Königin-Alexandra-Vogelflügler (weibliches Exemplar)
Königin-Alexandra-Vogelflügler (weibliches Exemplar)
Königin-Alexandra-Vogelflügler (männliches Exemplar)
Königin-Alexandra-Vogelflügler (männliches Exemplar)
Verbreitungskarte:
Der Königin-Alexandra-Vogelflügler kommt nur in einem eng begrenzten Gebiet Papua-Neuguineas vor, nahe der Stadt Popondetta, und ist das Wappentier der Provinz Oro.
Verbreitungskarte

Juli bis September 2019

Königin-Alexandra-Vogelflügler
Ornithoptera alexandrae

Gefährdete Schönheit aus Papua-Neuguinea
Die Bergregenwälder Neuguineas sind ein wahres Eldorado für Schmetterlingskundler. Besonders groß und prächtig sind die Arten der Gattung Ornithoptera. Der Gattungsname setzt sich aus dem griechischen ornithos für „Vogel“ und pteron für „Flügel“ zusammen – kaum verwunderlich angesichts der imposanten Flügelspannweiten dieser Schmetterlinge, die sogar mit denen von Vögeln mithalten kann. Es gibt neun Arten dieser sogenannten Vogelflügler, sechs davon kommen ausschließlich in den Gebirgen Neuguineas vor.
Der größte unter ihnen und gleichzeitig der größte Tagfalter der Welt, ist der Königin-Alexandra-Vogelflügler Ornithoptera alexandrae. Die Weibchen erreichen eine Flügelspannweite von über 27 cm (1) und sind braun mit heller, fleckenförmiger Zeichnung. Die kleineren Männchen hingegen schillern metallisch grünblau und haben eine schwarze Grundfarbe.
Die Art wurde 1906 im Osten Papua-Neuguineas, in der heutigen Oro Province (früher: Northern Province), nahe der Stadt Popondetta entdeckt. Da diese Schmetterlinge zur Nahrungssuche hoch über den Baumkronen fliegen, erlegte der Sammler Albert Stewart Meek das erste Exemplar mit einer Schrotflinte (2). Seine Sammlungsreise wurde vom wohlhabenden britischen Bankier und Zoologen Lionel Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild, finanziert. Ein Jahr später veröffentlichte Rothschild die Erstbeschreibung der Art und benannte sie nach der damaligen Königin Alexandra von England. Das erste Exemplar, an dem die Art beschrieben wurde, ein sogenanntes Typusexemplar, ist heute in den Sammlungen des Natural History Museums in London aufbewahrt.
Die Raupen dieser Schmetterlinge sind sehr spezialisiert und fressen nur drei Pfeifenwindenarten. Dabei sind die Pfeifenwinden nicht nur Nahrungsgrundlage für die Raupen, sondern zugleich auch ihr Gesundheitsschutz: Sie enthalten Giftstoffe, die die Eier und Raupen der Schmetterlinge vor parasitoiden Erzwespen schützen (2). Kaum verwunderlich, dass die Weibchen viel Zeit investieren, um eine geeignete Pflanze zur Eiablage auszusuchen. Die Raupen reichern die aufgenommenen Giftstoffe in ihrem Körper an und werden so selbst giftig. Davor warnen sie mit ihrer leuchtend roten und gelben Färbung. Das schreckt aber einige Fressfeinde wie Wespen, Ameisen, Baumratten, Beuteltiere, Kröten, Eidechsen und Vögel nicht ab. Haben sich die Raupen erst einmal zu Schmetterlingen umgewandelt, gibt es nur noch wenige Feinde für sie, so z.B. Eisvögel oder große Radnetzspinnen (3).
Der Königin-Alexandra-Vogelflügler ist in der Oro Province im Osten Papua-Neuguineas endemisch, d.h. er kommt ausschließlich dort vor. Das Gebiet, in dem ausgewachsene Schmetterlinge gesichtet wurden, umfasst gerade einmal 2800 km2 – das ist etwa doppelt so groß wie Stadt und Landkreis Karlsruhe zusammen. Nachgewiesen wurden sie an nur fünf Lokalitäten in diesem Gebiet. Vier davon in der relativ flachen Küstenregion rund um die Stadt Popondetta und eine etwas weiter südöstlich in der gebirgigen Afore-Region (2). Das Gebiet, in dem sich die Larven entwickeln, umfasst weniger als 140 km2. Bei einer Studie in den 1990er Jahren wurden in 50 Tagen nur 23 Larven im Verbreitungsgebiet entdeckt (3). Somit ist die Art extrem selten und wird von der IUCN (International Union for Conservation of Nature) als „gefährdet“ eingestuft.
Die Umsetzung eines effektiven Schutzes der Art durch Fangverbot, Lebensraumerhaltung und Zuchtprogrammen erweist sich in der komplexen politischen, kulturellen und ökologischen Umgebung Papua-Neuguineas allerdings als schwierig (4). Schon seit 1966 steht das Wappentier der Oro Province unter staatlichem Schutz und ist im Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens gelistet, d. h. der Handel mit Wildfängen ist untersagt. Jedoch ist der Schmetterling dadurch nicht ausreichend geschützt. Die dortige natürliche Vegetation und somit der Lebensraum der Schmetterlinge, der Regenwald, wird seit einigen Jahrzehnten durch Palmölplantagen, Holzeinschlag und Ackerbau zerstört. Durch die fortschreitende Rodung des Regenwaldes rund um Popondetta werden die Nahrungspflanzen der Raupen vernichtet und durch landwirtschaftliche Monokulturen ersetzt. Zwischen 1989 und 2013 erhöhte sich die Fläche der Palmölplantagen Papua-Neuguineas um rund 72% (4) – Wirtschaftswachstum ist die Devise, nicht Umweltschutz.
Wenn die Nahrungsgrundlage der Raupen fehlt, werden bald auch die größten Schmetterlinge der Welt aussterben. Es ist nicht abzusehen, wie viele Arten folgen werden. Der Königin-Alexandra-Vogelflügler gilt als „Schirmart“ (engl. umbrella species), deren Schutz indirekt zahlreiche andere Arten mitschützt. Leider ist der größte Tagfalter der Welt ein weiteres Beispiel für die Ausrottung von Arten durch menschliche Einflüsse und Zerstörung eines Ökosystems.

