Vorschau

In der Vitrine "Vorschau" werfen wir mit ausgewählten Objekten einen Blick auf die kommende Sonderausstellung "Kosmos Kaffee" (8.10.2020 bis 6.6.2021). Weiter unten finden Sie weiterführende Informationen zum aktuell ausgestellten Objekt.

Die Vitrine finden Sie in der Nähe des Museumsshops.

Vorschau zur Großen Landesausstellung
"Neobiota" (ab November 2021)


Waschbär, Riesenbärenklau und Co.

Der Mensch ist Wegbereiter für die Ausbreitung vieler Arten. Mit Hilfe von Autos, Flugzeugen, Schiffen oder einfach unter unseren Fußsohlen überwinden Arten uralte geographische Barrieren wie Gebirge und Ozeane. Viele Pflanzen-, Tier- und Pilzarten werden auch absichtlich vom Menschen aus anderen Gebieten mitgebracht, um sie wirtschaftlich zu nutzen oder aus Gründen der Freizeitgestaltung, so auch der ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Riesenbärenklau. Geschätzt wegen seines dekorativen Blütenstandes und als vermeintliche Bienenweide wurde diese Pflanze in vielen Gärten angepflanzt. Auf Grund ihres hohen Ausbreitungspotentials – eine Pflanze kann bis zu 20.000 Samen produzieren – blieb sie bald nicht mehr auf Gärten beschränkt und verbreitete sich rasch in ganz Deutschland. Heute findet man den Riesenbärenklau auf Wiesen, an Wegrändern und Flussufern. Die bis zu drei Meter hohe Pflanze beschattet die umliegende Vegetation, so dass anderen Arten das Licht zum Wachsen fehlt. Darüber hinaus bildet der Riesenbärenklau Mischformen mit nahe verwandten Arten wie dem Wiesenbärenklau. Wegen der nachhaltigen negativen Einflüsse auf die besiedelten Ökosysteme wird der Riesenbärenklau auch als sogenannte invasive Art bezeichnet. Darüber hinaus verursacht der Pflanzensaft im Zusammenspiel mit Sonnenlicht starke Verbrennungen auf der menschlichen Haut. Daher sollte der Riesenbärenklau nur in Schutzkleidung gerodet werden.

Eine weitere, absichtlich vom Menschen eingeführte Art ist der ursprünglich in Nordamerika beheimatete Waschbär. 1934 wurden zwei Waschbärpärchen zu Jagdzwecken am hessischen Edersee ausgesetzt. 1945 entkamen weitere Tiere in Brandenburg aus einer Pelztierfarm. Die Tiere vermehrten sich stark, so dass bereits im Jahr 1970 geschätzt etwa 20.000 Waschbären in Deutschland lebten! In der Saison 2018/2019 wurden laut Deutschem Jagdverband allein in Baden-Württemberg 2532 Waschbären erlegt.

Da sich der Waschbär unter anderem von kleinen Wirbeltieren und Vogeleiern ernährt, ist sein Einfluss auf andere Tierarten und damit auf das Ökosystem Gegenstand intensiver Forschung. Der Waschbär wird ebenso wie der Riesenbärenklau als invasive Art geführt. Als erfolgreicher Kulturfolger ist der Waschbär inzwischen auch in Städten angekommen. Als Baumhöhlenbewohner findet er auf den Dachböden von Häusern ideale Lebensbedingungen. Abfälle versorgen den Waschbären ausreichend mit Nahrung. Nächtlicher Lärm und Schäden an der baulichen Substanz der Häuser machen den Waschbären zu einem unbeliebten Untermieter.

Aber auch unbeabsichtigt gelangten Arten zu uns. So das ursprünglich in Afrika beheimatete Heimchen oder der aus Australien und Neuseeland stammende Tintenfischpilz

Das Heimchen ist ein sogenanntes Archäozoon, das heißt eine Tierart, die vor der Wiederentdeckung Amerikas durch Columbus im Jahr 1492 nach Mitteleuropa kam. Als Kulturfolger lebt es gerne in Kellern, Gewächshäusern oder im Kompost. Der Tintenfischpilz kam höchstwahrscheinlich mit Wolllieferungen als blinder Passagier nach Europa. 1934 wurde der Pilz in der Nähe von Karlsruhe zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen. Durch seine Sporen kann sich der Pilz effizient verbreiten. Als Zersetzer ist er vorwiegend in der Laubstreu von Wäldern zu finden.
Diese beiden Arten werden nicht als invasiv geführt. Das bedeutet, es sind bislang keine negativen Auswirkungen auf das Ökosystem bekannt.


Quellen (Internetquellen aufgerufen am 10.8.2020):

  1. de.wikipedia.org/wiki/Heimchen
  2. de.wikipedia.org/wiki/Waschbär
  3. de.wikipedia.org/wiki/Riesen-Bärenklau
  4. www.jagdverband.de/zahlen-fakten/tiersteckbriefe/waschbaer-procyon-lotor
  5. www.jagdverband.de/zahlen-fakten/jagd-und-wildunfallstatistik/jagdstatistik-fuer-einzelne-wildarten
  6. www.jagdverband.de/sites/default/files/2020-02/2020-02_Infografik_Jahresstrecke_Waschbaer_2018_2019.jpg
  7. de.wikipedia.org/wiki/Tintenfischpilz
  8. www.biologie-seite.de/Biologie/Tintenfischpilz
  9. www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article132618273/Klimaerwaermung-laesst-fremde-Tentakelpilze-spriessen.html
  10. Geiter, O; Homma, S und Kinzelbach, R (2002): Bestandsaufnahme und

Bewertung von Neozoen in Deutschland. Forschungsbericht 296 89 901/01 im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

  1. Nehring, S; Kowarik, I; Rabitsch, W und Essl, F (Herg.) (2013): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschlandwild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. Bericht im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz
  2. Nehring, S; Kowarik, I; Rabitsch, W und Essl, F (Herg.) (2015): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wildlebende gebietsfremde Wirbeltiere. Bericht im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz
  3. Ludwig, M (2010): Invasion - Wie fremde Tiere und Pflanzen unsere Heimat erobern. Ulmer Eugen Verlag Stuttgart S.19-23.

