Carolinea 77

194 Carolinea 77 (2019) grüne Schillergras ( Koeleria glauca ), die Sand- Strohblume ( Helichrysum arenarium ), Dünen- Steinkraut ( Alyssum montanum subsp. gmelinii ), Kegelfrüchtiges Leimkraut ( Silene conica ) und Sand-Thymian ( Thymus serpyllum ). Als charakteristische, seltene Pflanzengesell- schaften der entkalkten Binnendünen werden sich auf kalkfreien Standorten vor allem silber- grasreiche Sandrasen entwickeln. Dieser in Ba- den-Württemberg stark gefährdete Sandrasen- Biotoptyp ist dem FFH-Lebensraumtyp 2330 „Dünen mit offenen Grasflächen“ (LUBW 2013a) zuzuordnen. Neben Silbergras ( Corynephorus canescens ) als namensgebender Kennart sind unter anderem Schmielenhafer- und Feder- schwingel-Arten ( Aira spp., Vulpia spp.) und die Mäusewicke ( Ornithopus perpusillus ) weitere kennzeichnende Pflanzenarten dieses Biotop­ typs. Die Silbergrasfluren gehören zu den frühen Pioniergesellschaften offener Sandflächen und sind zur Verjüngung ihrer meist lückigen Bestän- de auf gelegentliche Bodenverwundungen ange- wiesen. 5 Fauna der Zielbiotope Die besonderen Standortbedingungen der Bin- nendünen und Flugsanddecken werden vielen seltenen Tierarten geeignete Lebensräume bie- ten. Es ist davon auszugehen, dass die neu geschaf- fenen Biotope im Naturschutzgebiet schnell von entsprechenden Zielarten der Fauna besiedelt werden, da einige in den benachbarten Na- turschutzgebieten vorkommen und die kurzen Distanzen zum neuen Naturschutzgebiet leicht überwinden können. So ermöglichen die angestrebten lichten Wälder und vegetationsarmen Trockenbiotope das Vor- kommen bemerkenswerter Vogelarten wie dem Ziegenmelker ( Caprimulgus europaeus ) und der Heidelerche ( Lullula arborea ). Beide Arten nutzen lichte Kiefernwälder, Schlagflächen und sandige Blößen als Bruthabitat. Als Bodenbrüter sind sie dabei auf lückige, niedrigwüchsige Be- stände mit offenen Bodenstellen angewiesen. Von herausragender, landesweiter Bedeutung werden die Trockenstandorte des Naturschutz- gebietes für zahlreiche wärmeliebende Insek- tenarten werden. Stellvertretend ist hier unter anderem die Gruppe der Heuschrecken zu nennen. Die lückigen, niedrigwüchsigen Vege- tationsbestände der Sandrasen bieten Charak- terarten der Sandgebiete wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke ( Oedipoda caerulescens ) idea- le Bedingungen (Abb. 4). Daneben ist mit der Zu- wanderung weiterer Arten zu rechnen, die nach vorliegenden Erkenntnissen zu den typischen Heuschreckenarten der Binnendünen gehören ( N eugebauer 2010). Hierzu zählt unter anderem die stark gefährdete Grüne Strandschrecke ( Aio­ lopus thalassinus ), die in Baden-Württemberg die Nordwestgrenze ihres Verbreitungsgebietes erreicht und zu den streng geschützten Arten gehört. Weitere gebietstypische, aber landesweit seltene Arten sind die Blauflügelige Sandschre- cke ( Sphingonotus caerulans ), die Gefleckte Keulenschrecke ( Myrmeleotettix maculatus ), der Verkannte Grashüpfer ( Chorthippus mollis ) und der Steppengrashüpfer ( Chorthippus vagans ), die allesamt in Baden-Württemberg als gefähr- det gelten ( D etzel 1998). Besondere Bedeutung werden die sandigen Tro- ckenstandorte für die heimische Wildbienenfau- na haben. Vor allem typische Sandrasenbewoh- ner, die ihre Nester im Boden anlegen, werden auf den offenen, trockenen Sandflächen ideale Bedingungen vorfinden. Viele dieser Arten ste- hen in Baden-Württemberg auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, darunter die stark ge- fährdete Kreiselwespe ( Bembix rostrata ) und Grabwespenarten der Gattung Tachyspex , die Heuschrecken erbeuten und als Nahrungspro- viant für ihre Larven nutzen (LfU 1994). Mit der Entwicklung der geplanten Sandrasen und lich- ten Kiefernwälder werden die genannten Arten künftig auch auf der „Brühlwegdüne“ geeignete Habitate finden. Aus der Gruppe der Schmetterlinge werden die Sandrasenflächen vor allem der Förderung der Abbildung 4. Blauflügelige Ödlandschrecke im Flug. – Foto: T orsten P röhl .

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