Nachwuchs im Karlsruher Riff!

Hai-Babys im Museum: das Wichtigste in Kürze

Hai-Babys im Museum: das Wichtigste in Kürze

Nach etwa 14 Monaten Tragezeit (der genaue Zeitpunkt der Paarung ist nicht bekannt) kamen in unserem großen Riffbecken in der Nacht auf den 6. September 2026 vier gesunde Schwarzspitzenriffhaie zur Welt. Bei der Geburt waren die Jungtiere zwischen 50 und 57 cm groß. Vermutlich handelt es sich um zwei Männchen und zwei Weibchen.

Aktuell bieten wir den Babyhaien täglich Futter an (Garnelen, Seelachs, Sardellen, Kalmare etc.).

Legen Haie nicht Eier? Warum bekommen unsere Haie lebende Junge?

Legen Haie nicht Eier? Warum bekommen unsere Haie lebende Junge?

Bei Haien gibt es verschiedene Fortpflanzungswege: eierlegend, eilebendgebärend und lebendgebärend (Conrath & Musick 2012). Viele freischwimmende Haie, wie auch die Schwarzspitzenriffhaie, bringen lebende Jungen zur Welt, da Eier im Freiwasser ungeschützt wären (Conrath & Musick 2012). Die Jungtiere von lebendgebärenden Arten sind in den meisten Fällen größer und kräftiger, allerdings werden dafür weniger Junge geboren und die Tragzeit ist relativ lang. Die langsame Fortpflanzung und die geringe Anzahl an Jungtieren sind mit ein Grund dafür, dass viele Haiarten stark bedroht sind (Pacoureau et al. 2021).
 

Quellen:

  • Conrath, C. L. & Musick, J. A. (2012). Reproductive biology of elasmobranchs. In Biology of Sharks and Their Relatives Carrier (eds. Carrier, J.C., Musick, J.A., Heithaus, M.R.) 291–311, CRC Press, Boca Raton.
  • Pacoureau, N., Rigby, C.L., Kyne, P.M. et al. (2021). Half a century of global decline in oceanic sharks and rays. Nature 589, 567–571. https://doi.org/10.1038/s41586-020-03173-9

Wie läuft die Geburt der Haie in der Natur ab?

Wie läuft die Geburt der Haie in der Natur ab?

In der Natur schwimmen die Weibchen häufig in flachere Gewässer, um ihre Jungtiere zu bekommen (Mourier & Planes 2013). Die Jungen bleiben noch eine Weile in den flachen Gewässern (z. B. Mangrovenwälder oder Lagunen) und sind dort gut geschützt (Mourier & Planes 2013).
 

Quelle:

  • Mourier, J. & Planes, S. (2013). Direct genetic evidence for reproductive philopatry and associated fine-scale migrations in female blacktip reef sharks (Carcharhinus melanopterus) in French Polynesia. Molecular Ecology 22, 201–214. https://doi.org/10.1111/mec.12103

Warum sind unsere jungen Haie im Museum nicht zu sehen? Wird man sie irgendwann einmal sehen?

Warum sind unsere jungen Haie im Museum nicht zu sehen? Wird man sie irgendwann einmal sehen?

Da viele Haie durchaus kannibalistisch sein können (Chapman et al. 2013, Clua et al. 2014), war die Gefahr groß, dass die Jungtiere von ihren Eltern gefressen werden. Daher wurden sie schnellstmöglich aus dem Schaubecken entnommen und in ein großzügiges Reservebecken hinter den Kulissen gesetzt, wo sie in Sicherheit und Ruhe wachsen können. Im Schaubereich können wir die kleinen Haie daher leider nicht zeigen. Wir werden jedoch im Rahmen eines Kreativwettbewerbes (https://naturkundemuseum-karlsruhe.digital/de/mitgemacht/treffen-mit-dem-hai-nachwuchs) Spezialführungen zu den Jungtieren ermöglichen.
 

Quellen:

  • Chapman, D.D., Wintner, S.P., Abercrombie, D.L., et al. (2013). The behavioural and genetic mating system of the sand tiger shark, Carcharias taurus, an intrauterine cannibal. Biology Letters 9, 20130003. http://dx.doi.org/10.1098/rsbl.2013.0003
  • Clua, E., Galves, J.B., Werry, J.M. (2014). Insight into cumulative intra-guild and intra-specific depredation among sharks. Cybium 38, 311–313.

Warum sind Schwarzspitzenriffhaie in der Natur gefährdet?

Warum sind Schwarzspitzenriffhaie in der Natur gefährdet?

Schwarzspitzenriffhaie sind auf Korallenriffe angewiesen, die durch den Klimawandel und andere menschliche Einflüsse stark gefährdet sind (Simpfendorfer et al. 2020). Zudem sterben viele Schwarzspitzenriffhaie als Beifang in Stellnetzen von Fischern (Simpfendorfer et al. 2020). Als freischwimmende Haie müssen Schwarzspitzenriffhaie ständig in Bewegung bleiben, damit sie über die Kiemen genug Sauerstoff aufnehmen. Daher ersticken die Haie häufig, wenn sie sich in Netzen verfangen.

Darüber hinaus sind nicht nur Schwarzspitzenriffhaie gefährdet. Von ca. 550 Haiarten sind laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN knapp 40% bedroht (Dulvy et al. 2021). Damit sind Haie nach Amphibien die am stärksten bedrohte Wirbeltiergruppe (IPBES 2019). Seit 1970 ist z.B. die Häufigkeit der ozeanisch lebenden Haiarten um 70% gesunken, da die Gefährdung durch Überfischung mittlerweile extrem angestiegen ist (Pacoureau et al. 2021).
 

