Carolinea 78

M ayer : Der Eschen-Scheckenfalter Euphydryas maturna in Baden-Württemberg 67 ImGegensatz zu anderen E . maturna -Standorten in Deutschland spielen in Baden-Württemberg Stangenhölzer und Altbäume bei der Reproduk- tion eine große Rolle. Beide fallen vermehrt aus. Eine natürliche Verjüngung der Eschenbestände findet kaum statt. Die vergleichsweise geringe Zahl an Jungbäumen schwindet durch deren Ab- sterben zunehmend (Abb. 44). Damit ist die An- zahl geeigneter Eschen heute deutlich geringer als vor Beginn des Eschentriebsterbens. Mit Raupengespinsten besetzte Eschen zeigen häufig durch vorzeitige Blattwelke erste Reakti- onen auf die keimenden Pilzsporen (Abb. 45). Ei- gelege oder Raupengespinste, die nachweislich hierdurch vernichtet wurden, sind bisher nicht festgestellt worden. Häufig haben die Raupen die Eschen bereits verlassen, bevor großflächig der vorzeitige Blattabwurf befallener Eschen stattfin- det. Wie bereits erwähnt ist ein Teil der Eschen offensichtlich zumindest teilweise resistent ge- gen das Eschentriebsterben. Allerdings ist davon auszugehen, dass es noch sehr lange dauern wird, bis sich die Bestände der Esche auf natür- lichem Wege wieder nennenswert erholen. 4.3 Gefährdung durch menschlichen Einfluss Die starke Abnahme der Art in Mitteleuropa ist in hohem Maße durch veränderte Bewirtschaf- tung der ehemaligen Lebensräume sowie durch einen allgemeinen Flächenverbrauch (z. B. durch Land- und Forstwirtschaft) begründet. Beson- ders veränderte Formen der Waldwirtschaft sind hier zu nennen. Die letzten in Baden-Württem- berg besetzten Habitate stell(t)en letztlich vom Menschen genutzte Ersatzlebensräume dar, da die Art vorzugsweise natürliche Auwälder als Pri- märhabitat nutzt (siehe M ayer 2019). Diese Ha- bitate waren meist feuchte Bachtäler, bestehend aus einem Mosaik aus wirtschaftlich genutztem Grünland, Feldgehölzen und kleinflächigen Au- waldresten. Die Habitate unterlagen folglich ei- ner mehr oder weniger intensiven Nutzung durch Forst- und besonders Landwirtschaft. Die aktuell letzte Population in Baden-Württ- emberg erfährt durch die Umsetzung der FFH- Richtlinie und Maßnahmen des landesweiten Artenschutzprogramms Schmetterlinge entspre- chende Schutzbemühungen. Trotzdem ist die Bewirtschaftung einiger Flächen im Habitat noch nicht optimal auf die Bedürfnisse der Art abge- stimmt. Speziell die intensive Bewirtschaftung einiger Mähwiesen mit Gülledüngung und mehr- maligem Schnitt im Jahr ist problematisch. Rau- pen und Puppen werden hier durch einen frühen Schnitt beeinträchtigt (Abb. 46). Zudem sind zur Flugzeit nur wenige Saugblüten für die Falter vor- handen. Bei Gehölzpflegemaßnahmen durch die bewirtschaftenden Landwirte wurden in einigen Fällen günstig positionierte Jungeschen entfernt, die regelmäßig mit Gespinsten besetzt waren. Zudem gingen mehrere Hartriegelsträucher ver- loren, die von den Faltern zur Nektaraufnahme genutzt wurden. Die Beweidung durch Rinder Abbildung 44. Durch das Fortschreiten des Eschen- triebsterbens fallen zunehmend Eschen als Wirtspflan- zen aus. Die Jungesche im Vordergrund ist bereits abgestorben. Die Esche im Bildhintergrund (rechts) befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadi- um des Eschentriebsterbens und wird vermutlich bald absterben. Im Jahr 2018 wirkte diese Esche noch vital (siehe M ayer 2019, Abb. 29) und wurde von E. matur- na -Weibchen zur Eiablage genutzt. 2.9.2020.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1Mjc=