Carolinea 78

168 Carolinea 78 (2020) Mitte des Areals Landgraben West. Das würde bedeuten, dass einige der wertvollsten beste- henden Gewässerabschnitte, Brut- und Überwin- terungshabitate in Zukunft verloren gingen. Eine Vernetzung mit den Schilfgebieten am Landgra- ben Ost sowie mit dem naturnahen Bruchwald- relikt „Bruch“ ist in der Planung des Regierungs- präsidiums nicht berücksichtigt. Die Einbeziehung der Verbands-Kläranlage mit den ehemals reich strukturierten Gehölzzeilen könnte das Gesamtensemble weiter aufwerten, zumal Kläranlagen attraktive Sekundärbiotope darstellen. Die Hecken am Ostrand der Kläran- lage stellen bereits eine existierende und ökolo- gisch wertvolle Vernetzung von Landgraben und Bruch dar. Wie Biotopvernetzung auch von Landwirten un- terstützt werden kann, zeigt ein Beispiel aus dem Vereinigten Königreich, wo es eine wachsende Bewegung unter benachbarten Landwirten gibt, die aus Sorge um die natürliche Umwelt mitei- nander kooperieren, um Verbreitungskorridore für Pflanzen und Tiere zu erhalten, zu verbessern oder neu zu schaffen ( F aulkner & M iller 2019 ). Inzwischen sind es über 100 solcher „farmers’s cluster“ mit für gewöhnlich über einem Dutzend Mitgliedern, in denen die Landwirte unter An- leitung eines Biodiversitätsberaters neben der Vernetzung der Lebensräume eine Reihe von weiteren Maßnahmen durchführen (Blühstreifen, Brachflächen mit unterschiedlichen Pflanzen zur Winterfütterung von Vögeln, Neuanlage von He- cken usw.). Für die in dieser Arbeit untersuchten Gebiete wäre es erfreulich, solche Aktivitäten im landwirtschaftlich genutzten Bereich nördlich von Sandhausen auch bei der Vernetzung von Bruch, alten Hecken, Landgraben und Leimbach zur Förderung der Artenvielfalt zu sehen. Das würde sicher dem beobachteten Verlust an wertvollem Lebensraum entgegenwirken. Auf den Seiten der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) konnten in den Vernetzungskarten keine besonderen Anmer- kungen oder Planungen für die Gewässer Land- graben und Leimbach oder im Gebiet Bruch gefunden werden (Daten- und Kartendienst der LUBW 2020). Die Zeit drängt: Im Januar 2020 begannen öst- lich der Verbandskläranlage die Erweiterungsar- beiten, die bereits einen Teil der Wegränder wie auch Feldgehölze in Mitleidenschaft gezogen haben. Der Zweckverband Wasserversorgung Hardtgruppe baut hier eine vierte Reinigungsstu- fe zur Eliminierung von Spurenstoffen. Im Gebiet Bruch wurde im Frühsommer 2020 der Gehölzbewuchs südlich des Radweges entfernt. Schleichend gehen so immer mehr naturnahe Lebensräume verloren. Die hier vorgelegten Be- obachtungen können hoffentlich bei zukünftig geplanten Maßnahmen Berücksichtigung finden. Dank Die Autoren danken stud. geogr. H annah W eiser , Sand- hausen, für die Erstellung der Karte des Gebietes, B ernd S teiner , Sandhausen, für Beobachtungsdaten zum Gebiet Landgraben West, A rmin K onrad , Heidel- berg, für wertvolle Hinweise zur Zusammenlegung von Landgraben und Leimbach und S abine H ebbelmann für Recherche-Informationen zum neuesten Stand der Zu- sammenlegung von Landgraben und Leimbach. Literatur B urton , J.F. (2017): On the increase and range expan- sion of Xylocopa violacea ( L innaeus , 1758) and Xy- locopa iris ( C hrist , 1791) in north-west Baden, Ger- many, 1992-2015. – Atalanta 47 (1/2): 115-116. B urton , J.F., W eiser , H. & W eiser , P. 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