Carolinea 78

T rusch et al .: Nachtaktive Insekten an Windenergieanlagen 75 zu installieren. Ferner machen es die einzuhal- tenden Sicherheitsvorschriften zeitaufwändig und personalintensiv, eine solche Anlage für das Ausbringen und die Kontrolle einer Lichtfalle auf der WEA über Serviceaufzug und Leitern zu er- reichen. Unseres Wissens sind im Rahmen des geplanten baden-württembergischen Windtest- felds ebenfalls Untersuchungen zum Auftreten von Insekten an WEA vorgesehen (Projekt WIN- SENT im Rahmen von WindForS). Mit der WEA (Abb. 1) auf dem Gelände des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie in Pfinztal (ICT) steht im Raum Karlsruhe eine Anlage bereit, an der grundsätzlich solche Un- tersuchungen durchgeführt werden können, da es sich um eine Forschungs-WEA handelt. Sie wurde unter entsprechenden Auflagen geneh­ migt. Damit konnte die LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg einen entspre- chenden Werkvertrag an das Staatliche Muse- um für Naturkunde Karlsruhe (SMNK) vergeben. Ziel war es festzustellen, welche Artengruppen und Mengen nachtaktiver Insekten im Jahres- gang an dieser WEA im Bereich der Kanzel aktiv sind und welches Fallendesign am besten ge- eignet ist. Dabei stellt die Lage dieser Forschungs-WEA – sie befindet sich in einem strukturreichen Gebiet (Abb. 2) mit artenreicher Insektenfauna – eine gute Voraussetzung dafür dar, diese Fragestellung zu bearbeiten. Denn wegen einer hohen Zahl ver- schiedener Biotope in der unmittelbaren Umge- bung derWEA können nicht nur ggf. durchziehende Insekten nachgewiesen werden, wie es z. B. in der intensiv genutzten Agrarlandschaft wahrscheinlich ist, sondern auch Arten, die im Umfeld der WEA ihre Lebensstätten (Habitate) haben. Zur Beantwortung der Fragestellung wurden über die Vegetationsperiode 2018 die nacht- aktiven Insekten mit Lichtfallen erfasst. Dabei befand sich eine Falle auf der Kanzel (auch als Gondel bezeichnet) der WEA in ca. 100 m Höhe (KF) und eine Referenzfalle am Mastfuß (MF). Parallel dazu wurden in wenigen hundert Me- tern Entfernung manuelle Lichtfänge (mLF) am Silzberg-Westhang durchgeführt (Abb. 2), um einen Überblick über das im Untersuchungsjahr vorhandene Artenspektrum in Bodennähe zu er- halten. Ab dem Monat August wurden die Licht- fallen mehrere Nächte hintereinander betrieben, um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass die Beprobungen mit Nächten mit geringer In- Abbildung 2. Lage der WEA auf dem Gelände des ICT in Pfinztal-Berghausen und Standorte der manuellen Leucht- anlagen (mLF) am Silzberg-Westhang (Luftbild-Quelle: Google Earth).

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