Carolinea 77

Carolinea 77 (2019): 189-200, 5 Abb.; Karlsruhe, 16.12.2019 189 Naturschutzgebiet „Brühlwegdüne“ – das erste Entwicklungs-Naturschutzgebiet Baden-Württembergs J ost A rmbruster , S tefan L azik & H ubert N eugebauer Kurzfassung Das Regierungspräsidium Karlsruhe führt aktuell die Ausweisung des ersten Entwicklungs-Naturschutzge- bietes in Baden-Württemberg durch – der „Brühlweg- düne“. Die Besonderheit eines solchen Naturschutz- gebietes liegt darin begründet, dass die Fläche zum Zeitpunkt der Ausweisung die Kriterien Schutzbedürf- tigkeit, Vielfalt, Einzigartigkeit und Repräsentanz noch nicht erfüllt. Die Schutzwürdigkeit ist aber gegeben, weil die Düne die standörtlichen Voraussetzungen für das Vorkommen von hochwertigen und schutzwür- digen Lebensraumtypen mit bedrohten und gefähr- deten Arten bietet und mit hoher Wahrscheinlichkeit mit deren Entwicklung zu rechnen ist. Auf einer Gesamtfläche von 32 ha bei Sandhausen stellt die Naturschutzverwaltung in den nächsten Jahr- zehnten jeweils 15 ha große Flächen mit Sandrasen sowie mit Wintergrün-Kiefern-Wäldern und Weißmoos- Kiefern-Wäldern her. Hierzu wird der dichte Kiefernwald hektarweise aufgelichtet und die freigestellten Flächen anschließend zu den hochwertigen Lebensräumen entwickelt (u.a. mit Beweidung). Die Entwicklung erfolgt phasenweise, damit Erkenntnisse aus der Umsetzung bei der nächsten Phase Berücksichtigung finden kön- nen. Die Ausweisung des Naturschutzgebietes und die anschließende Entwicklung sind Teil eines Alterna- tivkonzeptes, das anstelle des ursprünglich planfest- gestellten Rückbaus der Landesstraße L 600 durch- geführt wird und vertraglich zwischen der Gemeinde Sandhausen und dem Land Baden-Württemberg fixiert wurde. Die Kosten für die Umsetzung des Konzeptes werden aus Mitteln der Straßenbauverwaltung, der Ge- meinde Sandhausen und des Landes getragen. Abstract The Regierungspräsidium Karlsruhe is currently carry- ing out the declaration of the first development nature conservation (NSG) area in the government district – the “dune of Brühlweg”. The specialty of this devel- opment nature conservation area is that presently the criteria for the declaration are not yet met: necessity for conservation, diversity, uniqueness and representa- tion. Nevertheless, the area is worthy for conservation since the dune provides site conditions for the occur- rence of highly valuable habitat types with endangered species and it is highly likely that the development will take place. The administration for nature conservation will create sand grasslands and Steppe Pine Forests on areas of 15 ha each. In order to do this dense Pine Forest near the community of Sandhausen will be cleared and on the cleared sites highly valuable habitats will be developed (i.a. by grazing) with a total of the con- servation area of 32 ha. The development will be car- ried out in phases in order to consider findings in one phase for the next phase. The declaration of the nature conservation area and the adjacent development are parts of an alternative concept that will be carried out instead of the previously officially approved removal of the street L 600. This was fixed in a contract between the community of Sandhausen and the State of Baden- Wurttemberg. The costs for the implementation will derive from funds of the road construction authorities, the community of Sandhausen and the State of Baden- Wuerttemberg. Autoren Dr. J ost A rmbruster , Regierungspräsidium Karlsruhe, Ref. 56 – Naturschutz und Landschaftspflege, D-76247 Karlsruhe, Tel. +49 721/926-4300 ; E-Mail: jost.armbruster@rpk.bwl.de S tefan L azik , Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg, Ref. 53 – IT-Recht, Vergabewesen, Verwaltungsstruktur, Willy-Brandt- Straße 41, 70173 Stuttgart, Tel. +49 711/231-35 34; E-Mail: stefan.lazik@im.bwl.de Dr. H ubert N eugebauer , SPANG. FISCHER. NATZSCHKA. GmbH, Landschaftsarchitekten Biologen Geographen, In den Weinäckern 16, D-69168 Wiesloch, Tel. +49 6222/97178-15 ; E-Mail: h.neugebauer@sfn-planer.de 1 Gebietsbeschreibung Lage, Geologie, Pedologie, Hydrologie, Klima Der Bereich der „Brühlwegdüne“ liegt vollstän- dig auf Gemarkung der Gemeinde Sandhausen, die dem Rhein-Neckar-Kreis im Regierungsbe- zirk Karlsruhe angehört. Naturräumlich gehört das geplante Naturschutzgebiet nach M eynen & S chmithüsen (1953-1962) zum Nördlichen Ober­ rhein-Tiefland und ist hier dem Naturraum „Hardt- ebenen“ zuzuordnen. Der nördliche Teil des Dünenzugs ist als Naturschutzgebiet „Sandhau- sener Düne Pferdstrieb“ ausgewiesen, die „Brühl- wegdüne“ ist der südliche Teil der Düne (Abb. 1).

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