Botanische und mykologische Sammlungen

Die Botanik nahm im „Naturalienkabinett“ in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen besonderen Platz ein. Die ersten drei Direktoren der Sammlungen C. Chr. Gmelin (1785-1837), A. Braun (1837-1846) und M. Seubert (1846-1878) waren bekannte Botaniker, die auch Herbarien hinterließen. Weitere Herbarien kamen durch Schenkung oder Ankauf in die Landessammlungen. So soll die Sammlung Schimper etwa „500 ziemlich dicke Päckchen“ umfasst haben.

Allerdings waren die Herbarien um 1900 nicht gerade in einem guten Zustand, wie aus einem Schriftwechsel mit dem Botanischen Museum in Berlin-Dahlem hervorgeht. Deshalb versuchten ab etwa 1888 Reallehrer Oehler, Lehrer Kneucker und Seminardirektor Leutz, die Schimper‘schen Sammlungen zu ordnen. Nach 1905 betreute A. Kneucker als nebenamtlicher Kustos die Sammlungen, die er auch nach seiner Pensionierung weiterführte. Das „Badische Landesherbar“ dürfte sein Werk gewesen sein. Es wurde aber beim ersten Luftangriff auf Karlsruhe im Jahr 1942 vernichtet. Die Herbarien Kneucker (ca. 800 umfangreiche Packen), Schimper und Zeyher verbrannten ausgelagert im Schloss.

Nach dem Krieg bildeten Reste der Sammlungen den Grundstock für den Wiederaufbau des heutigen Gefäßpflanzen-Herbars. Außerdem gelangten wichtige Herbarien durch Schenkung oder Ankauf nach Karlsruhe. Zu nennen sind hier die Namen Jauch, Lösch, Machule, Müller, Kraiss und Stoll. Eine besondere Bedeutung hat dabei das Herbar Döll.

In den letzten Jahrzehnten wurde vor allem die Moossammlung durch G. Philippi (ca. 60.000 Kapseln) stark ausgebaut. Einen besonderen Schwerpunkt bilden dabei die Torfmoose, die im Zusammenhang der paläoökologischen Forschungsarbeiten in Mooren von A. Hölzer bearbeitet wurden (mehr als 10.000 Kapseln). Ein wesentliches Ergebnis ist das 2010 im Weissdorn-Verlag erschienene Buch: Die Torfmoose Südwestdeutschlands und der Nachbargebiete.

Die Flechten in Karlsruhe wurden über viele Jahre von H. Schindler ehrenamtlich betreut. Seit 2002 wurde diese Sammlung durch den Direktor (2001-2008) und Flechtenspezialisten V. Wirth erweitert.

Die mykologischen Sammlungen gewannen erst in der jüngsten Vergangenheit mit der Einstellung des Mykologen M. Scholler an Bedeutung. Er betreut auch die Algensammlung, die überwiegend Belege aus dem 19. Jahrhundert umfasst.

Heute umfassen die botanischen und mykologischen Sammlungen (offizielles Akronym: KR) mehr als 300.000 Belege, die in ihrer Mehrheit aus SW-Deutschland stammen. Großer Wert wird auf das Sammeln von Belegen durch das eigene Personal gelegt, da die genaue Kenntnis des Standortes von besonderer Bedeutung ist.

Seit dem Jahr 2000 werden mit Unterstützung des Arbeitsamtes und des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst große Anstrengungen unternommen, Belege zu präparieren, Datenbanken aufzubauen und bisher nicht erschlossene Bereiche und Daten der Botanischen Sammlungen für Interessenten leichter zugänglich zu machen.

C. Gmelin
C. Gmelin
A. Braun
A. Braun
A. Kneucker
A. Kneucker