Carolinea 78

88 Carolinea 78 (2020) Allerdings fällt ein Wert aus dem Rahmen: die in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 2018 nachge- wiesene Maximalzahl von 267 Individuen in der KF. Dieses Fangergebnis steht in dieser Untersu- chung einzigartig da. Um die mögliche Ursache für diese verhältnismäßig große Menge an In- sekten auf der WEA in dieser Nacht zu ermitteln, analysierten wir die abiotischen Umgebungsbe- dingungen für diese Beprobung. Die Temperaturunterschiede zwischen KF und MF, jeweils um 23:00 Uhr und am folgenden Mor- gen um 6:00 Uhr gemessen, erwiesen sich als gering (Abb. 19). Hier hätten wir größere Unter- schiede zwischen KF und MF erwartet. Oft war es auf der Kanzel sogar etwas wärmer als in Boden- nähe, womit dort für eine Aktivität von Insekten sogar die günstigeren Bedingungen herrschten. Auch hinsichtlich der am 20. Juni gemessenen Temperatur und Lichtverhältnisse (Nacht-Hellig- keit durch den Mond) gibt es im Vergleich zum Folgetermin (3.-4. Juli), an dem in der KF nur fünf Insekten nachgewiesen wurden (Tab. 1), keine bemerkenswerten Unterschiede. Beide Näch- te waren definitionsgemäß „Tropennächte“ mit Tiefsttemperaturen über 20 °C. Die Rahmenbe- dingungen können somit als ähnlich günstig für den Fang von nachtaktiven Insekten gelten, auch wenn Anfang Juli der Aufgang des (ungefähren) Halbmondes, der sich dann in der abnehmenden Phase befand, schon um 0:06 Uhr erfolgte. Wie gering der Einfluss des Mondes in dieser Un- tersuchungsnacht auf die Anlockwirkung von Insekten durch unsere Fallen war, dokumentiert anschaulich das gute Resultat der MF. An die- sem Termin wurden mit ihr 684 Individuen nach- gewiesen, im Juni waren es 747. Beide Zahlen dokumentieren von der Größenordnung her ähnliche und für die Sommermonate durchaus zu erwartende Individuenmengen. Sie zählen zu den größten im Untersuchungsjahr erhaltenen Werten, sofern die Zahlen der späteren, länger andauernden Beprobungen auf Einzeltage um- gerechnet werden (vgl. Abb. 17). Für den Parameter Windgeschwindigkeit (Abb. 20) konnte hingegen ein deutlicher Unterschied zwischen den betrachteten Terminen festgestellt werden. So war beim Junitermin mit 0,6 m/s nur ein leichter Luftzug vorhanden, am 3./4. Juli wur- de dagegen eine Windgeschwindigkeit von fast 2 m/s gemessen. Solche und höhere Windge- schwindigkeiten von bis zu mehr als 8 m/s wur- den auch an den anderen Terminen festgestellt. Aus der eigenen Praxis beim Fang nachtak- tiver Schmetterlinge ist uns bekannt, dass eine geringe Windgeschwindigkeit, auch lokal, zu höherer Insektenaktivität führt. Dies wird von Abbildung 19. Tempe- raturen von Mai bis Ok- tober an KF und MF, je- weils am Abend (23:00 Uhr) und am folgenden Morgen (06:00 Uhr) ge- messen. Für die letzten drei, mehrtägigen Be- probungen stammen die Werte jeweils vom 1. Tag der Beprobung. Kanzel Mastfuß Kanzel Mastfuß Kanzel Mastfuß Kanzel Mastfuß Kanzel Mastfuß Kanzel Mastfuß Kanzel Mastfuß Kanzel Mastfuß Kanzel Mastfuß 15.05. 2018 24.05. 2018 05.06. 2018 20.06. 2018 03.07. 2018 17.07. 2018 22.-29. 08.2018 12.-18. 09.2018 09.-17. 10.2018 35 30 25 20 15 10 5 0 23:00 06:00

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