Kräuseljagdspinnen - Neuankömmlinge bei uns

In (Süd-) Deutschland findet man in Häusern seit einigen Jahren große Kräuselspinnen, die keine Netze mehr bauen. Sie gehören zur Familie der Kräuseljagdspinnen (Zoropsidae).

Es handelt sich dabei um die bis vor etwa 20 Jahren nur aus dem Mittelmeergebiet bekannten Art Zoropsis spinimana. Sie wurde aller Wahrscheinlichkeit nach durch aus Südeuropa rück- oder einreisende Menschen eingeschleppt und hat sich besonders entlang des Rheins und der Nebenflüße durch die günstigen Klimabedingungen etablieren können. Inzwischen wird sie vermehrt auch außerhalb von Gebäuden, z.B. in Gärten und Schuppen gefunden.

Diese Kräuseljagdspinnen stellen ein Kuriosum in der Welt der Spinnen dar. Sie stellen zwar mit den speziellen Organen Cribellum (Spinnplatte) und Calamistum (Kamm) Kräuselfangfäden her, bauen aber keine Fangnetze mehr. Vielmehr fangen sie ihre Beute, indem sie diese verfolgen und im Sprung überwältigen. Wieso sollten sie also noch Kräuselfäden brauchen? Des Rätsels Lösung liegt im Bau des Eikokons. Die Eier werden in einen Teppich bzw. ein größeres Gespinst aus Kräuselfäden eingewoben und sind so vor Feinden geschützt. Das Muttertier bewacht darüberhinaus noch eine gewissse Zeit lang den Eikokon und die frisch geschlüpften Jungspinnen.

Zoropsis spinimana ist die häufigste Kräuseljagdspinne und erreicht 9-19 mm Körperlänge, die Beinspannweite kann bis zu 6 cm betragen. Durch ihr (im Gegensatz zu den meisten anderen einheimischen Spinnen auch auf Menschen wirkendes) Gift, ihren robusten Körperbau und ihre Geschicklichkeit bei der Jagd wird sie auch mit recht großer Beute fertig. Mitunter überwältigt sie auch Hausspinnen, die zumindest in Bezug auf die Beinspannweite größer sind. Kräuseljagdspinnen sind, wie viele Spinnen, überwiegend nachts aktiv und streifen dann auf der Jagd nach Beute umher.

Von einem direkten Kontakt mit einer ausgewachsenen Kräuseljagdspinne wird abgeraten. Ein Biss, der freilich nur dann erfolgen würde, wenn sich das Tier bedroht fühlt, ist nicht vollkommen harmlos. Der auftretende Schmerz ist aber meist schwächer als ein Wespenstich. Dagegen kann eine Hautrötung oder -Schwellung um die Bissstelle bis zwei Tage anhalten.

Mehr zur Art im Spinnen Forum Wiki  -  Nachweise im Atlas der Spinnentiere

Zoropsis spinimana, Weibchen von vorne
Zoropsis spinimana, Weibchen von vorne
Zoropsis spinimana, Weibchen
Zoropsis spinimana, Weibchen
Zoropsis spinimana, Männchen
Zoropsis spinimana, Männchen
Zoropsis spinimana, Männchen
Zoropsis spinimana, Weibchen, Calamistrum
Zoropsis spinimana, Weibchen, Calamistrum