Carolinea 78
M ayer : Der Eschen-Scheckenfalter Euphydryas maturna in Baden-Württemberg 63 unabhängig vom Verpuppungsort selten zu fin- den (Abb. 41). In der Krautschicht wählen die Raupen häufig Pflanzen oder Pflanzenteile (z. B. vertrocknete Stängel) aus, die in der Höhe ex- poniert sind und umgebende Pflanzen überragen (Abb. 38). Dagegen finden sich sowohl an krau- tigen wie holzigen Pflanzen Puppen, die nur we- nige Zentimeter über dem Boden angesponnen sind. Solche Stellen sind dann meist nach einer Seite offen, sodass partielle Besonnung gewähr- leistet ist. Verpuppungen an vollschattigen Orten kommen vor, sind aber deutlich seltener. Puppen konnten in Höhen von ca. zehn Zentimetern bis auf rund vier Metern Höhe über dem Boden fest- gestellt werden. Die Luftfeuchte scheint für die Auswahl des Ver- puppungsplatzes eine untergeordnete Rolle zu spielen. Es gibt keine Hinweise, dass an trocken- eren oder feuchteren Stellen im Habitat jeweils unterschiedliche Verpuppungsstrategien vorlie- gen würden. In der Literatur findet man Angaben bezüglich der Bedeutung von feucht-warmen Bedingungen während der Puppenphase (z. B. P retscher 2000). Der Autor schreibt, dass ein feuchtwarmes Milieu für die Puppen lebenswich- tig ist, da sie bei langanhaltender Trockenheit (auch in der Zucht) regelrecht verdorren. Nach- weislich vertrocknete Puppen konnten nur selten gefunden werden. Dies gilt auch für Jahre mit be- sonders warmtrockener Witterung während der Puppenzeit. Eine Korrelation zwischen Struktur des Raupen- habitats und der Wahl des Verpuppungsplatzes (krautige Pflanzen oder Gehölze) besteht nur bedingt. Besonders Raupen, die sich in Wirt- schaftswiesen entwickeln, verpuppen sich bei größerer Distanz zu Gehölzen überdurchschnitt- lich oft an Gräsern oder Kräutern. Raupen, die in Krautsäumen entlang von Waldrändern leben, verpuppen sich regelmäßig sowohl an Gehölzen als auch an krautigen Pflanzen. Selbst an Wald- standorten wie dem Steigerwald, wo Gehölze als Wirtspflanzen bedeutend und als potenzielle Verpuppungsorte überall verfügbar sind, finden sich Puppen in der Krautschicht. Ähnliche Beo- bachtungen liegen vom ehemaligen Standort am Stuifen vor, wo sich nachweislich der Großteil der Postdiapause-Raupen von Esche, also einem Gehölz, ernährten. Daher trifft die Aussage von P retscher (2000) nicht zu, dass E . maturna -Rau- pen phasenweise Gehölze als Nahrungspflan- zen, jedoch immer als Verpuppungsort nutzen. 3.3.2 Überlebensraten/Mortalität der Puppen Die Mortalität der Puppen liegt in normalen Jahren in einem Bereich um die 50 %. Dies gilt wahrscheinlich nicht nur für die Jahre 2019 und 2020, wo systematische Freilandunter- suchungen gemacht wurden (Tab. 2). Im gün- stigsten Fall lag hier die Schlupfquote bei etwa 50-60 %. Ein Teil der Puppen konnte nicht wie- der aufgefunden werden. Geht man davon aus, dass diese Puppen verendet sind, ergibt sich für den schlechtesten Fall eine Überlebensrate von 40-44 %. Extremwerte mit besonders hoher Überlebens- bzw. Mortalitätsrate wurden auch in Abbildung 41. Expositionen von Puppen (Ausrichtung dorsal) in der Kocher-Jagst-Region aus den Jahren 2019 und 2020. n = 40 Kräuter, Gräser Sträucher, Jungbäume Bäume (Stangenholz, Baumholz) Norden Nordosten Osten Südosten Süden Südwesten Westen Nordwesten 9 8 7 6 5 4 3 2 1 0 Anzahl Puppen
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