Carolinea 78
Carolinea 78 (2020): 171-194, 19 Abb.; Karlsruhe, 29.01.2021 171 Erfolge des Projektes Lebensader Oberrhein in der Schwetzinger Hardt: Floristische und faunistische Beobachtungen am Saupferch- buckel und Franzosenbusch P eter W eiser Kurzfassung Als Teil des Biodiversitätsprojekts „Lebensader Ober rhein“ des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) wur- de in mehreren kleinen Projektgebieten in der Schwet- zinger Hardt Gehölz entfernt, Oberboden abgetragen und neuer Offensandlebensraum geschaffen. Als Er- gänzung zum offiziellen botanischen Monitoring auf den Projektgebieten werden hier floristische und faunistische Beobachtungen am „Saupferchbuckel“ und „Franzosen- busch“ zusammengefasst. Die drei sich unterschiedlich entwickelnden Flächen zeigen auch bei der Besiedlung mit Insekten jeweils eigene Verläufe. Zu den interes- santesten Funden gehören die Sand-Steppenbiene und die Große Kreiselwespe (Hymenoptera: Apidae/Crabro- nidae) sowie die Blauflügelige Sandschrecke und Grü- ne Strandschrecke (Orthoptera: Acrididae). Die für die Erhaltung der Biodiversität besonders relevanten Funde werden auch im Hinblick auf das bei Sandhausen aus- gewiesene Entwicklungs-Naturschutzgebiet „Brühlweg- düne“ diskutiert, ebenso wird auf die Zukunft des Tro- ckenwaldes auf den Hardtplatten eingegangen. Abstract Achievements of the Project “Lifeline Upper Rhine” at the Schwetzinger Hardt: Floristic and faunistic ob- servations on Saupferchbuckel and Franzosenbusch As part of the biodiversity project „Lebensader Ober- rhein” of the Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in several small project areas in the forest “Schwetzinger Hardt” near Heidelberg, trees were felled, and the top- soil was removed in order to create new open sand ha- bitats. In addition to the official botanical monitoring in the project areas, this report summarizes floristic and faunistic observations in the areas “Saupferchbuckel” and “Franzosenbusch”. The three divergently develo- ping areas also show different courses of events when colonised by insects. Among the most interesting finds are the solitary bee Nomioides minutissimus and the digger wasp Bembix rostrata (Hymenoptera: Apidae/ Crabronidae) and the grasshoppers Sphingonotus caerulans and Aiolopus thalassinus (Orthoptera: Acri- didae). The results that are of particular relevance for the protection of biodiversity are discussed with regard to the developmental nature reserve “Brühlwegdüne” as well as the future of the dry forest on the so-called “Hardtplatten” in the Upper Rhine Rift Valley. Autor Dr. P eter W eiser , Hermann-Löns-Weg 33, 69207 Sandhausen; E-Mail: peter_weiser@t-online.de, Tel. 0 62 24 / 92 24 99 1 Einleitung Die Binnendünen am Oberrhein zwischen Karls- ruhe und Darmstadt bzw. Mainz entstanden nach dem Ende der letzten Eiszeit durch Ver- wehung der Sande aus dem Rheinbett auf die Niederterrasse des Rheintals ( L öscher & H aag 1989). Wahrscheinlich waren die Dünen bereits 1000-2000 Jahre nach dem Ende der Eiszeit bewaldet. Die angewehten kalkreichen Rhein- sande sind oberflächlich schon lange durch Nie- derschläge entkalkt. In Rodungsphasen seit dem Mittelalter gerieten die Dünen aber wieder in Be- wegung, sodass es vereinzelt auch noch kalkhal- tige Bereiche gibt, wie z. B. in den Sandhausener Naturschutzgebieten. Viele der spezialisierten Steppenrasenpflanzen auf den Binnendünen sind auf solche kalkhaltige Böden angewiesen, z. B. die Sand-Silberscharte. Auf den sogenannten Hardtplatten am nörd- lichen Oberrhein finden sich anthropogene Kie- fern-Mischwälder auf Sand- und Kiesböden. Von der ursprünglichen Dünenlandschaft ist nicht mehr viel zu sehen. Doch weisen alte Gewann- Namen wie „Saupferchbuckel“ auf die frühere Nutzung der Dünenzüge als Viehweide hin. Seit 2014 ist die Schwetzinger Hardt als Waldschutz- gebiet ausgewiesen ( F ranke 2014). Neben dem Schutz der Natur steht dabei auch die Nutzung als Erholungswald im Vordergrund. 2 Untersuchungsgebiete im Rahmen des Projektes „Lebensader Oberrhein“ Als einer von 30 Hotspots der Artenvielfalt in Deutschland wurde im Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt die „nördliche Oberrheinebene mit Hardtplatten“ ermittelt. Ge- fördert vom Bund haben im Projekt „Lebensader
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