Carolinea 78
70 Carolinea 78 (2020) Der Managementplan ( M eier 2012) nennt als Entwicklungsziele für das Habitat die Schaffung von Verbindungskorridoren und zusätzlichen Lebensräumen durch Auslichten dichter Ge- hölzbestände, Grünlandextensivierung, Entwick- lung blütenreicher Säume sowie Förderung der Naturverjüngung von Eschen. Für einige dieser Entwicklungsziele besteht noch Handlungsbe- darf, da bisher hauptsächlich das Auslichten von Gehölzbeständen umgesetzt wurde. Grundsätz- lich ist hier zu berücksichtigen, dass für entspre- chende Pflegemaßnahmen immer die Flächen- besitzer bzw. Flächennutzer ihr Einverständnis geben müssen. Auch wenn der entstehende Mehraufwand bzw. die entstehenden Kosten teil- weise über entsprechende LPR-Verträge ausge- glichen werden, sind ohne die Bereitschaft der Bewirtschafter spezifische Schutzmaßnahmen nur schwer umzusetzen. Trotzdem sollten die Bemühungen weiter vorangetrieben werden, um den Eschen-Scheckenfalter in Baden-Württem- berg vor dem Aussterben zu bewahren. Neben der Pflege der gegenwärtig besiedelten Flächen muss die Schaffung neuer Lebensräu- me das Hauptziel sein. Hierzu sind vor allem na- hegelegene Auenbereiche geeignet, da sie über die notwendigen kleinklimatischen Bedingungen mit ausreichend Luftfeuchte verfügen. Auf die- sem Wege lassen sich Strukturen zur Bildung einer Metapopulation realisieren, was letztlich das Vorkommen mittel- bis langfristig sichern kann. Grundsätzlich zeigten die bisher ergrif- fenen Maßnahmen Erfolg, da die Art diese sehr gut annimmt. Speziell das Freistellen von Eschen durch kleinflächige Einschläge zeigt Wirkung. Stehen solche Eschen nach dem Eingriff durch umgebenden Wald geschützt und in sonniger Lage, werden sie umgehend von den Weibchen mit Eiern belegt. Nicht geklärt ist hingegen, inwieweit solche aus- gelichteten Flächen auch für die Frühjahrsrau- pen geeignet sind, da an manchen dieser Stellen potenzielle Fraßpflanzen fehlen. Ebenfalls unklar ist, ob es bei Auslichtungen in relativ trockenen Bereichen zu einer erhöhten Mortalität der über- winternden Raupen am Boden durch Vertrock- nen kommt. Ein seit einigen Jahren stärker be- siedeltes Teilhabitat weist gute Bedingungen für die Entwicklung der Jungraupen im Sommer und die überwinternden Raupen auf. Die vergleichs- weise intensive Wiesenbewirtschaftung ist aller- dings nicht an die Bedürfnisse der Frühjahrsrau- pen, Puppen und Falter angepasst. Hier besteht Potenzial, über entsprechende Pflegemaßnah- men die Qualität dieses Teilhabitates zu erhöhen. Zur Optimierung des Gesamthabitates sind wei- tere ergänzende Maßnahmen wünschenswert. Insbesondere könnte durch das Auszäunen von Eschen im Bereich der beweideten Flächen Rinderfraß an den mit Eiern besetzten Eschen- blättern vermieden werden. Ergänzend oder al- ternativ kann eine Anpassung des Zeitpunktes der Bestoßung durch Rinder an diesbezüglich sensiblen Stellen erfolgen, um die Ausfälle der Gelege und Gespinste so gering wie möglich zu halten. Mit Jungeschen besetzte oder randständigen Eschen vorgelagerte Brachen sollten gelegent- lich gemäht werden, um Gehölzsukzession zu verhindern. Eine weitere sehr wichtige Maß- nahme zum Erhalt der Population ist die Förde- rung junger Eschen. Durch die Bewirtschaftung wachsen kaum noch Jungeschen hoch. Speziell an feuchten Stellen der Auenbereiche, die zu- nehmend von Bedeutung sein werden, ist hier teilweise ein erheblicher Mangel an geeigneten Eschen festzustellen. Die Anpflanzung junger, möglichst gegen das Eschentriebsterben resi- stenter Eschen wäre besonders wichtig. Speziell die Teilflächen mit zunehmenden Ausfällen von (Alt-)Eschen durch das Eschentriebsterben in günstiger Lage würden davon profitieren. Dank Für die kritische Durchsicht und Korrektur des Manu- skriptes bedanke ich mich bei Dr. M atthias S anetra (Mörfelden-Walldorf). Ferner geht mein Dank an Dr. M atthias D olek (Wörthsee), der als langjähriger Ken- ner von E. maturna viele wertvolle Hinweise zu dieser Arbeit beisteuerte. Bei A ndré G rabs (Freiburg) möch- te ich mich für die Hinweise zu den ungewöhnlichen Eiablagen von E. maturna im Steigerwald und die ge- meinsame Exkursion dorthin bedanken. Für die Be- stimmung von Prädatoren und Parasitoiden geht mein Dank an die folgenden Spezialisten: Prof. Dr. S iegfried R ietschel (Karlsruhe) für die Bestimmung verschie- dener Wanzen (Heteroptera) anhand von Fotobelegen, Dr. H ans -P eter T schorsnig vom Staatlichen Naturkun- demuseum in Stuttgart für die Bestimmung der Rau- penfliegen (Tachinidae) und Prof. Dr. K onrad S chmidt (Heidelberg) für die Bestimmung und die Hinweise zur Biologie der Schlupfwespenart Apechtis compunctor . Besonderer Dank gilt weiterhin Dr. R obert T rusch (Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe) für seine freundliche Unterstützung bei der Erstellung der Publikation.
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