Carolinea 78

S chulz : Analyse der Heuschreckenfauna in Altgrasstreifen 199 mäht (hauptsächlich im nicht untersuchten Teil des NSG). Zur Frage, ob AGS individuenreicher sind und somit ein Refugium für Heuschrecken nach dem Pflegeeingriff darstellen, kann die In- dividuendichte der untersuchten Gebiete heran- gezogen werden (Abb. 3). Die Individuendichten der AGS in den Gebieten Heidesee, NSG Beim Steiner Mittelberg und im NSG Ersinger Sprin- genhalde waren nach der Mahd höher als in den Vergleichsflächen. Trotz vorzeitiger Mahd konnte ein AGS-Effekt in diesen Gebieten dokumentiert werden. Im NSG Enztal zwischen Niefern und Mühlacker profitierten vor allem Pseudochorthippus par- allelus und Chorthippus biguttulus von der Be- weidung, weswegen die Individuenzahlen nach der Beweidung deutlich höher waren als im AGS (Abb. 3). Dies gibt einen Hinweis darauf, dass durch eine extensive Beweidung die Individuen- dichte kurzzeitig gefördert werden kann. Im NSG Burgau wurde auf Teilflächen zu wenig gemäht. Dabei konnte sich eine hohe Krautve- getation entwickeln. Die Zielart Aiolopus thalassi- nus trat daher erst wieder nach der Mahd auf. Die Lebensraumansprüche von Larve und Imago bei A. thalassinus unterscheiden sich (Habitatkom- plexbewohner), sodass Flächen mit schütterem Bewuchs von den Imagines aufgesucht werden, wohingegen Larven üppigen Bewuchs mit hö- herer Feuchtigkeit brauchen ( D etzel 1998). Dies konnte im NSG Burgau dokumentiert werden. Aiolopus thalassinus benötigt frische bis feuchte, sandig-kiesige Böden mit rund 40 % Deckungs- grad niedrigwüchsiger Seggen, Binsen und Kräuter. AGS können daher förderlich für Arten mit kom- plexen Ansprüchen an ihre Lebensräume sein. Gebietsübergreifende Tendenzen sind ebenfalls bezüglich Artendichte zu finden (Abb. 4). Be- trachtet man nur den Untersuchungstag 2, so wird deutlich, dass vor allem in den AGS mehr Arten vorhanden waren. Im NSG Enztal zwischen Niefern und Mühlacker, im NSG Beim Steiner Mittelberg und im NSG Ersinger Springenhalde kamen mehr Ensifera-Arten in den AGS als auf den Vergleichsflächen vor (Tab. 3). Bei der Dominanzanalyse wurde jedes Gebiet für sich betrachtet, sodass hier dargestellt wird, wel- che Arten je Gebiet auf AGS angewiesen sind oder von AGS profitieren (Tab. 1). Hierbei wird deutlich, dass die Langfühlerschrecken Bicolora- na bicolor , Phaneroptera falcata , Ruspolia nitidu- la (Abb. 5) und Conocephalus fuscus im Rahmen der Untersuchung hauptsächlich auf AGS vorka- men und somit auf AGS angewiesen sind. Oe- canthus pellucens kam im NSG Enztal zwischen Niefern und Mühlacker sowohl dominant (über 10 % Anteil an der Artgemeinschaft) im AGS als auch auf den 0-Flächen vor und profitiert folglich von hochwüchsigen Strukturen. Mantis religiosa Tabelle 1. Auf AGS angewiesene oder von AGS profitierende Arten. Datengrundlage: Dominanzanalyse je Gebiet. Angewiesen: (Fast) ausschließlich auf AGS gefunden, Profitierend: Sowohl auf den AGS als auch auf den 0-Flä- chen dominant. Quelle: Baden-Württembergische Rote Liste ( D etzel & W ancura 1998). Gebiet Altgrasstreifen Angewiesen Profitierend NSG Burgau Chorthippus dorsatus (V) Pseudoch. parallelus , Stethophyma grossum (2), Aiolopus thalassinus (2, juvenil) Heidesee Chorthippus biguttulus, Chorthippus mollis (3) Oedipoda caerulescens (3), Myrmeleotettix maculatus (3) NSG Enztal zw. Niefern & Mühlacker Bicolorana bicolor (V), Phaneroptera falcata , Gomphocerippus rufus Oecanthus pellucens (V), Chorthippus biguttulus, Stenobothrus lineatus (3), Platycleis albopunctata (3) NSG Beim Steiner Mittelberg Gomphocerippus rufus , Bicolorana bicolor (V) Chorthippus biguttulus, Pseudoch. parallelus, Platycleis albopunctata (3), Stenobothrus lineatus (3), Phaneroptera falcata NSG Ersinger Springenhalde Phaneroptera falcata , Ruspolia nitidula (0), Mantis religiosa , Conocephalus fuscus Pseudochorthippus parallelus, Chorthippus biguttulus

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