Carolinea 77

190 Carolinea 77 (2019) Kennzeichnend für den Naturraum sind ausge- dehnte, sandige bis kiesige Schotterflächen mit größtenteils nährstoffarmen, wasserdurchläs- sigen Böden (LUBW 2010). Die geomorphologischen und bodenkundlichen Gegebenheiten sind durch die eiszeitliche Ent- stehungsgeschichte der Binnendünen und Flug- sanddecken des rechtsrheinischen Oberrhein- gebietes geprägt, denen in Baden-Württemberg als naturräumliche Besonderheit eine landesweit herausragende Bedeutung zukommt. Die Flugsandflächen entstanden in einer kurzen Kaltphase am Ende der letzten Eiszeit (Würm) vor rund 10.000 bis 11.000 Jahren. Die in der da- maligen Rheinaue lagernden Sande wurden vom Wind ausgeweht und auf der rechtsrheinischen Niederterrasse abgelagert. An manchen Stellen, wie hier im Naturschutzgebiet, wurde der Flug- sand zu mehreren Metern hohen Binnendünen aufgeweht. Die an der Oberfläche durch Prozesse der Bo- denbildung weitgehend entkalkten Sande lagern im Bereich Sandhausen über tonig-schluffigem Auemergel und Rheinkies (Geologisches Lan- desamt Baden-Württemberg 1986). Die Entkal- kungstiefe schwankt kleinräumig sehr stark und liegt in der Regel zwischen 0,5 und 2,5 m ( B reu ­ nig & K önig 1989). Stellenweise gelangten kalk- haltige Sande durch anthropogene Umlagerung wieder an die Oberfläche ( L öscher 1994). Neben der Entkalkung fanden bei länger ru- henden Böden Verlehmung und Verbraunung statt. Unter Waldbedeckung entstanden teils podsolige Braunerden mit humosem Oberboden und einer Auflage aus Moder oder mullartigem Moder. Dieser Bodentyp stellt auch im Bereich der „Brühlwegdüne“ einen erheblichen Teil der aktuell vorhandenen Böden. Im südlichen Be- reich des geplanten Naturschutzgebietes über- wiegen dagegen Pararendzinen aus würmzeit- lichem Flugsand (LGRB 2012), die auf jüngere Umlagerungen und Störungen der natürlichen Bodenentwicklung hinweisen. Die im Untergrund lagernden Rheinschotter be- herbergen als sogenannte Porengrundwasserlei- ter mächtige Grundwasservorkommen, die eine große Bedeutung für die landesweite Trinkwas- serversorgung besitzen. Natürliche Oberflächen- gewässer sind wegen der Durchlässigkeit der vorherrschenden Böden, bis auf einzelne Fließ- gewässer, nicht vorhanden. Klimatisch liegen die Hardtplatten im Klimabe- zirk Nördliches Oberrhein-Tiefland. Das Gebiet ist seit jeher durch seine hohe Klimagunst mit Jahresdurchschnittstemperaturen über 9 °C, ge­ ringen Jahresniederschlägen von ca. 650 bis 700 mm und einer lang andauernden Vegeta- tionsperiode geprägt (Deutscher Wetterdienst 1953). Nach den aktuellen Angaben im Klima­ atlas Baden-Württemberg (LUBW 2015) liegen die Lufttemperaturen im Jahresdurchschnitt der Jahre 1971-2000 sogar bei deutlich über 10 °C. Die potenzielle natürliche Vegetation im Bereich der trockenen Flugsande ist der Buchen-Eichen- Wald ( P hilippi 1972). Auf den sehr trockenen Dü- nenkuppen, den Süd- und Westseiten der Dünen oder am Hochgestade ist eine natürliche Beimi- schung von Wald-Kiefer ( Pinus sylvestris ) oder auch kleinflächig Kiefern-Wald denkbar ( B reunig & D emuth 1999a). Abgrenzung, Größe und Schutzstatus Die Abgrenzung des Naturschutzgebietes „Brühlwegdüne“ entspricht dem Vorschlag der Schutzgebietskonzeption „Hardtplatten“ ( B reunig & D emuth 1999a). Abbildung 1.Dreidimen- sionale Darstellung des Naturschutzgebietes. Deutlich zu erkennen ist der Verlauf des Dü- nenzuges „Brühlweg- düne“ (grüne Linie). Die roten Linien geben die Grenzen der benach- barten Naturschutzge- biete „Sandhausener Düne Pferdstrieb“ und „Zugmantel-Bandholz“ wieder.

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