Carolinea 78

68 Carolinea 78 (2020) sorgt für die Offenhaltung wichtiger Flächen und ist grundsätzlich zu begrüßen. Problematisch ist das Abfressen von Laubblättern tief beasteter Alteschen oder Jungeschen, die mit Eiern oder Raupengespinsten besetzt sind. In manchen Jahren führte dies zu erheblichen Ausfällen. 5 Schutzmaßnahmen 5.1 Situation der letzten bekannten E. ma- turna -Population in Baden-Württemberg Die Population in der Kocher-Jagst-Region hat in den letzten Jahren Teile der ursprünglich be- siedelten Fläche weitestgehend aufgegeben. Speziell die Randbereiche, die jahrweise unter- schiedlich stark frequentiert waren, sind nahezu vollständig verwaist. Bei einer 2020 durchge- führten Kartierung konnten hier keine Nachweise von Raupengespinsten mehr erbracht werden. Die Raupengespinste, die in diesen Teilhabitaten gefunden wurden, sind wahrscheinlich haupt- sächlich aus Eiablagen umherstreifender Weib- chen entstanden. Lediglich ein Teilhabitat beher- bergte in den 1990er-Jahren über einige Jahre eine Teilpopulation, die sich sicher unabhängig reproduzierte. Auch hier gelangen in den letzten Jahren keine Nachweise mehr. Wie bereits beschrieben ist das Aufgeben der Randbereiche wahrscheinlich in erster Linie der zunehmenden Trockenheit geschuldet. Es han- delt sich dabei vor allem um mittlere und obere Hanglagen mit mesophilem Charakter, die zu- nehmend trockener werden. Die steigenden Flä- chenverluste sind für ein langfristiges Überleben der Population unvorteilhaft. S ettele et al. (1999) geben 64 ha als Flächenanspruch für eine 30 Jahre überlebensfähige Population von E. matur- na an. F reese et al. (2006) stellen weiterführende Überlegungen zur Flächengröße für E. maturna - Populationen an und nennen noch größere Wer- te. Diesen Angaben folgend ist die gegenwärtig besiedelte Fläche für ein mittel- bis langfristiges Bestehen der Population zu klein. Im Haupthabitat kann man in manchen Jahren immer noch hohe Individuendichten von Faltern und Präimaginalstadien finden. Auch hier rea- Abbildung 45. Ein Raupennest (Bildmitte, links) an einer Jungesche, welche durch das Eschentriebsterben verur­ sachte Symptome (Welken der Blätter) zeigt. 31.7.2012.

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