Permokarbon der Saalesenke

Rothenburg-Formation im Werderbruch (Saale-Tal)

Pflanzenreste in einem Bohrkern

Bohrkern - Paläoboden

Bohrkern der Bohrung Querfurt

Bohrkernlager des LAGB Sachsen-Anhalt

Hornburg-Formation mit rundkörnigem Sandstein

Das kontinentale Permokarbon ist mit seiner sedimentologischen Beschaffenheit (Sandsteine, Kohlen, Salze) einer der wichtigsten geologischen Zeitabschnitte für die deutsche Wirtschaft. Salze und Kohlen wurden und werden abgebaut; Sandsteine sind Speichergesteine für Kohlenwasserstoffe und in neuerer Zeit interessant, z.B. für die geothermische Energiegewinnung und die Deponie flüssiger und gasförmiger Abfallprodukte. Die Grundlage dafür ist die Erarbeitung von Ablagerungsmodellen für die Sedimente und die Rekonstruktion der tektonischen Beckenentwicklung. Darüber hinaus gestattet das Permokarbon einen Einblick in die Auswirkungen eines globalen Klimawandels (globale Erwärmung, abtauende Eiskappen und Übergang zu einer eisfreien Erde) und liefert damit ein Untersuchungsmodell für die Wirkung eines solchen Klimawandels ohne den Einfluss des Menschen. Die Basis dafür sind möglichst lange, gut untersuchte Profile (vollständig gekernte Bohrungen) in mehreren der isolierten und in ihrer Entwicklung individuell verschiedenen Sedimentationsräume des Permokarbon  (Permokarbon-Becken im Untergrund von Baden-Württemberg, Norddeutsche Senke, Saalesenke, Thüringer-Wald-Senke, Saar-Nahe-Senke usw.) notwendig. Die Bedingungen für derartige Untersuchungen sind im Ablagerungsraum Saalesenke derzeit ideal, da im Gegensatz zu anderen Bundesländern dort zahlreiche vollständig gekernte Bohrungprofile  vorhanden sind. Im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt wird deshalb zur Zeit ein neues schlüssiges stratigraphisches Konzept für den gesamten Ablagerungsraum der Saalesenke auf der Basis neuer feinstratigraphischer Dokumentationen von ca. 40 Bohrungen und Altbergbau-Aufschlüssen und unter Anwendung  von klassischen (Litho- und Biostratigraphie, radiometrische Datierungen) und alternativen (z.B. wavelet Analysen, Magnetostratigraphie) Methoden erstellt. Der Bohrung Querfurt 1/64, die fast 2000 m Permokarbon der Saalesenke aufschließt und so einen Zeitraum von ca. 40 Millionen Jahren überstreicht, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Sie bietet einen unvergleichlich vollständigen Einblick in die sedimentologische Entwicklung des Permokarbons, so dass sie bei entsprechender Bearbeitung und in Kombination mit weiteren Profilen als Richtprofil für weitergehende Untersuchungen zur Paläogeographie, Paläoklimatologie, Paläoökologie usw. dienen kann. Erste Ergebnisse aus der Bearbeitung sind eine drastisch veränderte stratigraphische Einstufung und eine fazielle Neubewertung des Profils. Die nächsten Arbeitsschritte bestehen nun darin, das Profil der Bohrung Querfurt 1/64 in ein schlüssiges stratigraphisches Konzept einzubinden und über Korrelationsketten an die sowohl mit radiometrischen Altersdaten als auch bio-/litho-/ magnetostratigraphisch gut untersuchten und belegten Profile im Thüringer Wald und in Norddeutschland anzuschließen.

 

Laufende Teilprojekte:

  • stratigraphische Einstufung Bearbeitung der Bohrung E Querfurt 1/64

  • Basale Entwicklung des Permokarbons in der Saalesenke, Auflagerung auf Kristallin (Bohrung Wisbaw 1417/80; Altbohrungen  Schladebach, Domnitz, Dössel, Brucke; Oberflächenkartierung am Harzrand)

  • Halle-Formation: Definition, Kartierung der Verbreitung, stratigraphische Positionierung (Bohrungen Querfurt 1/64; Kb Hornburg 1/61, Kb Bottendorf 1/61, Kb Strenz 1/62, lochau 1/65, WisBaw 1424/80, Auswertung von Archivmaterial aus dem Kupferschieferbergbau, Oberflächenkartierung auf dem Hornburger Sattel; Kartierung des Kieselschiefer-Quarzit-Konglomerates zur Klärung der Rotliegend-Basis mit Hilfe von Archivmaterial Steinkohlenerkundung)

  • Kartierung der Hornburg-Formation (Bohrungen Kb Hornburg 1/61, Kb Bottendorf 1/61, Kb Strenz 1/62, Auswertung von Archivmaterial aus dem Kupferschieferbergbau, Oberflächenkartierung auf dem Hornburger Sattel)

  • Brachwitz-Formation/“Mischkörniger Sandstein“ – Definition und Klärung der stratigraphischen Position der Einheit (Bohrungen Brachwitz 2/61, Querfurt 1/64, Oberflächenkartierung)

  • Eisleben-Formation: Definition, Klärung der paläogeographischen Verbreitung, Korrelation mit der Norddeutschen Senke (Bohrungen E Querfurt 1/64, Raum Bad Lauchstädt, Steuden 1/70, Raum Bernburg, Altmark)

Auf der Basis des bisher  in der Norddeutschen Senke und der Saalesenke erstellten litho- und klimastratigraphischen Richtprofils wird ab Herbst 2012 mit der Bearbeitung von ungleich schlechter aufgeschlossenen  Permokarbonprofilen in Baden-Württemberg begonnen. In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg werden Bohrprofile sedimentologisch und stratigraphisch bearbeitet.

 

Ausgewählte Publikationen

Ehling B.-C., Gebhardt U. (2012):
Rotliegend im Saale-Becken. Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg. Koordination und Redaktion H. Lützner & G. Kowalczyk für die Subkommission Perm-Trias): Stratigraphie von Deutschland X. Rotliegend Teil 1: Innervariscische Becken. Schriftenreihe der DGG. 61, Hannover: 521-533
Gebhardt U., Lützner H. (2012):
7.16 Innervariscische Rotliegendbecken und Norddeutsches Becken – Fragen ihrer stratigraphischen Verknüpfung. Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg. Koordination und Redaktion H. Lützner & G. Kowalczyk für die Subkommission Perm-Trias): Stratigraphie von Deutschland X. Rotliegend Teil 1: Innervariscische Becken. Schriftenreihe der DGG. 61, Hannover: 732-747
Gebhardt U. (2011):
Das Rotliegend-Profil der Bohrung Querfurt 1/64 und das Alter der Hornburg-Formation. Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften. 77: 34
Ehling BC., Gebhardt U., Kampe A. (2008):
4.8.2 Rotliegend. In: Geologie von Sachsen-Anhalt, Schweizerbart, Stuttgart.: 143-160
Gebhardt U., Hiete M. (2008):
Milankovich-Zyklen im Karbon der Saalesenke. Freiberger Forschungshefte. C 528: 105-123

Liste der Mitarbeiter

Dr. Ute Gebhardt, Dipl.-Geol.

Dr. Ute Gebhardt, Dipl.-Geol.
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E-Mail: utegebhardt@gmx.de