Pilze (Fruchtkörper) werden mittels Mikroskop und der gängigen Pilzbestimmungsliteratur bestimmt, einige kritische Sippen (Cortinarius, Hebeloma) ggf. anhand von Sequenzanalysen abgesichert. Die Pilze werden im Herbarium und die Daten in der Pilzdatenbank des Karlsruher Naturkundemuseums hinterlegt und über ein bestehendes Portal öffentlich zugänglich gemacht. Die Ergebnisse werden den Gartenbauämtern in Karlsruhe und anderen Kommunen Baden-Württembergs zur Verfügung gestellt und sollen bei der Auswahl exotischer Gehölze unter Artenschutzaspekten helfen. Die Daten fließen auch in das Projekt "Die Großpilzflora des Ballungsraums Karlsruhe und ihre Veränderung" ein. Das Projekt wird voraussichtlich bis März 2017 durch das Forschungsprogramm "Klimawandel und modellhafte Anpassung in Baden-Württemberg (KLIMOPASS)" gefördert.

Ausgewählte Publikationen

Scholler M., Bandini D., Bernauer T., Schubert G., Winterhoff W. (2014):
Ein kurzer Überblick über die urbane Pilzflora des Naturschutzgebiets "Alter Flugplatz Karlsruhe". Carolinea. 72: 137-142
Scholler M., Müller G. (2008):
Projekt „Pilzflora von Karlsruhe" - erste Ergebnisse. Carolinea. 66: 87-93

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