Moorforschung

Moore haben schon immer die Menschen fasziniert. Man denke hier nur an die besondere Stimmung in meist weitab von Siedlungen liegenden Mooren – „Wie schaurig ist es, übers Moor zu gehen!“ – oder die Moorleichen. Zwischendurch waren die Moore von besonderem Interesse als Rohstofflieferanten, man denke hier nur an den Abbau im Wildseemoor im Nordschwarzwald, oder als Reserveflächen für die Landwirtschaft. Die Moorkartierung in Baden-Württemberg durch GÖTTLICH ist mit diesem Hintergrund in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden, um die es aber in Zeiten der landwirtschaftlichen Überproduktion still wurde. In letzter Zeit rücken die Moore aber als Kohlenstoffspeicher (CO2-Senke) wieder stärker ins Interesse der Öffentlichkeit.

Moore, vor allem unsere Hochmoore, sind aber auch Heimat seltener Tiere und Pflanzen, die dort ihr Nische gefunden haben und an anderer Stelle nicht überleben können. Es handelt sich um hoch-spezialisierte und an die extremen Bedingungen in Mooren angepasste Lebewesen. Diese Bedingungen zu verstehen, ist Ziel der Untersuchung der heutigen Vegetation.

Leider wird oft vergessen, dass die Torfe der Moore auch Archive unserer Geschichte sind, die viele Jahrtausende zurückreichen. Das ist der Zweck unserer vegetationsgeschichtlichen Forschung. Durch schriftliche Archive sind wir maximal über die letzten 200 bis 300 Jahre gesichert informiert, wobei diese Archive dann auch oft durch die Herrschaft in ihrer Aussage geprägt sind.

Die Torfe der Moore wachsen im Schnitt etwa einen Millimeter jedes Jahr nach oben. Unter günstigen Bedingungen bleibt alles, was auf die Oberfläche eines Moores fällt, für die Nachwelt erhalten. Man muss es nur erschließen und kann dann wie in einem Geschichtsbuch lesen.

Als Methoden werden hierzu vor allem die Pollenanalyse (Untersuchung des Blütenstaubs), die Großrestanalyse (Untersuchung der Samen, Früchte, Moose und sonstige Reste), die Geochemie (Untersuchung der chemischen Bestandteile), Rhizopodenanalyse (Gehäuse der Thekamöben) und so weiter angewandt. Vor allem die Kombination verschiedener Methoden erlaubt eine viel weitergehende Aussage.

Vegetationsgeschichte der letzten 1000 Jahre im Lautermoor in der Südpfalz (Hölzer & Hölzer 1994):

Vegetationsgeschichte der letzten 1000 Jahre im Lautermoor (Pfalz)

Ab einer Tiefe von etwa 40cm entwickelte sich das Moor ungestört. Der Gipfel der Kornblumenkurve (Centaurea cyanus) wurde durch ein kurzzeitiges Getreidefeld neben dem Moor um 1920 verursacht.

Ursee bei Lenzkirch
Ursee bei Lenzkirch
Guldeloh (im Hegau)
Guldeloh (im Hegau)
Horbacher Moor
Horbacher Moor
Schmalblättriges Wollgras
Schmalblättriges Wollgras
Scheidiges Wollgras
Scheidiges Wollgras
Moosbeere
Moosbeere
Rauschbeere
Rauschbeere
Preiselbeere
Preiselbeere