Carolinea 77

98 Carolinea 77 (2019) gant sechs Raupen im dritten bis fünften Stadi- um (Abb. 3) gefunden werden (Tab. 2). Die Suche wurde dadurch erleichtert, dass sich die Raupen in einer Assoziation mit Ameisen befanden. Die jahreszeitlich unterschiedliche Nutzung von zwei Eiablagepflanzen in Abhängigkeit von der Entwicklung der Blütenstände konnte durch Funde von Eiern und Raupen an einer Lokali- tät im selben Jahr eindeutig belegt werden. Die Blüten stellen die Hauptnahrung für die Raupen dar, auch wenn die Eier am Süßen Tragant häu- fig an die sich zusammen mit den Blüten entwi- ckelnden Blätter abgelegt werden. Während am 22.5.2018 bereits kleine Raupen an blühenden Esparsetten gefunden wurden, erfolgten an der- selben Lokalität noch zahlreiche Eiablagen in die sich entwickelnden Blätter und Blütenstände des Süßen Tragants. Zwei Wochen später (5.6.2018) wurden dann die fast erwachsenen Raupen an Süßem Tragant beobachtet, wohingegen die Es- parsette weitgehend verblüht war und sich die zuvor daran befindlichen Raupen wahrscheinlich verpuppt hatten. Diese Anpassung gewährleis­ tet, dass die Raupen genügend Nahrung zur Vollendung ihrer Entwicklung vorfinden. Würde das Ei in eine bereits zu weit entwickelte Blüte gelegt, so hätte die Raupe kaum Überlebens­ chancen, da die Blüte später längst vertrocknet wäre. Daraus ergibt sich, dass spät fliegende Weibchen von G. alexis in der Jagst-Kocher-Re- gion nur noch an Süßem Tragant ihre Eier able- gen und nicht mehr an Esparsette. Auch E bert & R ennwald (1991) erwähnen die Möglichkeit einer jahreszeitlich unterschiedlichen Nutzung von Ei- ablagepflanzen. Für das Untersuchungsgebiet ergeben sich aus den Beobachtungen regionale Besonderheiten für G. alexis bei der Wahl der Wirtspflanzen. Es werden insbesondere Saat-Esparsette und Sü- ßer Tragant von den Raupen als Nahrungsquelle genutzt. An einer Lokalität deutete der Aufent- haltsort einiger Falter auf die Dünnblättrige Wi- cke ( Vicia tenuifolia ) als Eiablagepflanze hin. Die Larvalentwicklung an Vogelwicken ( Vicia cracca agg.) wurde auch andernorts in Süddeutschland gemeldet ( E ller et al. 2007 , R eiser 2013, S ane ­ tra et al. 2015). Im Gegensatz zu den Kocher- Jagst-Ebenen sind im Tauberland fünf verschie- dene Schmetterlingsblütler als Nahrungspflanzen von G. alexis dokumentiert worden, wobei neben dem Süßen Tragant der Färberginster ( Genista tinctoria ) die wichtigste Rolle spielt ( S anetra et al. 2015). Diese Pflanzenart kommt im Bereich der Kocher-Jagst-Ebenen kaum vor, während umgekehrt die Saat-Esparsette im Tauberland wesentlich seltener ist und dort als Wirtspflanze eine untergeordnete Rolle spielt. Die westliche Verbreitungsgrenze von G. alexis an der Jagst (Abb. 2) lässt vermuten, dass der Bunten Kronwi- cke ( Securigera varia ) zumindest keine tragende Rolle als Nahrungspflanze zukommen kann. Die­ se Pflanze ist westlich des Areals von G. alexis an vielen Stellen häufig, während Süßer Tragant sehr vereinzelt auftritt und Saat-Esparsette nicht festgestellt wurde. Tabelle 2. Raupenfunde und begleitende Ameisenarten bei Glaucopsyche alexis im Naturraum Kocher-Jagst-Ebe- nen. Lokalität Wirtspflanze Ameisenassoziation Anzahl, Stadium Datum östlich Sindeldorf: Berg A. glycyphyllos Lasius alienus 1 Raupe L 3-4 27.06.2017 östlich Ailringen: Geißberg O. viciifolia Lasius alienus 3 Raupen L 2-3 22.05.2018 östlich Ailringen: Geißberg A. glycyphyllos Lasius alienus 5 Raupen L 4-5 05.06.2018 Abbildung 3. Erwachsene Raupe von Glaucopsyche alexis mit Ameisengarde ( Lasius alienus ) an Blü­ tenstand von Astragalus glycyphyllos ; Geißberg bei Ailringen; 5.6.2018. – Foto: M atthias S anetra .

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1Mjc=