Carolinea 78

212 Carolinea 78 (2020) fierte er singende Buckelwale. Und im offenen Blau des Atlantiks beobachtete er winzige Le- bewesen, die trotz ihrer geringen Abmessungen Teil der größten Tierwanderung auf unserer Erde sind. 15. Januar 2019 Was die Erdgeschichte uns über den aktuellen Klimawandel lehrt Vortrag von Prof. Dr. S tefan R ahmstorf (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) im Rahmenprogramm zur Großen Landesaus- stellung „Flusspferde am Oberrhein – wie war die Eiszeit wirklich?“ vom 21. Juni 2018 bis 27. Ja- nuar 2019 Das Klima unseres Planeten war immer wie- der starken Veränderungen unterworfen, von Eiszeiten bis Heißzeiten. Ursache waren tek- tonische Prozesse und Einflüsse von außen, etwa Schwankungen in der Sonnenaktivität und Unregelmäßigkeiten in der Erdumlaufbahn. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Klima- forschung große Fortschritte beim Verständnis des Klimawandels gemacht. Diese Fortschritte beruhen zum einen auf einer Vielzahl neuer Daten über die Klimageschichte, die u. a. aus Eisbohrkernen und Tiefseesedimenten gewon- nen wurden, und zum anderen auf verbesserten Computersimulationen. So ist es in den letzten Jahren gelungen, vergangene Klimawechsel re- alistisch am Computer nachzuspielen. Auf diese Weise werden die Mechanismen entschlüsselt, die zur Entstehung und zum Ende von Eiszeiten führten oder zum Umkippen von Meeresströ- mungen. Derzeit durchläuft die Erde eine erd- geschichtlich extrem rasche, wahrscheinlich sogar einmalige globale Erwärmung, und die Erkenntnisse aus der Erdgeschichte helfen dabei, diese besser zu verstehen, auch in ih- ren Auswirkungen z. B. auf den Meeresspiegel. Der Vortrag diskutierte die Mechanismen des Klimawandels, die äußeren Einflüsse und die Rolle des Menschen. Er führte zurück in die Kli- mageschichte und wagte einen Ausblick in die Zukunft. 29. Januar 2019 Stadtökologie aus der Vogelperspektive Vortrag von Dr. H enrik B rumm (Max-Planck-Insti- tut für Ornithologie, Seewiesen) Die ständig voranschreitende Urbanisierung un- seres Planeten stellt nicht nur uns Menschen vor große Herausforderungen, sondern auch Wild- tiere. B rumm s Forschungsgruppe untersucht, wel- chen Einfluss die Lebensbedingungen in Städ- ten auf Vögel haben: Beeinflusst das künstliche Licht in der Nacht das Verhalten der Tiere? Wie können sich Vögel trotz des teilweise immensen Lärms in Städten Gehör verschaffen? Macht Ver- kehrslärm nicht nur Menschen, sondern auch Vögel krank? Diese und andere spannende Fra- gen aus der aktuellen Forschung zur Stadtökolo- gie der Vögel wurden im Vortrag beantwortet und es wurde aufgezeigt, wie zoologische Grundla- genforschung nicht nur wichtige Beiträge für den Natur- und Artenschutz liefert, sondern auch da- bei helfen kann, Stressbelastungen für den Men- schen besser zu verstehen. 2. Februar 2019 Nomaden der Lüfte – gefiederte Wintergäste am Fermasee Exkursion mit Dr. G erd S chön & K laus L echner (NABU Karlsruhe), A ndreas W olf (Naturschutz- zentrum Rappenwört) und J ochen L ehmann (Or- nithologische Arbeitsgemeinschaft OAG) Jeden Winter ziehen viele Wasservögel von Nord- und Osteuropa in den Süden auf der Su- che nach eisfreien Wasserflächen, wo sie Nah- rung und Ruhe finden können. Einige von ihnen finden ihr Winterquartier am Rhein und seinen Nebengewässern. Andere Arten legen hier nur einen Zwischenstopp ein, bevor sie ihren Weg Richtung Südeuropa oder Afrika fortsetzen. Die ornithologische Exkursion startete um 13 Uhr am Parkplatz Badestrand Fermasee (Neuburgweier) und dauerte etwa 3,5 Stunden. 5. Februar 2019 Der Tod, ein Kunstgriff der Natur, das Leben zu erhalten Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. V olker S torch (COS Centre for Organismal Studies, Universität Hei- delberg) Seit mehr als 3,5 Milliarden Jahren gibt es Or- ganismen auf der Erde, die sich zu einem im- mer umfangreicheren Lebensstrom entwickelt haben, der sich und seine Umwelt stetig verän- dert hat. Auf Organismen geht der Sauerstoff der Atmosphäre zurück, Reste von Organismen bauen Gebirge auf und nehmen große Flächen des Meeresbodens ein und haben Kohle- und Erdöllager geschaffen. All das ist mit Tod ver- bunden, aber auch mit zunehmender Komplexi- tät des Lebendigen und der Differenzierung der Organismen, von denen allerdings über 90 % aller Arten ausgestorben sind. Was für die ge- samte Evolution gilt, trifft auch heute noch zu:

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