Carolinea 77
Carolinea 77 (2019): 185-188, 4 Abb.; Karlsruhe, 16.12.2019 185 Wiederauffinden von Eublemma minutata (F abricius 1794) im Naturschutzgebiet Pflege Schönau bei Sandhausen nach zehn Jahren (Lepidoptera: Noctuidae) P eter W eiser & J utta B astian Kurzfassung Im Sommer 2016 konnte Eublemma minutata, nach- dem diese Art über zehn Jahre vermisst war, wieder im NSG Pflege Schönau nachgewiesen werden. Dieser unerwartete Fund wirft eine Reihe von Fragen zur wei- teren Erforschung auf. Abstract Retrieval of Eublemma minutata ( F abricius 1794) in nature protection area “Pflege Schönau“ after 10 years of absence (Lepidoptera: Noctuidae) In summer 2016, Eublemma minutata was found again in nature protection area „Pflege Schönau“ after more than 10 years of absence. This unexpected finding trig- gers a couple of questions which deserve further in- vestigation. Résumé Rédecouverte d’ Eublemma minutata ( F abricius 1794) dans la réserve naturelle de Pflege Schönau près de Sandhausen après dix ans (Lepidoptera: Noctuidae) À l’été 2016, Eublemma minutata a de nouveau été détecté dans la zone de protection de la nature „Pfle- ge Schönau“ après plus de dix ans d’absence. Cette découverte inattendue soulève un certain nombre de questions pour une exploration plus approfondie. Das Sandstrohblumeneulchen ( Eublemma mi nutata F abricius 1794) steht in Deutschland als stark gefährdet in den Roten Listen, in Baden- Württemberg sogar als „vom Aussterben be- droht“ ( E bert et al. 2005). Das hängt vor allem mit der starken Abhängigkeit dieses Nachtfalters von der Nahrungspflanze der Raupen, der Sand- strohblume ( Helichrysum arenarium ) zusammen ( S ebald et al. 1996), deren Bestände deutsch- landweit im Rückzug begriffen sind. Auch der er- wachsene Nachtfalter hält sich gerne in der Nähe der Sandstrohblume auf und legt wohl nur kurze Strecken fliegend zurück. Raupen findet man in der Regel im Mai und Juni. Nur selten gelingen frühere Raupenfunde: 2 mm große Jungraupen- funde konnte J. B astian am 28. April 1996 auf der Pflege Schönau nachweisen. Die Imagines flie- gen nach E bert (1997) im Juli und August, nach neueren Beobachtungen der Verfasser ab 2010 von Mitte Juni bis Mitte August, spätere Funde sind extrem selten. Die Nahrungspflanze blüht von Juli bis Oktober. Die Rosetten sind bereits früh im Jahr vorhanden. In der Monographie über die Sandhausener Dünen ( B astian 1994) wird das Vorkommen auf der Pflege Schönau als stabil beschrieben. Tat- sächlich wurden auf der Pflege Schönau aber ab 2005 keine Raupen oder Imagines mehr nach- gewiesen ( B astian 2005, B lum 2017). Damals fiel ein letzter größerer Bestand der Sandstrohblume auf der Pflege Schönau dem Kaninchenfraß zum Opfer. Zurzeit sind den Verfassern auf der Pflege Schö- nau ca. fünf größere Pflanzenbestände der Sandstrohblume bekannt. Im Juli 2016 konnte von P. W eiser an einem großen Polykorm mehr- fach der erwachsene Falter beobachtet werden: am 16. und 19. Juli je ein Exemplar (Abb.1 u. 2), am 25. Juli zwei Exemplare. Die Kontrolle der anderen Wuchsorte der Sandstrohblume ergab keinen Hinweis auf Eublemma minutata . Allgemein wird angenommen, dass das Sand- strohblumeneulchen nicht besonders ausbrei- tungsfähig ist und fliegend keine größeren Distanzen zum nächsten Standort der Nah- rungspflanze überwinden kann. Der nächste Sandstrohblumenbestand findet sich in rund 400 Meter Luftlinie entfernt, auf einer durch inten- siven Publikumsverkehr stark eutrophierten of- fenen Sandfläche im Bereich Galgenbuckel. Die se offene Sandfläche ist komplett von dichtem Kiefernforst umgeben. Dort wurde von den Ver- fassern jedoch bisher noch nie das Sandstroh- blumeneulchen nachgewiesen. Weitere Pflan- zenbestände gibt es auf der Düne Pferdstrieb in einer Entfernung von mindestens zwei Kilome- tern Luftlinie. Diese Vorkommen sind allerdings durch den Ort Sandhausen sowie durch den
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