Carolinea 78
M ayer : Der Eschen-Scheckenfalter Euphydryas maturna in Baden-Württemberg 65 Beweidung ist dies sicher kein Faktor, der die Population stark beeinträchtigt. 3.3.3 Dauer des Puppenstadiums Das Puppenstadium dauert gewöhnlich zwi- schen zweieinhalb und vier Wochen (siehe Tab. 3), selten kürzer oder länger. In den Jahren 2012 und 2020 wurden einzelne Puppen wie- derholt im Freiland aufgesucht, um möglichst exakte Angaben zur Dauer des Puppenstadi- ums zu erhalten. In Tab. 3 ist zu erkennen, dass die kürzeste anzunehmende Puppendauer bei 16 Tagen liegt. Zu bedenken ist hier, dass die Puppen 1-5 in Tab. 3 beim jeweils letzten Nachweis im Puppenstadium noch keine Ver- färbungen zeigten, welche einen unmittelbar bevorstehenden Schlupf des Falters angedeu- tet hätten. So betrachtet könnte man hier durch- aus noch ein bis zwei Tage zur Mindestdauer hinzurechnen. Entscheidend sind neben der Lage der Pup- pe die Witterungsverhältnisse in dieser Pha- se. Raupen, die sich an krautigen Pflanzen verpuppen, versuchen dort eine helle Position zu finden, um wenigstens teilweise besonnt zu werden. Durch das Höherwachsen der ver- schiedenen Pflanzen in der Krautschicht än- dern sich die Bedingungen aber in den mei- sten Fällen schnell. Viele dieser Puppen sind dann durch umgebende Pflanzen verdeckt und nur noch schwer auffindbar. Gleichzeitig wird Sonneneinstrahlung verhindert, sodass das Puppenstadium relativ lange dauern kann (in Einzelfällen bis ca. fünf Wochen). Vollsonnig po- sitionierte Puppen an Stämmen kleinerer oder größerer Bäume benötigen für die Entwicklung in der Regel trotzdem gut zwei Wochen. Eine kürzere Puppenruhe als zwei Wochen ist sicher die Ausnahme. 4 Gefährdungsursachen Die Gründe für das Verschwinden vieler E . ma- turna -Populationen in Baden-Württemberg wur- den bereits von M ayer (2019) erörtert. Sie wer- den im Folgenden erweitert. Gegenwärtig ist nur noch eine Population in Baden-Württemberg be- kannt, deren Erhalt deutschlandweit von Bedeu- tung ist. Die Hauptgefährdungsursachen stellen Änderungen bei der Flächennutzung (Bewirt- schaftungform), die Klimaveränderung und das Eschentriebsterben dar. In den beiden letztge- nannten Fällen sind entsprechende Gegenmaß- nahmen nur bedingt möglich. Teile des Habitats sind heute verwaist oder nur noch schwach be- setzt, was vor allem auf die zunehmende Tro- ckenheit zurückzuführen ist. 4.1 Klimaveränderung Die bereits Ende des 20. Jahrhunderts festge- stellte Zunahme warmer Jahre hat möglicher- weise zunächst einen positiven Effekt auf die E. maturna -Population in der Kocher-Jagst-Region gehabt. Die Art scheint von sonnigen, warmen Bedingungen im Frühjahr, welche nun häufiger festzustellen waren, zu profitieren. Speziell in Jahren mit einem kalten und regenreichen Früh- jahr konnte zur Flugzeit wiederholt nur eine ge- ringe Falterabundanz festgestellt werden. Durch die moderate Zunahme der Durchschnitts temperaturen war zunächst keine Beeinträch- tigung der Habitatqualität festzustellen. Die für die Art günstigen Feuchtebedingungen waren nach wie vor gewährleistet. Speziell in den letz- ten Jahren haben sich jedoch die Bedingungen im Lebensraum durch zunehmende Trockenheit negativ verändert. Viele Randbereiche des Habi- tats mit Wiesen und Feldgehölzen mit ursprüng- lich mesophilem Charakter sind mittlerweile zu trocken. Sie werden nur noch schwach oder Tabelle 3. Dauer des Puppenstadiums von E. maturna in der Kocher-Jagst-Region (Freilandbeobachtungen aus den Jahren 2012 und 2020): D min – Mindestdauer des Puppenstadiums, D max – Maximale Dauer des Puppenstadiums Puppe 1 Puppe 2 Puppe 3 Puppe 4* Puppe 5 Puppe 6 Vorpuppe – – – 04.05. 06.05. 06.05. Verpuppung 06.05. 06.05. 06.05. 1 - - - Puppe 22.05. 27.05. 22.05. 2 28.05. 22.05. 01.06. Puppe verlassen 27.05. 01.06. 27.05. 2 02.06. 2 01.06. 2 03.06. D min 16 Tage 21 Tage 21 Tage 24 Tage 3 26 Tage 3 27 Tage 3 D max 21 Tage 26 Tage – 29 Tage 3 - 29 Tage 2 1 bereits im Puppenstadium, 2 exakter Falterschlupf, 3 inkl. Vorpuppenphase, *aus 2012, alle übrigen aus 2020
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1Mjc=