Katzenkaffee „Kopi Luwak“ – Exquisite Exkremente

Vollmundig, mild in der Säure, erdig, sirupartig mit einem sauberen und lang anhaltenden Abgang, leicht muffig und modrig – so wird der Geschmack von „Kopi Luwak“, dem sogenannten Katzenkaffee, beschrieben1, 2. Doch hinter dieser Kaffeerarität steckt keine spezielle Kaffeesorte, sondern ein Prozess – bei dem es sozusagen um die Wurst geht.

Der Fleckenmusang ist eine mardergroße Schleichkatzenart aus den Regenwäldern Südostasiens. Als Allesfresser durchstreift er nachts die Regenwälder auf der Suche nach Früchten, Insekten, Würmern und kleineren Wirbeltieren. Sein Weg führt ihn auf den indonesischen Inseln Bali, Java und Sumatra auch in die Kaffeeplantagen, wo er die reifen Kaffeekirschen, die Früchte der Kaffeepflanze, frisst. Die „Kerne“ der Kaffeefrüchte, die Kaffeebohnen, werden weitestgehend unverdaut wieder ausgeschieden. Auf der Passage durch den Darm des Fleckenmusangs werden die Kaffeebohnen allerdings durch Enzyme chemisch verändert. Diese Fermentation beeinflusst die Geschmacks­eigen­schaften des Kaffees und macht ihn weniger bitter3. Die Verdauungssäfte spalten zudem Proteine in der Kaffeebohne in kleinere Moleküle auf oder bauen sie ganz ab, was sich auf das Aromaprofil auswirkt. Beim Rösten entsteht so ein milderer Geschmack4.

Schon 1883 schrieb der Zoologe Alfred Brehm in seinem berühmten „Thierleben“: Wenn die Früchte der Kaffeebäume heranreifen […], sieht man oft auf dem Boden der Wege […] sonderbare, weißliche Kothklumpen eines Thieres liegen, welche ganz und gar aus zusammengebackenen, übrigens aber unbeschädigten Kaffeebohnen bestehen5. Das besondere Aroma war aber nicht der ursprüngliche Grund, warum Kaffeebohnen aus dem Kot dieser Schleichkatze geröstet und zu Kaffee verarbeitet wurden. Als die Kaffeeplantagen Indonesiens noch unter der Kolonialherrschaft der Niederlande standen, war es den Einheimischen, die auf den Plantagen arbeiteten, verboten, den geernteten Kaffee selbst zu verzehren. Dieser war nur für die Kolonialherren selbst und den Export bestimmt. Die Arbeiterinnen und Arbeiter sammelten kurzerhand die vom Fleckenmusang ausgeschiedenen Kaffeebohnen auf, trockneten und rösteten sie6.

Aus der Not heraus war eine Kaffeespezialität entstanden, die heute weltweit von Kaffeeexperten geschätzt wird. Um die aktuelle internationale Nachfrage bedienen zu können, reicht das Sammeln des Kots nicht mehr aus. Fleckenmusangs werden heutzutage häufig in Gefangenschaft gehalten und mit Kaffeekirschen gemästet. Diese einseitige Mangelernährung führt zu Symptomen wie Haarausfall, die Haltung in kleinen Käfigen zu Stress und Verhaltensauffälligkeiten7. Im Sinne des Tierschutzes ist der Genuss von „Kopi Luwak“ also nicht empfehlenswert.

Extravagante Kaffeespezialitäten gibt es aber auch ohne tierische Hilfe. Einen milden und exklusiven Geschmack bietet beispielsweise der „Jamaica Blue Mountain“, ein Arabica, der in den Bergen Jamaikas auf einer kleinen Fläche von rund 6.000 Hektar angebaut wird. Auch der „Hawaii Kona“ ist rar und bietet einen zarten wie intensiven Geschmack mit vollem Körper und sanften Säuren3. Der japanisch anmutende „Geisha-Kaffee“, der allerdings aus Äthiopien stammt und in Panama angebaut wird, gewann mehrmals beim Kaffeewettbewerb „Best of Panama coffee competition“. Er erzielte bei der Kaffeeauktion „Best of Panama auction“ im vergangenen Jahr den Rekordpreis von 1029$ je Pfund (ungeröstet)8. Bei diesen exquisiten Kaffeespezialitäten kann man sich sicher sein, dass keine Tiere zu Schaden kamen.

 

Quellen (Internetquellen aufgerufen am 19.5.2020):

1https://de.wikipedia.org/wiki/Kopi_Luwak

2https://www.malua-kaffee-shop.de/anbau-und-herstellung/

3 Jahreis, M., Marquart, S., Möllers, N. (Hg.) (2019): Kosmos Kaffee. 1. Auflage, Deutsches Museum, München.

4 Marcone, Massimo F. (2004): Composition and properties of Indonesian palm civet coffee(Kopi Luwak) and Ethiopian civet coffee. Food Research International 37: 901–912

5 Brehm, Alfred Edmund (1883-1884): Brehms Thierleben. Zweite umgearbeitete und vermehrte Auflage, Kolorierte Ausgabe, Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1883-1884.

6https://de.wikipedia.org/wiki/Kopi_Luwak

7https://www.peta.de/kopi-luwak

8 en.wikipedia.org/wiki/Geisha_(coffee)