Carolinea 78
T rusch et al .: Nachtaktive Insekten an Windenergieanlagen 87 Ordensbandes ( Catephia alchymista , Noctuidae) wurde am Silzberg beobachtet. Die Gesamtar- tenliste Lepidoptera, welche die Verteilung aller Schmetterlingsarten auf die beiden Fallen KF und MF sowie die Ergebnisse des manuellen Lichtfangs (mLF) vereint, findet sich mit Tabelle 32 im Anhang D. 4 Diskussion 4.1 Locken WEA nachtaktive Insekten an? Wie unter 3.1 gezeigt, wurden mit der KF, die sich ungefähr in Nabenhöhe des Rotors der WEA be- fand, an neun Beprobungsterminen, die ab Au- gust sogar mehrere Nächte andauerten, nur 353 Insekten-Individuen registriert. Dies entspricht einem Anteil von 7,9 % der 4.457 Insekten ins- gesamt, welche in den beiden Lichtfallen KF und MF im Laufe der gesamten Untersuchung nachgewiesen wurden. Die in den Monaten Juni und Juli zur Überprüfung dieser niedrigen Fang- zahlen der KF eingesetzte Klebefalle (KL) an gleicher Stelle auf der WEA bestätigte dieses Er- gebnis. Gemessen an einer Gesamtexpositions- zeit von 20 Tagen ist die Menge der mit der KL registrierten Tiere, insgesamt 25 Arthropoden, ebenfalls äußerst gering. Damit erhalten wir Klarheit darüber, dass die Menge der Insekten, die ca. 80-90 m über den umgebenden Baumkronen (und ca. 100 m über Grund) nachts in Kanzelhöhe aktiv sind, signi- fikant kleiner ist (p = 0,03) als die zur gleichen Zeit in Bodennähe am Fuß der WEA festgestell- te. Dies gilt im Übrigen nicht nur für die Gesamt- zahl der nachgewiesenen Tiere, sondern auch für die Beprobungsreihe insgesamt mit ihren neun gleichmäßig über die Vegetationsperiode des Jahres 2018 verteilten Terminen. Für einen p-Wert unter 5 % (p < 0,05, t-Test nach S tudent 1908 ) gilt, dass zwei Messreihen signifikant ver- schieden sind. Das heißt, dass es sehr unwahr- scheinlich ist, dass unsere beobachteten Ergeb- nisse rein zufällig entstanden sind. Ferner liegt der Mittelwert für die neun Beprobungen bei der KF bei 39 Individuen (Median = 23), bei der MF hingegen bei 456 (Median 277). Damit liegt die KF hinsichtlich der Individuenzahlen ungefähr bei nur einem Zwölftel der MF. Die Ergebnisse der KL machen es darüber hinaus wahrschein- lich, dass auch tagsüber die Zahl flugaktiver In- sekten auf der WEA sehr gering ist, da die KL in den Monaten Juni und Juli zum Einsatz kam, der Zeit der größten Abundanz von Insekten in Bodennähe. Tabelle 3. Mit MF und mLF nachgewiesene Rote-Liste- Arten: (n) = Anzahl Individuen. Rote-Liste-Kategorien: nA= nicht aufgeführt, 1 = vom Aussterben bedroht, 2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet, U = Gefährdung unklar, V = Art der Vorwarnliste, R = reliktäres Vorkommen oder isolierte Vorposten (BW = Baden-Württemberg) bzw. sehr selten (D = Deutschland), - = keine Kategorie in der betreffenden Roten Liste (= RL). Rote-Liste-Art RL BW (2006) RL D (2010) (n) MF (n) mLF Homoeosoma sinuella nA V 5 2 Agriphila selasella nA V 1 Crocallis tusciaria U V 1 1 Ascotis selenaria 3 R - 1 Comibaena bajularia V - 1 Scopula ornata - V 5 1 Idaea degeneraria 3 - 1 Nothocasis sertata - V 6 Eutpithecia inturbata V - 1 Cerura erminea 3 V 2 Drymonia querna 3 V 12 Spatalia argentina 2 V 1 Moma alpium V V 10 Catocala sponsa V - 1 Catocala promissa 2 V 2 Catocala fulminea 3 3 2 Dysgonia algira U R 6 Catephia alchymista 1 2 1 Caradrina kadenii U - 1 Polyphaenis sericata - 3 2 14 Auchmis detersa V 3 1 Cosmia affinis V 3 1 Conistra erythrocephala V - 8 1 Aporophyla lueneburgensis 3 1 1 Epilecta linogrisea 3 V 1 Agrotis puta V - 3 1 Lithosia quadra 2 3 9 10 Callimorpha dominula V - 5 27 Arten insgesamt Summen: 25 19 10/7 25/17
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