Alte Eichen erhalten und ihren Feind, den Heldbock, schützen?

An den Straßen- und Waldrändern Karlsruhes stehen zahlreiche alte Eichen, die seit Jahrhunderten dem Klima, Krankheiten und Schädlingen getrotzt haben. In den vergangenen Jahren nahm die Population der Käferarten zu, die sehr gerne alte Eichen befallen. Verantwortlich dafür sind unter anderem die Lage Karlsruhes im Rheingraben und das sich verändernde Klima. Die alten Eichen wurden seitens des Forst- und Gartenbauamtes über Jahre gefördert und betreut. Allerdings ist es nicht einfach, diese Bäume zu erhalten, wenn man gleichzeitig Insektenarten wie den Heldbock schützen will, die als Schädlinge diese Baumriesen über Jahre hinweg zum Absterben bringen.

Deshalb wollen wir vom Naturkundemuseum Sie über die Bäume informieren, die der Heldbock befällt sowie Schutzmaßnahmen, die die Stadt Karlsruhe bereits ergriffen hat, um sowohl die Eichen als auch den Heldbock zu schützen. 

Bilder von weiteren „Heldbockeichen“ im Umkreis von Karlsruhe finden sie ebenfalls in einem Abschnitt.

Informationen zur Entwicklung der Larven des Heldbocks und weitere zoologische Aspekte, können Sie auf der Seite der Zoologie entnehmen.

Wenn sie noch mehr zu diesem Thema wissen wollen, finden sie interessante Quellen im Literaturverzeichnis.

Dieser Artikel wurde von N. Wehner, Mitarbeiter der Botanik im Bundesfreiwilligendienst erstellt und mit einem Partner in der Zoologie abgestimmt.

Die Eiche – Brutstätte des Heldbockes

Stiel- und Traubeneichen sind nach der Rotbuche die häufigsten Laubbäume Mitteleuropas. Weltweit gibt es zwischen 250 und 600 verschiedene Eichenarten, die zum Teil auch in Deutschland vorkommen. Bei uns befällt der Heldbock nur Stieleiche und Traubeneiche. Ein Grund dafür ist die Rindenstruktur, die für die Eiablage bei diesen zwei Arten geeignet ist. In Bild 1 und 2 sehen Sie die Rinde einer Eiche, die mit Bohrlöchern des Heldbocks übersät ist. Holzmehlreste sind ebenfalls zu erkennen.

 

Eigenschaften der Eiche

  • Eichen können ein hohes Alter von mindestens 300­–400 bis hin zu 800 Jahren erreichen.
  • Eichenholz ist sehr hart und fest und in der Holzproduktion sehr wichtig. Zwar wachsen sie im Vergleich zu Nadelgehölzen wie Fichten langsamer, produzieren aber ein wertvolleres Holz und haben eine höhere ökologische Relevanz als ein Fichtenwald.
  • Eichen besitzen eine dicke Borke (äußerste Schicht der Rinde).
  • Das Kernholz zerfällt nur langsam (innerste Holzschicht des Baumes).
  • Eichen besitzen eine hohe Regenerationsfähigkeit. Bei Schäden kann sich der Baum durch Austrieb aus ,,schlafenden Knospen'' erneuern.

 

Wo wachsen diese zwei Eichenarten meistens?

Beide sind Lichtbaumarten und benötigen eine hohe Sonneneinstrahlung für optimales Wachstum. So zum Beispiel an Waldrändern, in Parks, oder auch in Städten. Auch wenn Eichen sehr häufig vorkommen, können sie sich nur schwer im Wald gegen die schattentolerante Buche durchsetzen, weshalb die Stieleiche dort vorkommt, wo es der Buche zu kalt und zu feucht ist.

Der größte Unterschied in der Standortwahl ist, dass die Stieleiche in feuchteren Gebieten als die Traubeneiche wächst, z. B. in Flussauen. Damit ist nicht gesagt, dass es immer so sein muss. Die Arten tendieren aber in diese Richtung. In Karlsruhe in der Stadt kommen Stieleichen viel häufiger vor als Traubeneichen, obwohl es nicht unbedingt der feuchteste Standort ist.

 

Infos zur Bestimmung:

Der markanteste Unterschied dieser beiden Eichenarten ist an den Blättern und Früchten (Eicheln) erkennbar.

Die Blätter unterscheiden sich in kleinen Merkmalen wie die typische Stiellänge und der Übergang zum Stiel.

Blätter der Stieleiche gehen in kleinen Lappen (Öhrchen) in den Stiel über (erinnert auch an eine Herzform) und besitzen einen kurzen Stiel (Bild 3).

