April bis Juni 2026

Wir machen Fröschen Beine

Von April bis Juni 2026 ist die etwa 130 Jahre alte Modellserie „Die Froschentwicklung“ von Josef Fritsch (1856-?) in unserer Sondervitrine „Ans Licht gebracht“ ausgestellt. Über Josef Fritsch ist nur sehr wenig bekannt [1], er arbeitete aber u.a. als Lehrer an einer Modellierschule im böhmischen Teil des Erzgebirges, in der die Herstellung von Spielzeug – einem damals bedeutenden Industriezweig der Region – Unterrichtsfach war. Die Serie gelangte durch die Auflösung einer Schulsammlung ans Naturkundemuseum Karlsruhe und befindet sich seit 2023 im Bestand des Museums. Die aus Papiermaché gefertigten Modelle zeigen verschiedene Stadien der Froschentwicklung.

Aufgrund ihres Alters und ihres langen Einsatzes im Schuldienst hatten die Modelle gründliche Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten nötig, die von Wirbeltierpräparator Friedbert Kiszler und der Bundesfreiwilligendienstleistenden Lena Nikl sorgfältig und mit Liebe zum Detail vorgenommen wurden:

Nach der gründlichen Dokumentation des Originalzustands der Objekte wurden diese behutsam mit Reinigungsschwämmchen gesäubert. Die Restaurierung umfasste die Reparatur von kleineren Schäden wie abgebrochenen Zehen, aber auch das Ergänzen fehlender Bereiche durch Neumodellage. Zwei Modelle von frisch geschlüpften Kaulquappen waren verloren gegangen und wurden nachmodelliert, so dass jetzt wieder wie ursprünglich vorgesehen neun Kaulquappen an einem Stück Schilfrohrs sitzen. Auch ein abhanden gekommenes Hinterbein wurde spiegelbildlich zum erhalten gebliebenen neu geformt.

Für die Neumodellage wurde eine Epoxidharz-Modelliermasse verwendet, die entsprechenden Bereiche wurden anschließend mit Acrylfarben neu koloriert. Dabei wurde sorgfältig auf die Vorgehensweise bei der Bemalung des Originals geachtet und methodische Details wie die Maltechnik daraufhin imitiert.

Beim Zusammenfügen der Einzelteile wurde darauf geachtet, eine leicht zu lösende Trennschicht zwischen dem Modellkörper und den abgebrochenen Originalfragmenten bzw. den neumodellierten Partien zu schaffen. Dafür wurde Japanpapier auf alle zu verbindenden Oberflächen angebracht und für die Verbindung der Stücke ein wasserlöslicher Leim zwischen die Schichten des Papiers aufgetragen. So kann auch nachträglich ein Zugang zum Originalmaterial geschaffen werden und es entstehen keine weiteren Schäden durch den Klebevorgang.

 

Findet Fritschs Frösche!

Gerne würden wir auch das in unserer Serie fehlende Modell des Froschlaichs nachmodellieren, doch leider fehlt uns dafür noch die geeignete Vorlage. Grund dafür ist, dass die von Josef Fritsch entworfenen Modelle offenbar nur sehr selten ihren Weg in öffentliche Sammlungen gefunden haben und nur schwer zu finden sind [1].  

Bislang konnten wir – ebenfalls unvollständige – Modellserien zur Froschentwicklung nur in zwei Museen in Großbritannien ausfindig machen, dem Stockport Museum [2] und dem Manchester Museum [3].

Wenn Sie zufällig eine Sammlung kennen, die das gesuchte Froschlaichmodell besitzt, würden wir uns sehr über eine Nachricht an museum[at]smnk.de freuen!

 

Quellen

[1] Fischer, J., Wieland, F., Reich, M., Schneeberg, K. und Voigt, S. (2025). Historische Lehrmittel des Pfalzmuseums – 135 Jahre alte Modelle von Tieren der Urwelt. Mitt. Pollichia 103: 249-276.

[2] https://www.stockport.gov.uk/landing/museums-attractions abgerufen am 01.04.2026

[3] https://www.museum.manchester.ac.uk/ abgerufen am 01.04.2026