Carolinea 77

A rmbruster et al.: Erstes Entwicklungs-Naturschutzgebiet „Brühlwegdüne“ 193 den weiteren 5 Jahren die Anlage von weiteren 4,7 ha Sandrasen und in den darauffolgenden zehn Jahren weitere 7,5 ha. Im geplanten Endzustand sollen jeweils 15 ha Sandrasen und lichte Steppen-Kiefernwälder mit punktuellem Vorkommen von Sandheide auf dem Dünenzug vorhanden sein. Die aufgelichte- ten bzw. ausgestockten Flächen werden durch Landschaftspflege (insbesondere Beweidung und ggf. durch manuelle Pflege) offen gehalten. 4 Flora der Zielbiotope Bei den Lebensräumen ist in Abhängigkeit von der Bodenbeschaffenheit, insbesondere von ih- rem Kalkgehalt, von der Ausbildung kleinräumig unterschiedlicher Biotoptypen auszugehen. Das Ziel der Entwicklungsmaßnahmen ist es, auf kalkhaltigen, basenreichen Flächen Wintergrün- Kiefern-Wälder zu entwickeln. Wintergrün-Kie- fern-Wälder kommen in Baden-Württemberg nur als kleinflächige Reliktvorkommen auf trockenen Extremstandorten vor. Natürliche und naturnahe Bestände dieses Waldbiotoptyps entsprechen dem seltenen FFH-Lebensraumtyp 91U0 „Kie- fernwälder der sarmatischen Steppe“ (LUBW 2013a, b). Diese auf nährstoffarmem Flugsand stockenden Kiefern-Wälder sind in Baden-Würt­ temberg vom Aussterben bedroht. Fragmenta- rische Bestände des landesweit ausgesprochen seltenen Waldtyps sind aktuell im NSG „Düne Pferdstrieb“ sowie im NSG „Pflege Schönau- Galgenbuckel“ vorhanden (Regierungspräsidium Karlsruhe 2009). Neben der vorherrschenden Wald-Kiefer ( Pinus sylvestris ) können Rot-Buche ( Fagus sylvatica ) und Trauben-Eiche ( Quercus petraea ) am Aufbau der Baum- und Strauch- schicht beteiligt sein. Kennzeichnend ist vor allem ein sehr lichter, lückiger Baumbestand, der eine starke Besonnung des Bodens und damit der Krautschicht ermöglicht. Als naturraumtypische und durchweg seltene und im Bestand gefähr- dete Vertreter der landesweiten Zielarten dieser Waldgesellschaft gelten Winterlieb ( Chimaphila umbellata ), Sand-Veilchen ( Viola rupestris ), Hei- de-Segge ( Carex ericetorum ), Grünblütiges Win- tergrün ( Pyrola chlorantha ) und Kreuz-Enzian ( Gentiana cruciata ). Auf entkalkten, basenarmen Standorten des Dü- nenzugs werden vorwiegend Weißmoos-Kiefern- Wälder entwickelt. Aufgrund der ebenfalls sehr lichten Bestandsstruktur werden diese in ihrem Erscheinungsbild den vorgenannten Wintergrün- Kiefernwälder ähneln. Unterschiede werden sich aber in der Krautschicht durch das Fehlen kalkliebender Pflanzenarten einstellen. Typisch für diesen Waldtyp sind ausgedehnte Moos- decken, die unter anderem von dem namens- gebenden Weißmoos ( Leucobryum glaucum ) gebildet werden. In der Krautschicht treten zu- dem häufig säureertragende Grasarten, wie die Draht-Schmiele ( Deschampsia flexuosa ) oder das Gewöhnliche Ruchgras ( Anthoxantum odo­ ratum ) hervor. Nach P hilippi (1970) gehören ferner Heidekraut ( Calluna vulgaris ) und Besen- Ginster ( Cytisus scoparius ) in der Strauch- und Krautschicht zu den regelmäßig auftretenden Arten der Weißmoos-Kiefern-Wälder. Aufgrund der angestrebten, sehr lichten Bestandsstruktur werden auch die geplanten Kiefern-Wälder der entkalkten Sande teilweise von Pflanzen besie- delt werden, die zu den charakteristischen Offen- landarten der angrenzenden Sandrasen gehören. Der Kalkgehalt des Bodens wird auch bei der Entwicklung von unterschiedlichen Biotoptypen bei den Sandrasen maßgeblich sein. Auf kalkreichen, basenreichen aber nährstoff- armen Sandflächen werden Blauschillergrasra- sen kalkhaltiger Sande (LUBW 2013c) entwickelt. Zu den Charakterarten dieses Vegetationstyps zählen die landesweit vom Aussterben bedrohten Sand-Silberscharte ( Jurinea cyanoides ) (Abb. 3) und Sand-Radmelde ( Bassia laniflora ) ( B reunig & D emuth 1999b). Eine charakteristische Pflan- zenart kalkhaltiger Sandrasen bildet auch die in der Roten Liste Baden-Württembergs ( B reunig & D emuth 1999b) als stark gefährdet eingestufte Steppen-Wolfsmilch ( Euphorbia seguieriana ). Weitere Kennarten sind unter anderem das Blau- Abbildung 3. Sand-Silberscharte mit Efeu-Seidenbie- ne. – Foto: P eter W eiser .

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