Quellen:

  • Simpfendorfer, C., Yuneni, R.R., Tanay, D., et al. (2020). Carcharhinus melanopterus. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T39375A58303674. dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T39375A58303674.en. Accessed on 05 September 2026.
  • Dulvy, N., Pacoureau, N., Rigby, C. et al. (2021). Overfishing drives over one-third of all sharks and rays toward a global extinction crisis. Current Biology 31, 4773–4787.e8.
  • IPBES (2019). Global assessment report on biodiversity and ecosystem services of the Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (eds. Brondizio, E.S., Settele, J., Díaz, S., Ngo, H.T.) 1148 pp. IPBES secretariat, Bonn, Germany. https://doi.org/10.5281/zenodo.3831673
  • Pacoureau, N., Rigby, C.L., Kyne, P.M. et al. (2021). Half a century of global decline in oceanic sharks and rays. Nature 589, 567–571. https://doi.org/10.1038/s41586-020-03173-9

Helfen die jungen Haie dem Artenschutz?

Helfen die jungen Haie dem Artenschutz?

Die vier jungen Haie werden perspektivisch Teil der Reservepopulation für Schwarzspitzenriffhaie, die im Rahmen eines EAZA Ex situ Programmes (EEP) koordiniert wird. Reservepopulationen können auf vielfältige Weise zum Artenschutz beitragen (siehe IUCN SSC 2014, 2023). Zum Beispiel

  • durch das Aufrechterhalten einer Versicherungspopulation, um das Aussterben der jeweiligen Art in der Natur zu verhindern bzw. um genetische Vielfalt zu erhalten
  • durch den Gewinn von wissenschaftlichen Erkenntnissen (z.B. zu Ernährung, Fortpflanzung etc.), die direkt dem Schutz der Art im Freiland helfen
  • als Basis für Aufklärungskampagnen, die gezielt auf Bedrohungen der Art oder ihres Lebensraums aufmerksam machen

als Quelle für Auswilderungen (wie z.B. bei Zebrahaien oder Kleingefleckten Katzenhaien), sofern in der Natur noch genug Lebensraum vorhanden ist bzw. akute Bedrohungen ausgeschlossen werden können.
 

Quellen:


Junge Schwarzspitzenriffhaie geboren

Die beiden Schwarzspitzenriffhaie Karla und Amadeus sind die Stars im großen Riffaquarium – nun sind sie Eltern geworden! Am 6.9.2026 brachte Karla nach ca. 14 monatiger Tragzeit vier lebende Junge zur Welt. Seit Amadeus im Februar des vergangenen Jahres ins Naturkundemuseum gekommen war, hatte man auf Nachwuchs gehofft – nun ist es gelungen.

Um zu verhindern, dass die jungen Haie ihren Eltern zum Opfer fallen, wurden sie schnellstmöglich aus dem Haibecken im Vivarium entnommen und in ein großzügiges Reservebecken im Keller des Vivariums gesetzt. Daher sind sie für das Publikum vorerst nicht zu sehen.

Die Nachzucht der Schwarzspitzenriffhaie ist ein großer Erfolg, besonders da diese Art in der Natur als bedroht gilt: Da die Tiere stark an Korallenriffe gebunden sind, wird ihren durch das Absterben der Korallen im Zuge des Klimawandels die Lebensgrundlage entzogen. Zudem sterben viele Schwarzspitzenriffhaie als Beifang in Stellnetzen, indem sie sich in den Maschen verfangen und dann ersticken.
Umso erfreulicher ist es, dass Karla und Amadeus sich nun fortgepflanzt haben. Eine Trächtigkeit war zwar vermutet worden, aufgrund des hohen Alters von Amadeus (22 Jahre) bestanden jedoch bis zuletzt Zweifel. Die jungen Haie sind nun Teil der Reservepopulation der Schwarzspitzenriffhaie und somit ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz.


Exklusives Treffen mit dem Hai-Nachwuchs zu gewinnen

Macht mit bei unserem Kreativwettbewerb und gewinnt eine exklusive Führung mit dem Leiter des Vivariums zu den vier jungen Haien hinter die Kulissen.

Wenn ihr also unsere jungen Haie kennenlernen wollt, dann legt euch ins Zeug und zeigt uns, wie ihr euch unsere Haie (oder einen von ihnen) vorstellt. Alle Kreativtechniken sind erlaubt: malen, kleben, schweißen, häkeln, bauen, backen, … Dann ein Bild eures Hais an uns schicken und fertig.

Ausgeschlossen werden Werke, die mithilfe eines KI-Agenten generiert wurden.

Einsendeschluss: Die Bilder eurer Werke könnt ihr bis zum 31.10.2026 per Mail an mitgemacht@smnk.de schicken. Bitte vergesst nicht, euer Alter in der Mail anzugeben.

In folgenden Kategorien wählen wir die Gewinnerinnen und Gewinner aus:

  • Alter bis 7 Jahre
  • 8–14 Jahre
  • 15–18 Jahre
  • Erwachsene

Wir freuen uns auf viele kreative Einsendungen zum Thema Hai!

Alle Infos und Teilnahmebedingungen findet ihr hier.