Carolinea 77
192 Carolinea 77 (2019) de auf kleinräumig wechselnde Standortver- hältnisse innerhalb des Dünenzuges hin. Auf der westlichen, flachen Dünenflanke bilden die forstlich eingebrachten Laubbäume einen dich- ten und teilweise bis in die erste Baumschicht reichenden Unterstand. In Richtung des am östlichen Dünenrand liegenden Dünenrückens nehmen lichtere Waldstrukturen merklich zu. Die Ursache ist im Ausbleiben der Begleitbaumarten auf den mit ansteigendem Gelände zunehmend trockener werdenden Standorten der Düne zu sehen. Im Bereich des Dünenkamms ist daher an vielen Stellen nur noch die Kiefer als konkur- renzstarke Baumart vertreten. Im Unterstand und an lichten Stellen machen sich hier vor allem aufkommende Brombeere ( Rubus fruticosus ) und raschwüchsige Sträucher bemerkbar. Sie verhindern das Aufkommen seltener Pflanzen- arten der Sandbiotope in der Krautschicht. Sonnenexponierte Offenlandflächen sind nur sehr kleinflächig entlang des Dünenzugs aus- gebildet. Im Datenblatt zur Waldbiotopkartierung und bei B reunig & K önig (1989) erwähnte Lich- tungen mit seltenen Pflanzenarten sind im Zuge der Entwicklung der Baum- und Strauchschicht und der damit verbundenen Ausdunkelung ver- schwunden. Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richt- linie (LUBW 2013a) kommen derzeit auf dem Dü- nenzug nicht vor. Fauna Aufgrund des vergleichsweise geringen Alters der Waldbestände ist das Alt- und Totholzange- bot auf dem Dünenzug nur schwach ausgeprägt. Einzelne Habitatbäume sind gleichmäßig über den gesamten Dünenzug verteilt. Hinweise auf eine Besiedlung von Bäumen durch besonders geschützte Holzkäfer liegen für das Gebiet aus Zeiten vor der Schutzgebietsausweisung nicht vor. Insgesamt hat der Dünenzug nur eine ver- gleichsweise geringe Brutvogeldichte. Der nach- gewiesene Brutbestand besteht vorwiegend aus weitverbreiteten Vogelarten der Wälder und son- stiger gehölzreicher Landschaften. Brutvorkom- men seltener Vogelarten des Offenlandes und lichter Kiefernwälder sind im Naturschutzgebiet nicht vorhanden. Insgesamt wurde mit (mindestens) sechs Ar- ten ein durchschnittlicher Artenbestand an Fle- dermäusen nachgewiesen. Das Arteninventar besteht vorwiegend aus Fledermausarten, die ein Mosaik aus Waldflächen, gehölzreichem Of- fenland und angrenzenden Siedlungsstrukturen als Lebensräume bevorzugen. Die Ergebnisse der Bestandserfassung liefern keinen Hinweis auf das Vorhandensein von Wochenstuben oder sonstigen bedeutenden Fledermausquartieren innerhalb des Naturschutzgebietes. Vielmehr ist auf Grundlage der vorliegenden Beobachtungen davon auszugehen, dass die Waldflächen für die nachgewiesenen Fledermausarten ausschließ- lich als Bestandteil ihres Jagdgebietes fungieren. 3 Entwicklungsmaßnahmen Übergeordnetes Ziel des Entwicklungs-Natur- schutzgebietes ist die Entwicklung und langfri- stige Sicherung lichter, mit Sandrasen und Sand- heiden durchsetzter Steppen-Kiefern-Wälder im Naturschutzgebiet. Im Zuge der Gebietsentwicklung werden suk- zessiv Sandrasenflächen und lichte Steppen- Kiefern-Wälder unter Erhalt von Habitatbäumen zu annähernd gleichen Anteilen hergestellt und dauerhaft erhalten. Zur Entwicklung von Sandrasenflächen werden jeweils jährlich maximal 1 Hektar große Flächen gerodet. Die Wurzelstöcke werden herausgezo- gen. Damit keine Nährstoffe freigesetzt werden, dürfen die Wurzelstöcke nicht gefräst werden. Zur Herstellung nährstoffarmer Bodenverhält- nisse wird der humusreiche Oberboden mit einer Mächtigkeit von 10 -30 cm entfernt. Für die Herstellung von lichtem Steppen-Kiefern- wald werden auf maximal 1 Hektar großen Flä- chen Einzelstämme entnommen und Restholz beseitigt. Dabei wird eine Mindestbestockung von 40 % beibehalten. Die Streuschicht wird möglichst vollständig beseitigt. Zur Entwicklung von Sandheiden werden punk- tuell Äste und sonstiger Aufwuchs mitsamt Wur- zelwerk abgeräumt, die Flächen angeraut und mit Mahdgut von benachbarten Sandheiden der Region beimpft. Für die vollständigeEntwicklung desNaturschutz gebietes ist ein Gesamtzeitraum von ca. 20 bis 25 Jahren veranschlagt. Die Entwicklung der lichten Steppen-Kiefernwäl- der erfolgt in zwei zehnjährigen Phasen, in der jeweils 7,5 ha große Flächen entwickelt werden. Bei der Entwicklung von Sandrasen wurde die erste Phase in zwei fünfjährige Phasen unterteilt. In der ersten fünfjährigen Testphase werden ins- gesamt 2,8 ha Sandrasen mit unterschiedlichen Bodenverhältnissen (kalkreich, kalkarm, flach- gründig, tiefgründig) realisiert. Unter Berücksich- tigung der Erkenntnisse und praktischen Erfah- rungen bei der Maßnahmenumsetzung folgt in
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