Carolinea 77

220 Carolinea 77 (2019) en aus ganz Europa untermauert. Viele Unter- suchungen stellen zudem eine Beschleunigung des Insektenrückgangs seit etwa der Jahrtau- sendwende fest – eine Beobachtung, die sich mit den Ergebnissen verschiedener ornithologischer Studien deckt. Wissenschaftler auf der ganzen Welt nennen immer wieder zwei Hauptgründe für den Insektenrückgang: die Intensivierung der Landwirtschaft und den steigenden Einsatz gif- tiger Pestizide. Am 23. Februar sprach Dr. W olfgang E ckweiler (Frankfurt/Main) über seine Exkursionen in das Richthofengebirge in China vor über 30 Jahren und aktuell. Heute heißt das Gebirge auf chi- nesisch Qilian Shan; es ist ein bis 5.827 mNN hohes Hochgebirge im Westen Chinas. Das Ge- birge wurde früher zu Ehren des deutschen For- schungsreisenden und Geographen Ferdinand von Richthofen Richthofengebirge genannt. Es verläuft südlich der Seidenstraße und bildet die Grenze zwischen den chinesischen Provinzen Qinghai und Gansu. Das von der nördlich an- grenzendenWüste Gobi beeinflusste relativ aride Bergklima brachte sehr markante Unterarten tibetischer Schmetterlingsarten hervor, die hier ihre nördliche Verbreitungsgrenze finden. Diese von O tto B ang -H aas als „Richthofen-Charakter“ bezeichnete Analogie fasst Subspezies zusam- men, die besonders aufgehellt und schwächer gezeichnet sind. Der Vortrag entführte uns in ein Gebiet mit vielseitigen Landschaften und einzig- artigen Kulturschätzen imWandel der Zeit. Durch seine guten Kenntnisse der chinesischen Spra- che konnte E ckweiler sich in dem für die meisten von uns schwierig zu erkundenden Land gut be- wegen, und das Buchen von Zügen, Fahrzeugen oder auch das Essengehen bereiteten ihm nicht jene Schwierigkeiten, vor die sich der Unkundige gestellt sieht. Mit seinem Vortrag „Insektenpheromone: Mög- lichkeiten und Grenzen beim Einsatz in Fau- nistik und Naturschutz“ am 23. März berührte Dr. T ill T olasch (Universität Hohenheim) die Interessen der Entomologen unserer Gruppe gleich mehrfach. Denn etliche hatten schon im vergangenen Herbst an den Kartierungsarbeiten zum attraktiven Forschungsvorhaben des Refe- renten „Untersuchung zur aktuellen Verbreitung von Lemonia dumi und Lemonia taraxaci in Ba- den-Württemberg durch Einsatz synthetischer Pheromone“ mitgearbeitet. Hierfür auch in den folgenden Jahren einen Beitrag zu leisten hat sich die Entomologische Arbeitsgemeinschaft im Naturwissenschaftlichen Verein Karlsruhe durch die Mitarbeit Interessierter vorgenommen. Zahlreiche Insektenarten verwenden zur Kom- munikation mit ihren Artgenossen spezielle Duft- stoffe, sogenannte Pheromone. Welche Arten von Pheromonen es gibt, wie man diese Boten- stoffe „einfängt“, wie man sie chemisch analy- sieren und im Labor anschließend „nachbauen“ kann, sollte in diesem Vortrag – möglichst all- gemeinverständlich – anhand einiger Beispiele gezeigt werden. Der Einsatz synthetischer Phe- romone zum Nachweis seltener Arten bietet reiz- volle Möglichkeiten, jedoch gibt es auch Grenzen und limitierende Faktoren, die berücksichtigt wer- den müssen, wenn man die Methode im Freiland erfolgreich einsetzen will. Nach der Sommerpause entführte uns Dr. H os ­ sein R ajaei (Stuttgart) am 26. Oktober in die Wü- ste Lut im äußersten Südosten des Irans. Sein Vortrag trug den Titel „Der Ursprung des Lebens am heißesten Punkt der Erde“. Er selbst be- suchte diesen „Hitzepol“ der Erde gemeinsam mit einem internationalen Team aus zehn Wis- senschaftlern im November 2016. Der Kurator für Schmetterlinge vom Naturkundemuseum Stuttgart berichtete sehr anschaulich über diese Abbildung 25. Auch Kleinschmetterlingsspezialist F ranz T heimer aus Berlin ist ein regelmäßiger Teilneh- mer unserer entomologischen Alpenexkursionen. – Foto: R. T rusch .

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1Mjc=