Blätter der Traubeneiche gehen ohne Öhrchen in den Stiel über (dreiecksförmig) und haben einen längeren Stiel (Bild 4).

Die Eicheln sind bei der Stieleiche über einen langen Stiel (Namensherkunft) mit dem Ast verbunden (Bild 5).

Bei Traubeneichen geht die Eichel nahezu ohne Stiel in den Ast über (Bild 6).

Ansprüche des Käfers an den Baum

In Bild 1 sehen Sie die Heldbockeiche im Nymphengarten, dem Park hinter dem Museum. Gut sichtbar die 1–2 Finger dicken Fraßgänge, die nach und nach sichtbar werden, wenn weitere Rindenstücke abfallen.

Der Heldbock benötigt

  • alte Bäume mit einer dicken Rinde und mindestens 60 cm Durchmesser (Brusthöhendurchmesser).
  • bei Besiedlung einen vorhandenen Saftfluss (lebender Baum), um die Larvenentwicklung zu starten.
  • eine Eiche mit wenig bis keinem Unterbewuchs, um eine ungehinderte Sonneneinstrahlung zu gewährleisten (Larven können sich entwickeln).  Das ist in Stadtparks meistens gegeben. Der natürliche Lebensraum des Käfers sind Flussauenwälder.
  • Mulm im Bauminneren (verfaultes, getrocknetes, zerfallenes Holz).

Der abgestorbene Brutbaum dient als Ausgangspunkt, um andere Eichen in der Umgebung zu besiedeln. Warum nur Bäume in der Umgebung in Frage kommen, lesen Sie bei der Gefährdung des Käfers.

Der Befall. Nur negative Folgen?

Der Befall

Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier in die Rindenritzen der Eichen ab.

Die Larven schlüpfen nach ca. 3 Wochen und fressen sich in das Kambium (Bestandteil der Rinde) zur Überwinterung.

Im zweiten Jahr legen sie Fraßgänge im Splintholz (der ''lebendige'' Holzteil) und im dritten bis fünften Jahr im Kernholz (dient der Stabilisierung des Baumes) an.

Wenn sich die Larven verpuppt haben, schlüpft nach 4–6 Wochen der erwachsene Käfer und frisst sich nach der Überwinterung durch die dünne Rindenschicht nach draußen und kann weitere Bäume befallen. Ein neuer Lebenszyklus beginnt. Als erwachsener Käfer lebt der Heldbock im Schnitt unter 40 Tage.

 

Ist ein Zusammenleben möglich?

Die Nahrung der Larven sind die nährstoffreichen Baumsäfte.

Der Käfer frisst somit die Lebensgrundlage des Baumes, wodurch der Baum langsam abstirbt.

Der Schädling gibt dem Baum nichts Wertvolles zurück.

 

Gibt es etwas Positives am Befall?

Der Heldbock befällt ausschließlich geschwächte oder vor sich hin kränkelnde Eichen und beschleunigt das Absterben dieses Baumes. In gesunde Eichen, die noch in der Lage sind große Harzmengen auszuschütten, nistet sich der Heldbock nicht erfolgreich ein.

Die Larven des Käfers legen die Grundlage an, damit weitere Tierarten den Baum besiedeln können. Es entstehen neue Habitate. Eine Nachfolgeart ist beispielsweise der Eckschildige Glanzprachtkäfer, der den Baum nach dem Absterben bewohnt.

Bilder von weiteren Heldbockeichen

Die folgenden Bilder sind auf dem Gelände der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee entstanden.

Dort befinden sich zum Teil sehr alte Eichen mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter.

Diese sind teilweise befallen oder in der nahen Umgebung von besiedelten Bäumen.

 

In Bild 1 sehen Sie eine Eiche mit einem sehr großen Durchmesser und ebenfalls dicken Ästen. Von Weitem ist kein Befall zu erkennen. Geht man näher heran, sieht man kleine bis größere Löcher in der Rinde (Bild 2).

Im Umkreis sind bereits besiedelte Eichen, weshalb diese als nächster potenzieller Brutbaum in Frage kommt.

 

Bild 3 und 4 zeigen die für den Heldbock typischen Fraßgänge im Holz. Die Rinde ist stellenweise abgefallen. Das Holz hat sich leicht rötlich/orange gefärbt.

 

Bild 5 zeigt wie hohl diese alte Eiche bereits ist. Ein dicker Ast konnte nicht mehr getragen werden. Bild 6 zeigt die Eiche aus einer anderen Perspektive.

 

Bild 7 und 8 zeigen eine Eiche, die mit Metallstangen stabilisiert wurde. Äste sind stellenweise abgebrochen und Fraßgänge überziehen den Stamm. Die Eiche ist vollkommen abgestorben.

