Carolinea 77

A rmbruster et al.: Erstes Entwicklungs-Naturschutzgebiet „Brühlwegdüne“ 195 in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroh- ten Sandstrohblumen-Eule ( Eublema noctualis ) dienen. Die Raupe dieser Art nutzt ausschließ- lich die seltene und nur in Sandgebieten vor- kommende Sand-Strohblume als Futterpflanze. Vorkommen dieser Pflanzenart sind damit von herausragender Bedeutung für die Erhaltung dieser Schmetterlingsart. Auch der für Baden- Württemberg als gefährdet eingestufte Wolfs- milchschwärmer ( Hyles euphorbiae ) und seine auffällig gefärbte, an Wolfsmilcharten ( Euphorbia cyparissias, E. seguieriana ) fressende Raupe ist in dem Naturschutzgebiet nach Durchführung der vorgesehenen Entwicklungsmaßnahmen zu erwarten (Abb. 5). Für die Käferfauna übernehmen die Sandgebiete ebenfalls bedeutende Habitatfunktionen. Dazu gehört beispielsweise der landesweit gefähr- dete Dünen-Sandlaufkäfer ( Cicindela hybrida ), der auf offenen Sandflächen der benachbarten Naturschutzgebiete mitunter in großer Zahl be- obachtet werden kann. In abgestorbenem, lie- gendem Kiefernholz kann sich der Achtfleckige Kiefernprachtkäfer ( Buprestis octoguttata ) entwi- ckeln. 6 Schutzzweck Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist 1. die Erhaltung eines Binnendünenzuges als entstehungsgeschichtlich bedeutsame, geo- morphologische Sonderform, 2. die Schaffung und Erhaltung offener Sand­ rasen kalkhaltiger und kalkfreier Standorte (insbesondere Blauschillergrasrasen und Sil- bergrasrasen) sowie sich daraus entwickeln- der Sandheiden einschließlich ihrer Funktion als Lebensraum biotoptypischer, teils seltener und bestandsgefährdeter Tier- und Pflanzen- arten, 3. die Schaffung und Erhaltung von Wintergrün- Kiefern-Wäldern auf kalkhaltigem Untergrund und von Weißmoos-Kiefern-Wäldern auf kalk- freien Standorten einschließlich ihrer Funktion als Lebensraum biotoptypischer, teils seltener und bestandsgefährdeter Tier- und Pflanzen- arten, 4. die Vernetzung gleichartiger Lebensräume in den benachbarten Naturschutzgebieten „Sandhausener Dünen Pferdstrieb“ und „Zug- mantel-Bandholz“, 5. die Schaffung und Erhaltung der Populati- onen charakteristischer, biotoptypischer Tier- und Pflanzenarten der Sandrasen, trockenen Sandheiden und Steppen-Kiefernwälder, (insbesondere Vögel, Wildbienen, Wespen, Schmetterlinge, Heuschrecken, Wanzen und Käfer). 7 Ausweisungsverfahren Der Anlass zur Ausweisung eines „Entwicklungs- Naturschutzgebietes“ „Brühlwegdüne“ – wenn auch über Umwege – begründet sich auf dem bestandskräftigen Planfeststellungsbeschluss vom 13. Juli 1989, welcher den Teilrückbau der Landesstraße 600 bei Sandhausen vorsah. Grundlage für den ursprünglich geplanten Rück- bau der Landesstraße 600 war der Neubau der Bundesstraße 535. Diese war als verbesserte Ost-West-Verbindung zwischen Heidelberg und Schwetzingen sowie als Entlastung für die Hei- delberger Stadtteile Kirchheim und Rohrbach konzipiert worden. Abbildung 5. Raupe des Wolfsmilchschwärmers. – Foto: P eter W eiser .

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