Flora und Vegetation aufgelassener Lehm- und Tongruben sowie im Infrastrukturbereich

Einsetzende Verbuschung auf einer Hochweide

Erste Pioniere sind häufig Moose, hier das Wettermoos Funaria hygrometrica (mit dem darauf parasitierenden Pilz Octospora excipulata)

Beim Werden und Vergehen von Artengemeinschaften quasi »live« zusehen können wir mittels der Sukzessionsforschung. Dort, wo durch natürliche oder anthropogene Ereignisse z. B. Offenboden, verletzte Baumrinde oder frische Felsoberfläche (… oder auch Betonoberfläche!) geschaffen wurde, stellen sich nach und nach erste Besiedler ein und werden auch wieder verdrängt durch nachfolgende Arten. Die Sukzessionsforschung beschäftigt sich mit den zugrunde liegenden Prozessen und Abfolgen sowie mit der Artzugehörigkeit und den Eigenschaften der »Mitspieler«, hier am Beispiel von Lehmgruben und urbaner Vegetation.

Lehm und Ton sind zwar Anteile von Böden, im Gegensatz zu den überlagernden Humusschichten aber deutlich weniger intensiv von Organismen besiedelt. Wird der Oberboden entfernt, verbleibt daher eine (weitgehend) »auf Null gesetzte« Fläche. Auch im Infrastrukturbereich, d. h. auf und entlang von Verkehrstrassen sowie im Siedlungsbereich, werden regelmäßig derartige »leere« Flächen geschaffen; Beispiele sind Steinschüttungen, Böschungsmodellierung, Pflasterarbeiten, Ablagerung von Aushubmaterial etc. Im Gegensatz zu humosem Offenboden gibt es keine oder nur sehr geringmächtige Samenbanken, die Flächen können deshalb tatsächlich ganz von neuem besiedelt werden. Auf diese Weise lassen sich Sukzessionsprozesse verschiedener Stadien erfassen, was Rückschlüsse auf Artengemeinschaften, Artenwechsel und Sukzessionsserien erlaubt. Aufgrund der oft langzeitig sehr lückigen Vegetation treten an solchen Standorten auch regelmäßig konkurrenzschwache Arten sowie andererseits auch Neophyten auf, deren ökologische Ansprüche hier dann besonders gut untersucht werden können.

Ausgewählte Publikationen

Besl H., Zitzmann H., Simmel J. (2018):
Die urbane Pilzflora von Regensburg. Regensburger Mykologische Schriften. 18: 3-140
Simmel J., Gleixner C. (2015):
Sistotrema confluens Pers. : Fr., ein humusfliehender Mykorrhiza-Bildner – Störung als Pflegemaßnahme für Pilze. Mycologia Bavarica. 16: 71-83
Simmel J. (2012):
Erechtites hieraciifolius weiter in Ausbreitung. Hoppea, Denkschr. Regensb. Bot. Ges.. 73: 191-193

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