Biodiversität

Was ist Biodiversität?

Die gesamte Vielfalt des Lebens auf der Erde: Sie umfasst die Arten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten (sichtbar an Tierrassen und Pflanzensorten) und die Vielfalt der Lebensräume oder Ökosysteme. Diese drei Ebenen sind stark verknüpft und bedingen sich gegenseitig.

Der Begriff "Biodiversity" stammt aus den 80er Jahren, wurde durch den Biologen E.O.Wilson bekannt und erfuhr erstmals weltweite Beachtung durch die 1992 auf der UNO-Konferenz in Rio de Janeiro verabschiedete "Konvention über die biologische Vielfalt" (engl. Convention on the Biological Diversity – CBD), die inzwischen von 190 Staaten (darunter Deutschland) und Verbünden (z.B. der EU) unterzeichnet wurde.

Wie viele Arten leben auf der Erde?

Nach neuesten Erhebungen (Mora et al. 2011 in PLoS Biology) sind derzeit etwas mehr als 1,4 Millionen Arten in wissenschaftlichen Katalogen erfasst. Während in den vergangenen Jahren die Schätzungen der weltweiten Artenvielfalt von 3 bis 100 Millionen Arten reichten, liegt eine Schätzung auf der Basis der Zahl der Höheren Taxa (Stamm, Klasse, Ordnung, Familie) bei „nur noch“ 8,7 Millionen Arten. Das bedeutet trotzdem, dass wir höchstens 16 % der Artenvielfalt kennen.

Der Forschungsbedarf zur Beschreibung der Arten, zur Kenntnis ihrer Genetik, Biologie und Ökologie ist also ungeheuer groß - besonders unter dem Gesichtspunkt, dass viele der Arten durch das andauernde Wachstum der menschlichen Weltbevölkerung und die damit verbundene zunehmende und bereits an die Grenzen gehende Nutzung der natürlichen Ressourcen (Wasser, Boden, Pflanzen und Tiere als Nahrungsgrundlage) vom Aussterben bedroht sind. Der derzeitige Verlust an Arten wird auf 100 Arten pro 1 Million Arten im Jahr geschätzt und liegt damit weit oberhalb der als natürlich angenommenen Aussterbensrate von 0,3 Arten pro 1 Million Arten.

Welchen Wert hat die Biologische Vielfalt?

Aus unserem gesellschaftlichen Wertesystem ergibt sich zunächst eine ethisch-moralische Verpflichtung die anderen im Prozess der Evolution über Millionen von Jahren entstandenen Arten nicht zu vernichten.

Natürliche Ökosysteme sind (auch ökonomisch) hocheffizient, das Recycling von Wasser und Nährstoffen geschieht ohne große Verluste. Dagegen sind die meisten Agrarsysteme mit ihren hohen Erträgen extrem "undicht" – sie führen zu hohen Verlusten an Boden und organischem Material durch Erosion und verlieren Nährstoffe (z.B. Stickstoff) durch Auswaschung.

Die sogenannten "Ökosystem-Dienstleistungen", d.h. die Funktionen der Ökosysteme, von denen wir Menschen abhängen bzw. profitieren wurden weltweit mit 16-54 Billionen US$ pro Jahr bewertet (das Welt-Bruttosozialprodukt liegt bei 18 Billionen; Quelle: Costanza et al. 1997 in Nature).

Der Verlust landbasierter Ökosystem-Dienstleistungen wird auf 50 Milliarden € pro Jahr geschätzt und es wird mit einer starken Zunahme der Verluste für die Zukunft gerechnet.