Carolinea 77
Wissenschaftliche Mitteilung 187 neue Bestände in der Nähe seiner Vorkommen: Die Bestände der Sandstrohblume auf dem ab- gezäunten Teil (Nord) der Pferdstriebdüne sind nur ca. 200-250 m Luftlinie entfernt – es gibt kei- ne größeren Hindernisse zwischen den beiden Standorten. Interessant ist, dass die beiden neu- en Polykorme auf der Pflege Schönau und dem Pferdstrieb Süd zur Flugzeit des Falters teilweise mehrere Stunden täglich beschattet werden, an- ders, als es von J. B astian in E bert (1997, Seite 573) für das typische Habitat beschrieben wurde. Imagines konnten von Juni bis August beobach- tet werden (Tab.1). Der Bestand auf der Pflege Schönau hat sich also gut entwickelt. Das Wiederauffinden nach einem Zeitraum von zehn Jahren, wenn auch mit bislang sehr weni- gen Individuen, wirft eine Reihe von Fragen auf: Wurden die Falter wegen der geringen Indivi- duen-Zahl einfach nur übersehen? Wie klein darf eine Population werden, ehe eine Art endgültig ausstirbt und sich nicht mehr erholen kann? Gibt es bisher unbekannte Strategien, um ungünstige Umweltbedingungen oder das Fehlen der Nah- rungspflanze zu überbrücken? Gibt es bislang unbekannte Ausbreitungsmechanismen? Wur- den eventuell Raupen oder Falter ausgesetzt? Kann man die Populationen des Sandstrohblu- meneulchens durch Vernetzen der Standorte der Sandstrohblume stärken und dadurch den gene- tischen Austausch fördern? Grundsätzlich kann nicht ausgeschlossen wer- den, dass neue Wuchsorte der Sandstrohblume durch Ansalbung entstanden sind. Nachfragen bei den Naturschutzbehörden und Pflegebe- auftragten ergaben jedoch, dass keine aktiven Ansiedlungsprogramme stattfanden und das Po- lykorm auf der Pflege Schönau als autochthon gilt. Damit wird es unwahrscheinlich, dass mit Saatgut von anderen Standorten zufällig auch Eier des Sandstrohblumeneulchens transferiert wurden. Auch eine Impfung des Standortes mit andernorts gefangenen Faltern ist unwahr- scheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen. Schließlich gab es auf den Sandrasen um Sand- hausen zwischen 2005 und 2012 auch unregel- mäßige Beweidungsversuche, die ebenfalls bei einer Wiederansiedlung eine Rolle gespielt ha- ben könnten. Tatsächlich können kleinere Stand- orte der Sandstrohblume, die durchaus noch mit dem Schmetterling besetzt sind, leicht übersehen werden. Der Befund, dass die nahegelegene Flä- che am Galgenbuckel zwar die Sandstrohblume beherbergt, nicht aber E. minutata , spricht gegen eine Ausbreitung des Sandstrohblumeneulchens über höhere Barrieren hinweg. Falls E. minuta ta wirklich auch mit sehr kleinen Populationen überleben kann, würden molekularbiologische Untersuchungen wahrscheinlich eine geringe genetische Variabilität zeigen. Inzwischen gibt es Möglichkeiten, dies kostengünstig und ohne Tötung von Individuen (ein Bein reicht) zum Mo- nitoring durchzuführen ( S chmid 2015). E. minu tata würde sich in diesem Zusammenhang als Modellspezies für eine biologische Master- oder Doktorarbeit anbieten. Die Entwicklungsbiologie von E. minutata ist auch noch nicht zufriedenstel- lend untersucht (z.B. Überwinterung als Ei?). Im Rahmen des NABU-Projektes „Lebensader Oberrhein“ wurden unter anderem neue Sand rasenstandorte geschaffen, und mit dem ge- planten Entwicklungs-Naturschutzgebiet „Düne am Brühlweg“ südlich von Sandhausen sollen weitere Flächen entstehen, die für die Ansied- Tabelle 1. Anzahl der beobachteten Individuen. 2017 Juli August 2. 7. 8. 9. 13. 15. 21. 22. 23. 6. 13. Pflege Schönau 1 3 2 1 5 . 2 3 . 1 . Auf dem Pferdstrieb Süd 1 . 6 . . 6 . . 1 . 4 2018 Juni Juli 18. 25. 29. 30. 7. 8. 12. 20. Pflege Schönau 1* 5 . 3 3 . 2 1 Auf dem Pferdstrieb Nord . . 9 3 1 2 . . 2019 Juli 6. 8. 9. 10. Pflege Schönau . . 12** . Auf dem Pferdstrieb Nord 2 9 . 11 Auf dem Pferdstrieb Süd . 6 . . ** K. R ennwald , telefonische Mitteilung ** davon allein 10 am Standort des Wiederfunds
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