Carolinea 77

96 Carolinea 77 (2019) Waldlichtungen und Waldinnensäume bewohnt und von der nur spärliche Einzelmeldungen aus der Jagst-Kocher-Region vorliegen. Der hohe Grad der Spezialisierung bei vielen Bläulings-Arten beinhaltet enge Interaktionen mit speziellen Wirtspflanzen und Ameisenpart- nern, die auch geographisch stark variieren kön- nen (z.B. E bert & R ennwald 1991, S anetra et al. 2015). Ein effektiver Schutz dieser Arten wird nur ermöglicht, wenn eingehende regionsspezifische Kenntnisse über diese besonderen Ansprüche an die Umwelt vorliegen, da sie den genauen Charakter der bevorzugten Larvalhabitate be- einflussen. In der vorliegenden Studie wurden daher die biologisch-ökologischen Grundlagen erforscht, die für den Erhalt der ausgewählten Zielarten in der Jagst-Kocher-Region von Be- deutung sind. Anhand der gewonnenen Erkennt- nisse wurden Vorschläge für die Biotop- und Landschaftspflege formuliert, die zielgerichtet den Erhalt bestimmter Arten fördern können. Mit dieser Veröffentlichung werden (1) die aktu- elle Bestandssituation von zehn Bläulingsarten in der Jagst-Kocher-Region beschrieben, (2) die Ökologie (insbesondere der Präimaginalstadien und ihre Beziehungen zu Ameisen) im Hinblick auf regionale Besonderheiten dargestellt sowie (3) Konzepte für einen dauerhaften Schutz durch spezifische Pflegemaßnahmen vorgestellt. 1 Glaucopsyche alexis (Alexis-Bläuling) 1.1 Verbreitung Diese unverwechselbare Art konnte an 13 Lo- kalitäten im Naturraum Kocher-Jagst-Ebenen nachgewiesen werden (Abb. 2), wobei jeweils nur ein bis drei Exemplare pro Beobachtung verzeichnet wurden. Fast alle Fundorte liegen im mittleren Einzugsbereich der Jagst zwischen Jagsthausen und Mulfingen, nur zwei Lokalitäten befinden sich im nördlichen Einzugsbereich des Kocher bei Crispenhofen. Damit ist die Zahl der bisher bekannten Fundorte für G. alexis im Untersuchungsgebiet mehr als verdoppelt wor- den. Im südlichen Teil der Kocher-Jagst-Ebenen scheint G. alexis nicht regelmäßig vorzukom- men, denn es gibt bislang nur eine Meldung aus dem Jahr 2015 an einem Trockenhang nördlich von Schwäbisch Hall. Auffallend ist die Tatsache, dass G. alexis über einen sehr langen Zeitraum (1964 bis 2013) aus der gesamten Region nicht gemeldet worden war und danach in kurzer Ab- folge vier Nachweise erfolgten (LDS-BW). Es ist unklar, ob dies auf eine kürzliche Arealerweite- rung oder auf unzureichende Durchforschung zurückzuführen ist. Trotz der einfachen Determi- nation können die Falter aufgrund stets niedriger Individuenzahlen (siehe auch T hust et al. 2006, E ller et al. 2007, R eiser 2013) leicht übersehen werden. Zudem haben die Männchen einen un- gestümen Flug, der nur selten unterbrochen wird. Die Vorkommen von G. alexis im Bereich der Kocher-Jagst-Ebenen stellen eine südliche Er- weiterung des Areals im Tauberland dar, wo die Art sehr weiträumig verbreitet ist ( S anetra et al. 2015). Dem isolierten Fund nahe Schwäbisch Hall stehen 15 bis 20 Lokalitäten im Untersu- chungsgebiet südlich des regionalen Verbrei- tungsschwerpunkts von G. alexis im Jagst-Tal gegenüber, an denen die Art trotz günstiger Habitatstruktur und geeigneter Wirtspflanzen- bestände nicht festgestellt werden konnte. Tau- berland und Kocher-Jagst-Ebenen bilden das wichtigste Vorkommensgebiet in Baden-Würt­ temberg, ansonsten tritt G. alexis nur noch klein- räumig am Oberrhein auf. Ein Nachweis von der Ostalb (LDS-BW) wurde nach Rücksprache mit dem Beobachter als Falschmeldung identifiziert. 1.2 Phänologie Im Neckar-Tauberland fliegt G. alexis nach E bert & R ennwald (1991) in einer Generation schwer- punktmäßig in der zweiten Maihälfte (Spann- weite: 5.5. bis 19.6.). Der früheste Fund aus dem Taubertal datiert vom 17.4.2014 ( S anetra et al. 2015), und S eitz (1927) gab den Beginn der Flugzeit mit Ende April an. Die vorliegenden Beobachtungen in der Jagst-Kocher-Region rei- chen vom 4.5. bis 5.6. in den Jahren 2017-2019. 1.3 Wirtspflanzen und Eiablage Die Eiablage von G. alexis wurde an zwei ver- schiedenen Pflanzenarten aus der Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) beobachtet (Tab. 1), an Saat-Esparsette ( Onobrychis vicii­ folia ) und Süßem Tragant ( Astragalus glycyphyl­ los ). Die Eier wurden einzeln in die sich entwi- ckelnden Blütenstände der Esparsette (Abb. 4) oder in die noch eingerollten Fiederblättchen sich entwickelnder Blatt- und Blütenknospen des Süßen Tragants (Abb. 5) abgelegt (siehe auch S anetra et al. 2015). Anhand dieser Beobach- tungen konnten zusätzlich Eier durch selektive Suche an den beiden Pflanzenarten aufgefun- den werden (Tab. 1), denn die Blüten und Blät- ter befinden sich zum Zeitpunkt der Eiablage in einem bestimmten frühen Entwicklungsstadium. Allerdings werden die Eier weit in die Knospen

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