Die Gefährdung des Käfers

Warum ist die Käferart so gefährdet? 

  • Alte Eichen sind selten und damit der Lebensraum für den Käfer knapp.
  • Die Käfer können zur Ausbreitung nur kurze Strecken zurücklegen, weshalb sie auf geeignete Eichen im Umkreis des eigenen Brutbaumes angewiesen sind.
  • Die zunehmende Trockenheit schadet den Eichen zusätzlich und diese sterben dadurch früher ab, wenn sie vom Heldbock befallen sind.
  • Eine Beschattung vorhandener Brutbäume verhindert die Larvenentwicklung.
  • Alte Eichen werden aus unterschiedlichen Gründen gefällt und durch junge oder andere Baumarten ersetzt.
  • Gleichzeitig will man alte Eichen käferfrei halten, damit sie noch weitere Jahre überstehen.
  • Bereits abgestorbene Bäume können zur Gefahr werden, wenn Äste plötzlich herabfallen oder der Stamm umkippt. Die Verkehrssicherheit muss gewährleistet sein, wenn der Baum am Weges-/ Straßenrand oder im Park steht. Manchmal lässt sich deshalb ein Entfernen des Baumes nicht vermeiden.

Gesetzliche Vorgaben und Schutzmaßnahmen für Käfer und Baum

Gesetzliche Vorgaben:

Tatsache ist, dass der Käfer vom Aussterben bedroht ist und nach der FFH‑Richtlinie besonders geschützt ist.

Alte Eichen dagegen, die in Parks stehen, nicht unbedingt.

Die Käfer mit bspw. Insektengiften abzutöten ist somit verboten.

Ebenso ist das vorsätzliche Entfernen von möglichen Habitatbäumen in der Umgebung eines bereits besiedelten Baumes verboten.

 

Schutzmaßnahmen:

Der Käfer bleibt in der Umgebung und legt geringe Distanzen zurück, um weitere Eichen zu befallen.

Potenzielle lokale Eichen sollen deshalb zur Verfügung gestellt werden.

Die besiedelten Bäume müssen geschützt und gegebenfalls durch Konstruktionen abgesichert werden, wenn der Baum umzukippen droht (siehe Bild 1 und 2).

Sicherheit und Schutz der Bevölkerung vor herabfallenden Ästen müssen Vorrang haben.

Umsiedlung des Habitatbaumes wäre als letzter Ausweg möglich oder es werden sogenannte Ausgleichsmaßnahmen geschaffen. Dabei soll laut des Bundesamtes für Natuschutz der Baum in 3-4 m lange Teilstücke zerlegt und in der Nähe von potenziellen oder bereits besiedelten Eichen gelagert werden. So haben die Larven die Chance, sich zu verpuppen und weitere Eichen zu besiedeln.

 

Projekt Eichensicherung in Karlsruhe:

Die Stadt Karlsruhe hat hierfür das Projekt Eichensicherung gestartet, welches das Ziel verfolgt Alteichen im Gebiet Karlsruhe zu erhalten.

Vom Land Baden-Württemberg werden hierfür hohe finanzielle Mittel bereitgestellt, um befallene Eichen abzusichern (siehe Bild 1 und 2). Zudem sind auch Privatpersonen dazu angehalten, Habitatbäume zu bewahren. Einen finanziellen Zuschuss können diese Personen für diesen Zweck ebenfalls erhalten.

Weitere Infos zu dem Projekt der Stadt Karlsruhe, können hier nachgelesen werden. https://www.karlsruhe.de/b3/natur_und_umwelt/naturschutz/artenschutz/heldbock.de

Quellen und weiterführende Literatur

  • Aas & Riedmiller (1992): Laubbäume bestimmen kennenlernen schützen. Gräfe und Unzer. Seite 116 bis 119
  • Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz (2020): Natura 2000. Steckbrief zu Cerambyx cerdo: Link zur Webseite 
  • Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Sachsen (2020): Heldbock und Eremit; Bewohner alter Bäume: Link zur Webseite
  • Stadt Karlsruhe (2020): Leben & Arbeiten; Natur- und Umweltschutz; Artikel zum Heldbock: Link zur Webseite 
  • R. Ertel (2020): Aufbau des Baumstammes: Link zur Webseite 
  • Bundesamt für Naturschutz (2020): Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Heldbocks: Link zur Webseite
  • Landesamt für Umwelt und Geologie Sachsen (2020): Artikel zum Heldbock: Link zur Webseite
  • Stadt Karlsruhe (2020): Schutz alter Eichen: Link zur Webseite