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Juli bis September

Musterstücke - Gesteinsplatten aus dem Naturalienkabinett der Markgräfin Karoline Luise

Die Markgräfin Karoline Luise von Baden (*1723 in Darmstadt – † 1783 in Paris) war für ihr großes Interesse an Kunst- und Naturwissenschaften bekannt. Mit berühmten Persönlichkeiten wie Linné, Goethe und Voltaire führte sie eine rege Korrespondenz. Sie besaß selbst ein großes künstlerisches Talent, was sich an den von ihr gefertigten Kopien   bedeutender Ölgemälde und botanischen und anatomischen Zeichnungen zeigt. Ihre große Leidenschaft aber galt dem Sammeln von Kunstobjekten und Naturalien. Ihre Kunstsammlung, das sogenannte Mahlerey-Cabinet, bildete den Grundstock für die heutige Staatliche Kunsthalle Karlsruhe [1]. Weiterhin unterhielt die naturwissenschaftlich gebildete Markgräfin im Karlsruher Schloss ein Laboratorium für chemische und physikalische Versuche und sammelte verschiedene naturwissenschaftliche Objekte, darunter Mineralien, Gesteine und Conchylien (Schnecken- und Muschelschalen). Aus diesem markgräflichen Naturalienkabinett gingen die Sammlungen des Naturkundemuseums hervor.

Ihre Mineraliensammlung wurde auch durch Schenkungen berühmter Wissenschaftler und von anderen Fürstenhöfen erweitert. So erhielt Karoline Luise 1777 von der österreichischen Kaiserin Maria Theresia eine Schenkung mit seltenen und wertvollen Mineralien [1]. Zur Sammlung Karoline Luises gehörte auch eine große Anzahl verschiedener, geschliffener Gesteinsplatten, die sie teilweise selbst mit Etiketten oder direkt beschriftete. Dabei vermerkte sie Fundort, Gesteinsart und Sammlungsnummer. Zur Aufbewahrung einiger dieser Platten ließ Karoline Luise vom italienischen Künstler Francesco Vassalli ein Schränkchen anfertigen. Das massive Steinschränkchen wurde aus verschiedenen badischen „Marmoren“ hergestellt, besitzt einen Deckel aus Granit und Messingbeschläge [2]. Es beinhaltet zwölf hölzerne, gefächerte Schubladen zur Aufbewahrung und Präsentation der „badischen Marmore“ [3]. Diese wurden nicht nur wegen Ihrer Ästhetik und Vielfalt als Prestigeobjekt präsentiert, sondern dienten auch als Muster für mögliche Baumaterialien bei der Ausgestaltung der Räumlichkeiten und einiger Möbel des Karlsruher Schlosses [3]. Die Gesteine stammen aus verschiedenen Steinbrüchen in ganz Europa, allerdings wurde aus Interesse an wirtschaftlicher Unabhängigkeit des Hofes bei der Auswahl auch auf regional vorkommende Gesteine geachtet [3] [4]. Beispielsweise stammen einige der Gesteine aus der Gegend um Durlach und Pforzheim [2].

Die Gesteinsplatten wurden zusammenfassend als „Marmore und Granite“ bezeichnet [2]. Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen der geologischen Definition und der kommerziellen Verwendung des Begriffes „Marmor“. Als „Marmor“ bezeichnet man im geologischen Sinne ein metamorphes Gestein, das mehr als 80% Karbonatminerale enthält, die unter hohen Drücken und Temperaturen umgebildet wurden [5]. Das Ursprungsgestein war Kalkstein. Der kommerzielle Begriff „Marmor“ wird als Synonym für verschiedenste kalkhaltige Natursteine verwendet, die man schleifen und zur kommerziellen Nutzung aufarbeiten kann, unabhängig von der Zusammensetzung und der Entstehung des Gesteins [6].

Als „Granit“ wird ein Tiefengestein bezeichnet, das in der Erdkruste aus abgekühltem Magma entsteht und durch Hebungs- und Erosionsprozesse an die Erdoberfläche kommt. Hauptmineralkomponenten von Granit sind die Minerale Quarz, Feldspat und Glimmer [6].   Granit weist ein oft sehr ästhetisches, grobkörniges Gefüge auf, das durch langsames Abkühlen im Erdinneren entsteht [6]. Neben der Entstehung des Gesteins ist dieses sogenannte Mosaikgefüge ein klares Unterscheidungsmerkmal zum Marmor.

In der Sondervitrine präsentieren wir eine Auswahl an Gesteinsplatten aus verschiedenen Regionen, die die Vielfalt der Texturen und Farben von Gesteinen widerspiegelt. Einige haben Etiketten, die zur Inventarisierung von Karoline Luise selbst mit der Art des Gesteins, dem Fundort und weiteren wichtigen Eckdaten beschriftet wurden. Die verschiedenen Farben im Gestein entstehen durch die unterschiedlichen Arten der darin enthaltenen Minerale. Die Farbe eines Minerals hängt u.a. von dessen chemischer Zusammensetzung ab. So kann beispielsweise Quarz (Siliziumdioxid = SiO2) durch Einschlüsse weiterer Elemente und Minerale ganz unterschiedlich gefärbt sein, was dann farbgebend für das Gestein ist. Die Korngrößen, Anordnung von Mineralen und die Musterung im Gestein werden durch Druck, Temperatur und die umgebenden Gesteine stark beeinflusst.

 

[1] Močnik, M.-T. (2020): Das Mahlerey Cabinet. Die Kunstsammlung der Karoline Luise von Hessen-Darmstadt. Masterarbeit. Karl-Franzens-Universität Graz. S. 91. Aufgerufen über: https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/content/titleinfo/5653635/full.pdf (zuletzt aufgerufen am 13.06.2023)

[2] Schwarzmann, A. (1983): Caroline Luise, Markgräfin von Baden, 1723-1783. Ausstellung anlässlich der 200. Wiederkehr ihres Todesjahres. Theiss Verlag, Stuttgart. S. 251.

[3] Mayer, G. (1979): Ein Steinschränkchen aus dem markgräflichen Schloß zu Karlsruhe. Badische Heimat, 59, 485-489.

[4] Fuhrmann, A. (2012): Geschichte der Marmormuster aus dem Naturalienkabinett der Caroline Luise, Markgräfin von Baden – ein historischer Fund. Carolinea 70 (2012). S. 5-13. Aufgerufen über: https://www.smnk.de/sammlungen/bibliothek/publikationen-des-smnk/carolinea/band-70/ (zuletzt aufgerufen am 13.06.2023)

[5] Markl, G. (hrsg.) (2008): Minerale und Gesteine. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag. S. 610.

[6] Press, F. und R. Siever (hrsg.) (2003): Allgemeine Geologie – Einführung in das System Erde. Übersetzt von Volker Schweizer. 3. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag. S.723.