Quellen:
(1) Natural History Museum London, https://www.nhm.ac.uk/discover/butterflies-with-bullet-holes.html (21.06.2019)
(2) Parsons MJ (1992). The world’s largest butterfly endangered: the ecology, status and conservation of Ornithoptera alexandrae (Lepidoptera: Papilionidae). Tropical Lepidoptera, 3 (Suppl. 1): 33-60.
(3) IUCN Red List https://www.iucnredlist.org/species/15513/88565197 (21.06.2019)
(4) Mitchell, D.K., Dewhurst, C.F., Tennent, W.J., and Page, W.W. (2016). Queen Alexandra’s birdwing butterfly Ornithoptera alexandrae (Rothschild, 1907): a review and conservation proposals. Southdene, Kuala Lumpur, Malaysia.

Weiterführende Links:
International Union for Conservation of Nature’s Red List of Threatened Species (IUCN Red List; in English)
https://www.iucnredlist.org/species/15513/88565197

Typusexemplar (Originalpräparat, an dem Lord Walther Rothschild die Art beschrieb) im Natural History Museum London (in English)
https://www.nhm.ac.uk/discover/butterflies-with-bullet-holes.html

Bericht über Erhaltungszuchtprogramm (in English)
https://theecologist.org/2017/sep/27/survival-worlds-largest-butterfly-no-longer-dependent-wing-and-prayer

Swallowtail and Birdwing Butterfly Trust (in English)
https://www.sbbt.org.uk/conservation/queen-alexandras-birdwing/