Carolinea 78
Naturwissenschaftlicher Verein 223 Gros zusammen mit dem Naturschutzzentrum Karlsruhe-Rappenwört durchgeführt, bei der allen Teilnehmern Pflanzen und Tiere der Bag- gerseen um Karlsruhe nähergebracht werden (Neobiota-Tag). Das besondere Engagement der Limnologischen Arbeitsgemeinschaft für Natur und Umwelt wurde 2019 mit einem Preis des Württembergischen Landessportbundes (WLSB) ausgezeichnet. 1 WLSBWettbewerb Die Limnologische Arbeitsgemeinschaft hat 2019 im Wettbewerb des WLSB in der Kategorie „Eh- renamtliche Tätigkeit“ einen Preis gewonnen. Da nur eingetragene Vereine an dem Wettbewerb teilnehmen konnten, hat sich die Limnologische AG entschieden, über die beiden Tauchsportver- eine TC Muräne Karlsruhe und den TSV Malsch, aus denen sich die Limnologische AG zusam- mensetzt, in der Kategorie „ehrenamtliche Tätig- keiten“ teilzunehmen. Die Bewerbung gab einen Überblick über die Aktivitäten der Limnologischen AG in den letz- ten 20 Jahren. Dargelegt wurden dabei nicht nur die facettenreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten, sondern auch der interdisziplinäre Charakter der AG. Zudem wurde deutlich, warum die Projekte der Limnologische AG auch für die Gesellschaft wichtig sind. Sie wurden als „herausragend“ be- wertet und zählten zu einem der drei Gewinner der Kategorie „Ehrenamtliches Engagement“. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die für 2020 geplante Preisverleihung leider nicht statt- finden und ist aktuell auf das Jahr 2021 verscho- ben. 2 Flechten, Algen und Moose in heimischen Gewässern Die AG hat im Sommer eine Exkursion an den Fluss Murg im nördlichen Schwarzwald ge- macht, um unter Wasser Algen und Flechten zu sammeln. In einem Projekt, das in Zusammen- arbeit mit Dr. W olfgang S chütz (Emmendingen) schon seit Jahren besteht, unterstützten ihn die Limnologen kontinuierlich beim Einsammeln ent- sprechender Proben aus den heimischen Ge- wässern. In den vergangenen Jahren wurden so die Steilwände im Bodensee bei Überlingen und Wallhausen nach Algen abgesucht, die schon vor über 100 Jahren dort gefunden und damals als neue Arten beschrieben wurden. Darüber wurde in den letzten Ausgaben der Carolinea be- richtet. 2019 wurde die Suche nach Algen, Flech- ten und Moosen auf die heimischen Gewässer ausgeweitet. So war die Limnologische AG in der Murg fündig geworden. Die Murg entspringt bei Freudenstadt im Nord- schwarzwald in ca. 870 m Höhe nahe dem Schliffkopf, bevor sie nach rund 80 km durch Rastatt fließt und bei Steinmauern in den Rhein mündet. Im ersten Drittel fließt die Murg durch Schluchten und Felsformationen, die geprägt sind durch schnell fließendes, flacheres Was- ser (riffle), einen Flusslauf mit großen Steinen, hohen Strömungsgeschwindigkeiten, aber auch größeren Senken (pools) bis 6 m Tiefe, in denen das Wasser sehr ruhig fließt bzw. nahezu steht. An diesen Stellen konnte getaucht werden. Da- bei wurden beim Sammeln der Flechten und Al- gen Fische wie Forellen, Groppen oder Elritzen, aber auch Köcherfliegenlarven, Flohkrebse und einiges mehr beobachtet. Eine absolute Beson- derheit war dabei der Nachweis der extrem sel- tenen Wasserflechte Collema dichotoma in der Murg, die von Dr. S chütz und Dr. J osef S immel (SMNK) bestimmt wurde. 3 Eem – Ausrüstung zumTorfbohren unter Wasser erneuert Die Zusammenarbeit der AG mit dem Arbeits- kreis Vegetationsgeschichte Karlsruhe in der Reinhold-Tüxen-Gesellschaft gibt es inzwischen schon ein Jahrzehnt lang. Thema ist hier die Pflanzenwelt der Oberrheinebene während der letzten Warmzeit (Eem). Für den Oberrheingra- ben lagen bis dato noch keine konkreten Er- kenntnisse vor, welche Pflanzen damals dieses Areal besiedelt haben. Besonders im Hinblick auf den Klimawandel können die Erkenntnisse aus unserer Zusammenarbeit helfen, weitere Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Bestimmung der damaligen Vegetation ist anhand von Pollen möglich, die sich in den Torfschichten der Bag- gerseen wiederfinden. Die AG hat ein Verfahren entwickelt, die Pollen in der Torfschicht mit einem Kronenbohrer unter Wasser zu bergen. Die Aus- wertung der Bohrproben, das Bestimmen und Zählen der Pollenarten liegt in der Hand des Pa- laeobotanikers Dr. S iegfried S chloss . Zwischen- zeitlich konnte die wissenschaftliche Lücke zur Flora der Eem-Warmzeit im Oberrheingraben nahezu geschlossen werden. Das Torfbohren unter Wasser hat jedoch einigen Teilen der Ausrüstung in den letzten Jahren er- heblich zugesetzt. So hat der Druckluftschlag- schrauber, der unerlässlich ist, um den Kro- nenbohrer in den Torf zu treiben, nach einigen Jahren signifikant an Leistung verloren. Um den
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