Carolinea 78
64 Carolinea 78 (2020) anderen Jahren mit Puppenbeobachtungen im Freiland nicht festgestellt. Hier gilt es zu berücksichtigen, dass aus indivi- duenschwachen Jahren nur wenige Puppenbe- obachtungen vorliegen und die Mortalität wegen der zu erwartenden geringeren Parasitierung möglicherweise kleiner ist. Der Einfluss der Wit- terung auf die Überlebensrate der Puppen ist noch nicht ausreichend untersucht. Wie oben beschrieben sind trocken-warme Bedingungen wahrscheinlich weniger problematisch. Welche Rolle Überflutungen durch Starkregen in von Puppen besetzten Auenbereichen spielen, ist nicht geklärt. Die geringen Falterzahlen in sol- chen Jahren deuten aber darauf hin, dass dies zu einer verstärkten Puppenmortalität führen könnte. Ähnliches gilt für Jahre mit nasskalten Witterungsbedingungen während der Puppen- phase. Zu berücksichtigen ist hier allerdings, dass sich die Puppenphase zeitweise mit der Entwicklungsperiode der Raupen überschneidet und dies zu falschen Annahmen führen kann. Wie Tab. 2 zu entnehmen ist, waren die meisten der 2019 beobachteten, verendeten Puppen pa- rasitiert. Dies kann auch für andere Jahre bestä- tigt werden. Die Vorpuppen und Puppen werden von der Schlupfwespenart Apechtis compunctor (Ich- neumonidae) befallen. Bei den Puppen stechen die Weibchen zur Eiablage mit dem Legebohrer zwischen die harten Hinterleibsringe ( K onrad S chmidt , pers. Mitt., 1.9.2020). Parasitierte Pup- pen zeigen nach einiger Zeit ungewöhnliche Ver- färbungen, sodass man diese gut erkennen kann (Abb. 42). Welche Rolle räuberische Prädatoren spielen, ist nicht geklärt. Wiederholt gefundene Puppenreste (Gespinstpolster mit Kremaster, Hinterleibsreste) deuten aber darauf hin, dass Puppen von räuberischen Prädatoren gefressen werden (Abb. 43). Nachweislich vernichtet wurden in Mähwiesen befindliche Puppen durch Mahd und Abtransport des Mähgutes. Beobachtungen hierzu liegen aus vielen Jahren vor. Möglicherweise kann auch die Rinderbeweidung zum Verenden einzelner Pup- pen führen. Durch die kleinflächige, extensive Tabelle 2. Überlebensraten von E. maturna -Puppen in der Kocher-Jagst-Region (Beobachtungen aus den Jahren 2019 und 2020): F gs – Falter geschlüpft, P oW – Puppen ohne Wiederfund, P par – Puppen parasitiert, P ve – Vorpuppen, Puppen verendet, P vn – Puppen durch Mahd vernichtet Jahr F gs P oW P par P ve P vn Schlupf (%) Mortalität (%) 2019 10 5 6 2 2 50,0 1 (40,0 2 ) 50,0 1 (60,0 2 ) 2020 8 5 2 3 0 61,5 1 (44,0 2 ) 38,5 1 (56,0 2 ) 1 Schlupf-/Mortalitätsrate ohne P oW , 2 Schlupf-/Mortalitätsrate mit P oW (als wahrscheinlich verendet/gefressen be- trachtet) Abbildung 43. Angefressene Puppe von E. maturna . Welche Prädatoren Puppen fressen, ist nicht bekannt. 18.5.2020. Abbildung 42. Die rötliche Verfärbung des Hinterleibes deutet auf eine Parasitierung der Puppe (gleiche Pup- pe wie in Abb. 39) hin. 13.5.2011.
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