Schädel der „Karlsruher“ Elefantenkuh Rani
Elephas maximus
Zoo Karlsruhe

Mit einem Gewicht von knapp 3,5 Tonnen und einer Schulterhöhe von 2,70 Metern [1] war die Königin war von wahrhaft majestätischer Größe: Rani, die beliebte Elefantendame aus dem Karlsruher Zoo. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Zooelefanten liegt bei etwa 42 Jahren – Rani erreichte das stattliche Alter von 63 Jahren und war damit an ihrem Lebensende der älteste Elefant Deutschlands [2] und der zweitälteste Europas. Abgesehen von einigen altersbedingten Einschränkungen wie Arthrose erfreute sie sich bis zuletzt guter Gesundheit.

Sie war ein Asiatischer Elefant (Elephas maximus) und zog im Oktober 1957 als Wildfang in den Zoologischen Stadtgarten. Ihr Name „Rani“ (deutsch: „Königin“) stammt passenderweise aus der altindischen Sprache Sanskrit. Rani entwickelte sich rasch zu einem Publikumsliebling und begeisterte drei Generationen von Zoofans, für die sie mindestens ebenso selbstverständlich zum Karlsruher Stadtbild zählte wie die Pyramide auf dem Marktplatz oder das Schloss. Über viele Jahre war sie Leitkuh im Zoo und am Ende das letzte überlebende Tier des bekannten Quartettes, das sie zusammen mit Trulli, Nepal und Shanti bildete [3]. Allerdings ist Rani vielen auch durch einige Unglücksfälle in Erinnerung geblieben: 1965 drückte sie einen Tierpfleger gegen eine Wand, wobei sich dieser Rippen- und Armbrüche zuzog [4]. 1984 war sie in den tragischen Unfalltod der Flusspferde im Nachbargehege involviert [4] [5] und 2010 erlitt sie bei einem Feuer im Zoo großflächige Brandverletzungen. Nach dem Neubau des Winterquartieres konnte sie mit ihren Kameradinnen aber 2013 in einen größeren Stall umziehen und war die Erste, die die Räumlichkeiten neugierig erkundete. Im Februar 2019 starb Königin Rani schließlich an Kreislaufschwäche.

Sie bleibt Karlsruhe aber auch nach ihrem Tod erhalten – ihr präparierter Schädel ist heute Teil unserer Wirbeltiersammlung am Naturkundemuseum. In der Sondervitrine „Ans Licht gebracht“ präsentieren wir ihn ab Juli 2021. Am Schädel lassen sich anschaulich die anatomischen Besonderheiten eines Elefantenschädels nachvollziehen. Auffälligstes Merkmal ist die große frontale Nasenöffnung, an der der Rüssel ansetzte. Evolutionsbiologen vermuten, dass Schädelfunde von Elefanten in der Antike die Mythenbildung um die einäugigen Zyklopen angeregt haben könnten, da die prominente Öffnung mit einer riesigen Augenhöhle verwechselt wurde [6].

Im Kiefer sind mehrere Backenzähne (Molaren) mit sogenannten Schmelzlamellen zu erkennen, die das Zermahlen der harten pflanzlichen Nahrung ermöglichen. Pro Kieferhälfte besitzt ein Elefant sechs Backenzähne, die allerdings im Laufe der Jahre erst einer nach dem anderen durchbrechen und genutzt werden [7]. Während die Wurzeln der älteren, abgenutzten Zahnteile zurückgebildet werden, sodass sie ausfallen, wird vom hinteren Ende des Kiefers neues Zahnmaterial wie auf einem sehr langsamen Fließband nach vorne transportiert. Diese spezielle Form der Erneuerung der Zahnsubstanz wird „horizontaler Zahnwechsel“ genannt und kommt heute außer bei Elefanten [7] noch bei Seekühen, Kängurus und einigen Schliefer-Arten vor [8]. Der letzte Backenzahn bricht für gewöhnlich im Alter von etwa 35 Jahren durch. Übrigens: Die schwersten Elefantenzähne können bis zu fünf Kilogramm wiegen [9]!

 

Quellen:

[1] Marie Wehrhahn: Rani wird 60! Unglaubliche Fakten über Karlsruhes beliebteste Elefanten-Lady. Am 17. Mai 2015 auf ka-news.de. Abgerufen am 10. Juni 2021.

[2] Zoo Karlsruhe: Deutschlands ältester Elefant gestorben. Am 24. Mai 2019 auf ka-news.de. Abgerufen am 10. Juni 2021. 

[3] Susanne Jock: Trauer im Zoo Karlsruhe: Elefantenkuh Rani ist tot. In: Badische Neueste        Nachrichten, 24. Februar 2019.

[4] Julia Wessinger; Florian Kaute: 63 bewegende Jahre: Elefanten-Dame Rani und ihr abwechslungsreiches Leben im Karlsruher Zoo. Am 25. Mai 2019 auf ka-news.de. Abgerufen am 10. Juni 2021. 

[5] Julia Wessinger: 62 Jahre Elefanten-Trubel: Rani feiert heute Geburtstag im Zoo! Am 17. Mai 2017 auf ka-news.de. Abgerufen am 10. Juni 2021. 

[6] Wolfgang Schneider: Der einäugige Zyklop war in Wahrheit ein Elefant. Am 12. Juli 2012 auf welt.de. Abgerufen am 10. Juni 2021. 

[7] Bernhard Grzimek (Hrsg.): Säugetiere 3. In der Reihe: „Grzimeks Tierleben“, Band 12. Verlag Bechtermünz, Augsburg, 2000, ISBN 3-8289-1603-1, Seiten 479–514. 

[8] Eintrag im Lexikon der Biologie: Zahnwechsel. Abgerufen auf spektrum.de am 10. Juni 2021.

[9] Wikipedia-Artikel: Elefanten. Abgerufen auf de.wikipedia.org am 10. Juni 2021.